<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin</title>
	<atom:link href="http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.sprengsatz.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Sep 2010 22:06:53 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Kein Forum für Menschenfeinde</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3481</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3481#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 21:54:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenfeinde]]></category>
		<category><![CDATA[NPD]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsradikalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3481</guid>
		<description><![CDATA[Zurzeit mache ich mit meinem Blog eine bestürzende Erfahrung: je länger die Sarrazin-Debatte dauert, desto radikaler werden die Kommentare. Nachdem die Decke von dem morastigen deutschen Untergrund weggezogen wurde, traut sich jetzt jeder hervor, auch die Menschenfeinde, die glauben, dass man man jetzt endlich wirklich einmal alles sagen und schreiben kann. Ich habe aber nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zurzeit mache ich mit meinem Blog eine bestürzende Erfahrung: je länger die Sarrazin-Debatte dauert, desto radikaler werden die Kommentare. Nachdem die Decke von dem morastigen deutschen Untergrund weggezogen wurde, traut sich jetzt jeder hervor, auch die Menschenfeinde, die glauben, dass man man jetzt endlich wirklich einmal alles sagen und schreiben kann. Ich habe aber nicht mit 20 schon an Bürgerinitiativen gegen den Rechtsradikalismus teilgenommen (damals hatte die NPD in Hessen 10 Prozent), um dafür jetzt ein Forum zu bieten.</p>
<p>Um mich aber nicht immer wieder in die Rolle des Zensors begeben zu müssen, schließe ich jetzt die Sarrazin-Debatte im sprengsatz. Es ist wirklich alles gesagt (und noch viel mehr). Meine Entscheidung ist &#8211; so glaube ich &#8211; kein Verlust für meinen Blog. Ich habe sie auch vor dem Hintergrund getroffen, dass ich mit meinem Namen für meine Meinung einstehe, von den Kommentatoren aber so gut wie keiner.</p>
<p>Ich bitte für diese Entscheidung um Verständnis. Sie ist mir nicht leichtgefallen. Über das, was bisher in Deutschland nur latent war, was durch Sarrazin aber virulent geworden ist, wird allerdings noch zu schreiben sein.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3481</wfw:commentRss>
		<slash:comments>22</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wenn Journalisten klatschen</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3472</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3472#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 21:13:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anekdote der Woche]]></category>
		<category><![CDATA["Landshut"]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespressekonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Bölling]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Wilhelm]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3472</guid>
		<description><![CDATA[Journalisten klatschen nicht für Politiker. Dann wären sie keine mehr. Deshalb gibt es in der Bundespressekonferenz weder Missfallens- noch Sympathiebekundungen, höchstens mal ein spöttisches Lachen. Beifall gibt es nur, wenn ein Regierungssprecher wie Ulrich Wilhelm verabschiedet wird, der seine Sache in den Augen der Journalisten gut gemacht hat.
Ich erlebte nur eine Ausnahme, bei der Journalisten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Journalisten klatschen nicht für Politiker. Dann wären sie keine mehr. Deshalb gibt es in der Bundespressekonferenz weder Missfallens- noch Sympathiebekundungen, höchstens mal ein spöttisches Lachen. Beifall gibt es nur, wenn ein Regierungssprecher wie Ulrich Wilhelm verabschiedet wird, der seine Sache in den Augen der Journalisten gut gemacht hat.</p>
<p>Ich erlebte nur eine Ausnahme, bei der Journalisten total emontial auf eine Mitteilung des Regierungssprechers, damals Klaus Bölling, reagierten. Es war am 18. Oktober 1977 weit nach Mitternacht, als Bölling im großen Saal des Bundespresseamtes mitteilte: &#8220;Alle Geiseln der entführten Lufthansa-Maschine &#8220;Landshut&#8221; lebend befreit.&#8221; Darauf hin brachen die Journalisten spontan in langanhaltenden Beifall aus und selbst gestandene Korrepondenten hatten Tränen in den Augen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3472</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Köhler-Frage</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3475</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3475#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 21:11:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mein Kommentar der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Luise Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Peter Schütz]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Lübke]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>
		<category><![CDATA[Köhler-Rücktritt]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Gauweiler]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Maffay]]></category>
		<category><![CDATA[stern.de]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3475</guid>
		<description><![CDATA[Horst Köhler hat ein schönen, stressfreien Sommer hinter sich. Konzertbesuche, Wandern, ein Sommerfest, ein Abendessen mit Christian Wulff und Peter Maffay, Zeit für die Familie. &#8221;Er wirkte sehr aufgekratzt und fröhlich&#8221;, so ein Beobachter. Das ist Horst Köhler zu gönnen.
