Donnerstag, 23. Mai 2019, 15:13 Uhr

Alles alte Männer

Das Video des Youtubers Rezo ist für die CDU ein Menetekel an der Wand. Seine unglaubliche Verbreitung (schon fünf Millionen haben es angesehen) und die hilflose Reaktion darauf zeigen, dass die Volksparteien gerade dabei sind, eine ganze Generation zu verlieren.

Natürlich ist das Video einseitig, polemisch und einiges hält auch dem Faktencheck nicht stand. So hat die rot-grüne Regierung Schröder mehr für die ungleiche Einkommensentwicklung in Deutschland getan als die CDU. Beispiele: die drastische Absenkung des Spitzensteuersatzes, die Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne und nicht zuletzt Hartz IV. Die SPD hat inzwischen versucht, einiges wieder zu korrigieren – zum Beispiel mit dem Mindestlohn .

Aber das ändert nichts an den Grundproblemen von CDU/CSU und SPD – die Überalterung und die Unfähigkeit, die Jugend noch zu erreichen. Ihre Hilflosigkeit gegenüber der rasend schnellen Kommunikation im Internet. Und ihre Gegenwartspolitik ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste der nächsten Generationen.

Weil das Video aber “Die Zerstörung der CDU” heißt, fühlt diese sich am meisten attackiert. Und sie reagiert ähnlich planlos wie auf Greta Thunberg und die “Fridays for Future”. Erst Gegenattacken, dann – unter dem Eindruck der Klickzahlen – Dialogangebote.

Und dann sollte noch Philipp Amthor, ein ebenfalls 26jähriger CDU-Abgeordneter antworten. Ein Vorhaben, das die CDU schnell wieder aufgab. Es wäre auch lächerlich gewesen, auf den Youtuber einen alten CDU-Mann, gefangen im Körper eines strebsamen Kindes, antworten zu lassen. Die Community hätte sich vor Lachen gebogen. Dagegen ist Wolfgang Schäuble ein moderner, junger Heißsporn.

Die CDU hat keine jungen Leute mehr. Auch die Vertreter der Jungen Union, die nicht links, sondern rechts von der Mutterpartei stehen,  sind im Grunde alte Männer. Man muss sich nur die Rede des neuen JU-Vorsitzenden auf dem Deutschlandtag seiner Organisation anhören. Sie kann in weiten Teilen auch AfD-Leute verzücken.

So geht es auch der SPD. Auch der Altsozialist Kevin Kühnert ist nicht wirklich jung. Nur die Grünen können noch ein paar frische und kritische junge Leute aufbieten.

Wenn die etablierten Parteien dieses Problem nicht gelöst bekommen, ist ihr weiterer Abstieg programmiert. Sie haben die Zeichen an der Wand nicht erkannt.

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Samstag, 11. Mai 2019, 13:10 Uhr

Goodbye AfD

Soll Grünen-Chef Robert Habeck Bundeskanzler werden? Bisher habe ich mich mit der Frage noch nicht beschäftigt, aber jetzt wird es Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken. Denn der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen hat gesagt, wenn Habeck Bundeskanzler werde, denke er ernsthaft ans Auswandern.

Das ist das erste AfD- Versprechen, das Hoffnung macht: Meuthen in einer WG mit Marie le Pen in Frankreich, im Ferienhaus des italienischen Rechtsradikalen Matteo Salvini oder zur Untermiete bei Viktor Orban. Das ist eine echte Alternative zu und für Deutschland. Und vielleicht nimmt er Alexander Gauland und dessen Hundekrawatte und noch ein paar führende AfD-Leute mit.

Dafür ist eine Kanzlerschaft Robert Habecks wirklich kein zu hoher Preis. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: das ginge wahrscheinlich nur mit einer grün-rot-roten Koalition. Der Preis ist dann doch zu hoch. Meuthen bleibt uns erhalten. Schade, es wäre zu schön gewesen.