Merkel und Jenny Elvers

Angela Merkel wird im Wahlkampf 2013 auf eine prominente Wahlhelferin verzichten müssen, die sie 2005 noch hofiert hatte: Jenny Elvers-Elbertzhagen. Denn die TV-Darstellerin ist bekanntermaßen auf längere Zeit indisponiert und als Wahlhelferin verbrannt.

2005 war das anders. Damals gründete Jenny Elvers zusammen mit 142 anderen Frauen, darunter Christina Gräfin Pilati, der Ehefrau Rudolf Scharpings, der Sängerin Vicky Leandros und der Schauspielerin Tina Ruland eine Frauen-Wählerinitiative für Merkel: “Angela Merkel muss Kanzlerin werden”. Vorausgegangen war ein Besuch Merkels bei Jenny Elvers zuhause.

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Wild mit Steinbrück

Peer Steinbrück habe ich nur einmal getroffen. Es war im November 2003, als Steinbrück noch NRW-Ministerpräsident war und ich noch nicht Berater seines Herausforderers Jürgen Rüttgers. Steinbrück lud einen kleinen Kreis von Politikberatern, Meinungsforschern und Politikwissenschaftlern zum Mittagessen in die NRW-Landesvertretung in Berlin. Es gab Wild.

Das Interessante an dem Treffen war, dass Steinbrück einen ganz heterogenen Kreis geladen hatte – von Hans Eichels Vertrauten Schmidt-Deguelle bis zu Andreas Fritzenkötter, dem langjährigen Medienberater von Helmut Kohl. Steinbrück machte sich damals – und wie sich später herausstellte – zu recht Sorgen, dass ihm Gerhard Schröder die NRW-Wahl im Mai 20o5 verhageln könnte.

Der SPD-Politiker nahm sich selbst sehr zurück, gab nur Stichworte und hörte zu. Ich erinnere mich, dass ich damals bezweifelte, dass Schröder und damit die SPD bis 2005 aus ihrer schweren Vertrauenkrise herausfinden können. Ich riet ihm, sich von Berlin mehr abzusetzen.

Zum zweiten wollte Steinbrück ein paar Ratschläge, wie er sich bei der Landtagswahl positionieren und wie er sein Image verbessern könne. Nicht unclever, denn diese Tipps beim Mittagessen waren kostenlos.

Es änderte aber nichts daran, dass seine Wahl in dem Moment verloren war, als die Zahl der Arbeitslosen im Frühjahr 2005 die Fünf-Millionen-Grenze überschritt.

Hinterher gab es, wie es in der SPD so üblich ist, interne Vorwürfe, wie sich Steinbrück Rat “bei solchen Leuten” holen könne.

P.S. Mit Steinbrück verbindet mich noch etwas: Wir haben einen gemeinsamen Freund und sind beide anlässlich dessen 60. Geburtstag auf einer Gratulations-CD in Form einer nicht ganz ernsten Tagesthemen-Sendung verewigt.

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Das ganz Private in der Politik

Das Private und das angebliche Private  in der Politik spielen nicht erst seit Bettina Wulffs Buch eine große Rolle. Immer wieder macht das Privatleben auch Politik, beim Sturz Willy Brandts zum Beispiel.

Sind es reine Gerüchte, ist der Fall schnell geklärt: nicht zu verifizieren, also keine Veröffentlichung. Schwieriger wird es dann, wenn die Gerüchte sich zur möglichen Tatsache verdichten. Geht es dabei um Spitzenpolitiker, muss auch schon mal der Chefredakteur ran, wenn er die Politiker gut kennt.

So sind mir zwei peinliche Gespräche in Erinnerung. In dem einen Fall ging es um einen Minister, der seine alkoholkranken Frau verlassen habe und mit einer neuen, sehr bekannten Lebensgefährtin zusammenlebte. Ich sprach mit ihm und verzichtete, nachdem er mir die Krankheitsgeschichte und die möglichen Folgen von Presseberichten erklärt hatte, auf eine Veröffentlichung.

Der andere Fall war wesentlich pikanter: die Frau eines Ministers hatte angeblich in der Gemeinschaftssauna eines Mehrfamilienhauses einen anderen Saunagast belästigt. Dieser zeigte die Frau an.

Darüber mit einem Politiker zu sprechen, ist nicht einfach. Er bestritt den Vorfall erwartungsgemäß und ich sagte ihm, solange kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei, würden wir darauf nicht eingehen. Dazu kam es nicht. Offenbar hatten sich die Frau und der Saunagast außergerichtlich geeinigt.