Aber Horst Köhler ist nicht irgendein Privatmann, sondern der erste Bundespräsident, der völlig überraschend von seinem Amt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Horst Köhler hat ein schönen, stressfreien Sommer hinter sich. Konzertbesuche, Wandern, ein Sommerfest, ein Abendessen mit Christian Wulff und Peter Maffay, Zeit für die Familie. &#8221;Er wirkte sehr aufgekratzt und fröhlich&#8221;, so ein Beobachter. Das ist Horst Köhler zu gönnen.</p>
<p>Aber Horst Köhler ist nicht irgendein Privatmann, sondern der erste Bundespräsident, der völlig überraschend von seinem Amt zurückgetreten ist &#8211; aus Gründen, die für die meisten Menschen bis heute nicht nachvollziehbar sind. Das war vor 100 Tagen, am 31. Mai. Er bekommt seitdem pro Jahr rund 200.000 Euro Pension, der Staat stellt ihm ein Büro mit Sekretärin und Referent, Fahrer, Dienstwagen und Leibwächter. Er ist eine Amtsperson im Ruhestand, die höchste des Staates, er ist immer noch den Bürgern verpflichtet, die ihm vertraut und die ihn verehrt haben. </p>
<p>Und zu dieser Pflicht gehört es, sich zu erklären, die Bürger nicht länger mit dem Rätselraten allein zu lassen, warum er wirklich zurückgetreten ist. Die 150 Sekunden Rücktrittserklärung können es nicht gewesen sein. Dass ihm der &#8220;notwendige Respekt&#8221; vor dem Amt und seiner Person gefehlt habe, das reicht nicht. Auch nicht der Hinweis, dass die Unterstellung jeder Grundlage entbehre, er befürworte Bundeswehreinsätze ohne Grundlage des Grundgesetzes.</p>
<p>Da muss doch noch etwas gewesen sein, ist die naheliegende Vermutung. Deshalb schiessen die Spekulationen ins Kraut. Peter Gauweiler von der CSU vermutet, Köhler habe sich bei dem im Eiltempo von der Bundesregierung verabschiedeten Euro-Rettungsschirm unter Druck gesetzt gefühlt. Und habe vielleicht gar nicht unterschreiben wollen. Hans Peter Schütz von stern.de glaubt, Köhler habe sich von Angela Merkel nicht ernstgenommen gefühlt. Köhler sei &#8220;physisch und psychisch&#8221; angeschlagen gewesen. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe der Vergleich mit dem demenzkranken Ex-Präsidenten Heinrich Lübke. Da habe Köhlers Frau Eva Luise entschieden: Jetzt reicht&#8217;s.</p>
<p>Was war wirklich? Hat er wirklich nur die Nerven verloren? Hat er einfach die Nase voll gehabt? Wollte sich nicht noch vier Jahre lang von den Trittins dieser Welt zum Gespött machen lassen? Auch das wären erlaubte Gründe, sie zeigten aber einen sehr dünnhäutigen Mann. Ist er vielleicht krank &#8211; physisch oder psychisch? Die Bilder nach seinem Rücktritt sprechen nicht dafür. Das Starre,Versteinerte  ist wieder von ihm abgefallen.</p>
<p>Aber die Fragen bleiben. Auch deshalb, weil er eine Lücke hinterlassen hat, das Christian Wulff bisher noch nicht füllen konnte. Köhler hat die Pflicht, den Fall Köhler, seinen Fall, aufzuklären. Wie kam es zum Rücktritt, was waren die Gründe, wie waren die zeitlichen Abläufe, warum hat er sich nicht umstimmen lassen? Ein ausführliches TV-Interview oder ein Zeitungsbeitrag könnten der Weg sein. Oder aber seine Memoiren, so er sie denn schreibt. Die dürfen dann aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.</p>
<p>Es ist nicht nur eine Frage der Geschichtsschreibung, sondern auch der Klarheit und Wahrhaftigkeit. Horst Köhlers Leben als Amtsträger, als Bundespräsident, ist noch nicht abgeschlossen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3475</wfw:commentRss>
		<slash:comments>10</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Sarrazin und die Meinungsfreiheit</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3480</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3480#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 10:35:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3480</guid>
		<description><![CDATA[Im Fall Sarazzin wirbeln die unsinnigsten Vorwürfe nur so durcheinander. Manche Gegner nennen ihn einen Nazi, was nun wirklich nicht stimmt, seine Bewunderer wiederum sehen die Meinungsfreiheit bedroht, er solle mundtot gemacht gewerden.
