Montag, 06. August 2018, 12:21 Uhr

Placebo-Debatte

Die von CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer angestoßene Diskussion über Wehr- und Dienstpflicht ist eine typische Placebo-Debatte – eine Debatte, die zu nichts führen wird, die aber den konservativen Wähler das Signal geben soll: Wir haben verstanden, wir nehmen Eure Sorgen ernst. Wir kümmern uns wieder um konservative Themen.

Das ist schon alles, denn weder ist eine Wiedereinführung der Wehrpflicht finanzierbar, noch ist eine allgemeine Dienstpflicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Zivildienst war nur so lange zulässig, solange es eine Wehrpflicht gab.

Damit wäre eigentlich die Debatte beendet, wenn nicht die CDU aus wahltaktischen Gründen wieder ein konservatives Thema bräuchte. Dann kam jetzt geschickt nennen und durchschaubar. In der Sache bringt es nichts. Denn in Wirklichkeit wollen weder Angela Merkel noch Annegret Kramp-Karrenbauer am Kurs der CDU etwas ändern.

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Dienstag, 03. Juli 2018, 10:11 Uhr

Eine schreckliche Familie

Es gibt Ehepaare, die sich nichts mehr zu sagen haben, die sich nicht mehr verstehen, bei denen die einstige Liebe in Hass umgeschlagen ist. Sie streiten sich nur noch, überziehen sich mit gegenseitigen Vorwürfen. „Du bist doch heute nur Chefarzt, weil ich dich während deines Studiums finanziell unterstützt habe“. Oder: „Du denkst nur noch an dein Ego, pflegst deine Eitelkeiten, lässt deiner Wut freien Lauf. Du nimmst auf mich keinerlei Rücksicht mehr.“

Normalerweise müsste sich ein solches Ehepaar scheiden lassen. Es tut es aber nicht – „wegen der Kinder“. Deshalb bleiben sie zusammen, obwohl die Kinder den täglichen Hass und Streit nicht mehr ertragen können, am liebsten ausziehen würden oder bei Oma und Opa leben.

In Phasen, in den Mutter und Vater sich zusammenreißen, merken die Kinder, dass  ihnen dies nur vorgetäuscht wird, dass die Zerrüttung bleibt. Irgendwann wird die Situation so unerträglich, dass die Familie endgültig zerfällt.

So etwa ist das mit der CDU und CSU, mit Angela Merkel und Horst Seehofer. Sie bleiben zusammen, obwohl es für diese politische Ehe keine Basis mehr gibt. Sie glauben, sie müssten das tun wegen der Wähler. Man müsse ihnen weiter ein gemeinsames Zuhause geben.

Aber auch die Wähler wollen bei dieser Parteienfamilie nicht mehr bleiben. Der Streit widert sie an, sie durchschauen die vorgetäuschte Harmonie, sehen die Wunden, die sich beide gegenseitig zugefügt haben.

Bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen im Oktober werden deshalb viele Wähler diese schreckliche CDU/CSU-Familie verlassen. Sie haben die Nase voll von so viel Heuchelei. Sie ziehen mit einem neuen Freund wie der FDP oder den Grünen zusammen oder gehen zu Opa, der AfD.