Grundsätzlich galt früher die Regel: solange Ereignisse im Privatleben von Politikern keine politischen Ursachen oder Folgen haben, sind sie für die Veröffentlichung tabu. Es gab viele Geschichten, die ich deshalb unter den Tisch fallen ließ.

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Zimmermanns Irrflug mit Strauß

Man kann auch auf Politiker, die durchaus umstritten waren, in persönlich angenehmer Erinnerung zurückblicken. So geht es mir mit Friedrich Zimmermann (“Old Schwurhand”), dem Ex- Innenminister unter Helmut Kohl, der jetzt im Alter von 87 Jahren gestorben ist.

Zimmermann war ein Herr, im persönlichen Umgang sehr angenehm, und eigentlich liberaler als sein konservativer Ruf. Aber die CSU hatte schon immer ihre Innenminister (selbst den wirklich liberalen Beckstein) angewiesen, mit aller Härte die rechte Flanke abzudecken.

Frauen gegenüber war wunderbar altmodisch charmant. Und er konnte tolle Anekdoten erzählen – zum Beispiel über Franz-Josef Strauß. Er war mit dem leidenschaftlichen Hobby-Piloten häufiger unterwegs und berichtete von waghalsigen Manövern, als Strauß einmal die Orientierung verlor.  Strauß ging in den Tiefflug und Zimmermann musste aus dem Flugzeugfenster schauen und Strauß sagen, welche Straßen und Bahnlinien er überflog, damit dieser wieder wusste, wo er war.

Ich erinnere mich auch an einen Besuch in seinem Haus in den Bergen, wo seine Frau Semmelknödel mit Schwammerl (Pilzen) kochte, die er selbst am Vortag gesammelt hatte. Und er fuhr mich und einen Kollegen stolz mit seinem Lada-Geländewagen (der Mercedes war ihm zu teuer) durch sein Jagdrevier.

Deshalb überrschte mich auch nicht, dass er bei einem Essen in Hamburg statt Familienfotos stolz die Fotos der kapitalsten Hirsche herumzeigte, die er geschossen hatte.

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Höhlers Merkel-Komplex

Die Autorin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler hat sich wieder einmal an Frau Merkel vergriffen. In ihrem neuesten Buch, aus dem die FAZ einen Vorabdruck veröffentlichte, wirft sie Merkel vor, ein autokratisches System entwickelt zu haben, Ethik und Moral zu mißbrauchen und kommt zum Ergebnis: “Sie arbeitet am Zerfall der Demokratie”.

Höhepunkt des Buches: Höhler stellt die Frage, ob Merkels Politikerkollegen die Erfahrung vergessen hätten, “die im 20 Jahrhundert zwei Diktaturen mit Deutschen zugelassen hat”. Das Buch heißt “Die Patin” (Ähnlichkeiten sind sicher nicht zufällig) und soll nächste Woche erscheinen.

Dieser Hass ist nur noch persönlich zu erklären. Mangelnde Beachtung durch die Kanzlerin dürfte der eine Grund sein. Möglicherweise hängt die Obsession von Frau Höhler aber auch damit zusammen, dass  sie die verwegene Idee hatte, Bundespräsidentin werden zu wollen – als Nachfolgerin von Johannes Rau. Angela Merkel aber entschied sich für Horst Köhler.

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Wie Blüm grüßt

Wenn Norbert Blüm mich trifft, hebt er rechte Hand auf Schulterhöhe, legt den Daumen über den kleinen Finger, die anderen drei Finger sind ausgestreckt. Er gibt mir die linke Hand, wobei sich die Hände zwischen dem kleinen und dem Ringfinger verschränken. Es ist kein Geheimgruß einer politischen Bruderschaft oder einer Sekte, sondern der Pfadfindergruß.

Der Ex-Minister und ich waren Pfadfinder, Mitglieder der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Wir machen uns seit Jahren einen Spaß daraus, uns so zu begrüßen -  zur Verblüffung der Umstehenden. Früher haben wir bei fröhlichen Treffen auch noch Pfadfinderlieder gesungen und den Pfadfinderpfiff probiert. Der gelingt uns aber nur noch selten.

Der Daumen über dem kleinen Finger soll symbolisieren: der Starke schützt den Schwachen. Und die Hand die Pfadfinderlilie darstellen. Ich war bis zu meinem 17 Lebensjahr bei den Pfadfindern und hoffe, dass ich dort soziales Verhalten gelernt habe.

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Mordsmäßige Anfrage

Deutsche Politik- und Wahlkampfberater erhalten gelegentlich auch Anfragen aus dem Ausland. So ist es auch mir ergangen. In beiden Fällen ist der Kelch glücklicherweise an mir vorübergegangen.

Die eine Anfrage kam vor einigen Jahren aus Ungarn, aus dem Umfeld von Viktor Orban, der sich inzwischen als Pseudo-Demokrat entpuppt hat. Die andere aus dem Büro des damaligen – wohl recht anständigen – Präsidenten des Kosovo, der um seine Wiederwahl fürchtete. Die Flüge waren schon gebucht, als die Anfrage zurückgezogen wurde.

Ich war ganz froh darüber, denn sein politischer Gegenspieler, der einen eigenen Mann im Präsidentenamt platzieren wollte, hatte in  seiner Vergangenheit die unangenehme Angewohnheit, unliebsame Menschen per Mordauftrag aus dem Weg räumen zun lassen.

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Wenn Politik privat wird

Als junger unabhängiger Journalist in Bonn geriet ich schnell in die Mühlen der ideologisch agierenden Kollegen, die sich in Partei-Freundeskreises links und rechts sortierten. Mir war das mit meinen 25 Jahren völlig fremd.

Und so dachte ich mir auch nichts dabei, mich mit einer hübschen, sympathischen jungen Dame aus dem Juso-Bundesvorstand im Anschluss an einen Juso-Bundeskongress zu verabreden. Sie wollte unbedingt in die “Schumann-Klause”, die trinkerische Heimat der linken Bonner Journalisten. Sie habe schon so viel von dem Lokal gehört.

Wir gingen also in die “Schumann-Klause” – zum Entsetzen der dort sitzenden linken Kollegen. Eine Juso-Frau und ein WELT-Redakteur – das verstieß gegen die Umgangsregeln der journalistischen Jakobiner. Als ich auf die Toilette ging, bestürmten sie inquisitorisch die junge Frau: Ob sie denn wisse, mit wem sie hier sei. Ich sei doch von der WELT. Das ginge doch gar nicht.

Als ich zurückkam, war der Abend gelaufen.

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Die Anklatscher

Nicht-Politiker, Experten oder Journalisten, sind in Talkshows in einem Punkt immer im Nachteil: sie haben keine Anklatscher dabei. Sie müssen sich ihren Beifall mit einem guten Argument oder einer guten Pointe selbst erkämpfen.

Nicht so Politiker: sie haben ihre Pressesprecher und Referenten im Publikum sitzen, die regelmäßig die Worte oder Sprechblasen ihres Chefs beklatschen. Meist noch unterstützt von Parteiaktivisten, die sich zuvor Zuschauerkarten gesichert haben.

Am penetrantesten ist die Entourage von FDP-Minister Dirk Niebel. Er bringt meist vier oder fünf Leute mit, darunter seine Ehefrau, die jeden Satz des FDP-Lautsprechers beklatschen als sei politisches Manna vom Himmel gefallen.

Niebel selbst ist übrigens auch deshalb eine unangenehme Talkshow-Spezies, weil er Talkshows mit Hausbesetzungen verwechselt. Er glaubt offenbar, wer  am längsten, lautesten und häufigsten redet, wäre der Sieger der Show. Ein Irrtum: bei den Zuschauern bleibt ein guter Satz besser hängen als die längste Suada.

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Teure Wahl

1998 wählte ich zum ersten und bisher einzigen Mal bei einer Bundestagswahl mit der Zweitstimme SPD. Gerhard Schröder mit seiner dynamischen, pragmatischen Art hatte mich überzeugt. Und Helmut Kohls bräsigen Regierungsstil konnte ich wie Millionen anderer Wähler nicht mehr ertragen.

Es sollte die teuerste Wahlentscheidung meines Lebens werden. Denn die rot-grüne Regierungskoalition schaffte den halben Steuersatz für Abfindungen ab, was mich 2001, als ich bei Springer unfreiwillig ausschied, ein hübsches Sümmchen kostete. Die Pläne von Rot-Grün waren mir zwar bekannt gewesen, nicht aber, dass ich ein Abfindungsfall würde.

Dennoch halte ich meine Wahlentscheidung von 1998 nach wie vor für richtig. So viel Abstand zum eigenen Portemonnaie muss sein.


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