Das Gegenteil ist der Fall: Kaum einer durfte in den letzten Jahren den Mund so weit aufreißen wie Thilo Sarrazin. Die Vorabdrucke seines Buches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Fall Sarazzin wirbeln die unsinnigsten Vorwürfe nur so durcheinander. Manche Gegner nennen ihn einen Nazi, was nun wirklich nicht stimmt, seine Bewunderer wiederum sehen die Meinungsfreiheit bedroht, er solle mundtot gemacht gewerden.</p>
<p>Das Gegenteil ist der Fall: Kaum einer durfte in den letzten Jahren den Mund so weit aufreißen wie Thilo Sarrazin. Die Vorabdrucke seines Buches in BILD und &#8220;Spiegel&#8221; erreichten 18 Millionen Leser, er war schon Gast in zwei Talkshows mit sechs Millionen Zuschauern, zu seiner Pressekonferenz kamen 250 Journalisten und 30 Fernsehteams, er war Schlagzeile in jeder deutschen Zeitung, Aufmacher in allen TV-Nachrichten. Sein Buch wurde schon 250.000 mal bestellt.</p>
<p>Mehr Meinungsfreiheit geht nicht. Zur Meinungsfreiheit, insbesonders wenn man sie so extensiv ausnutzt wie Sarrazin, gehört auch das Risiko. Und das besteht für Herrn Sarrazin darin, dass er seine Mitgliedschaft in der SPD und seinen Vorstandsjob bei der Bundesbank verlieren kann. Das ist unschön für ihn, aber er wusste, was er tat. Außerdem garantiert das fortgesetzte Publicity und die nächsten fünf Auflagen seines Buches.</p>
<p>Mit einer Bedrohung der Meinungsfreiheit hat das alles rein gar nichts tun. Sarrazin kann und wird dank der im Höchstmodus rotierenden Medien und dank der Unvernunft der Bundesbanker, der SPD, Angela Merkels und Christian Wulffs seine Meinung noch oft, lautstark und in riesiger Verbreitung äußern können.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3480</wfw:commentRss>
		<slash:comments>68</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bekenntnis zu Sarrazin</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3478</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3478#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 11:02:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Express]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Mein Freund ist Türke]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3478</guid>
		<description><![CDATA[Die öffentliche Diskussion ist angesichts der Aufregung um Thilo Sarrazin über den Skandal im Skandal allzu schnell hinweggegangen: die unkritischen Vorabdrucke in BILD und im &#8220;Spiegel&#8221;. Vorabdrucke von politischen Sachbüchern (ein merkwürdiger Name für das Sarrazin-Buch) sind ein Statement, ein Bekenntnis. Der Leser muss davon ausgehen, dass sich sein Blatt mit dem Buch identifiziert, dass es zumindest die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die öffentliche Diskussion ist angesichts der Aufregung um Thilo Sarrazin über den Skandal im Skandal allzu schnell hinweggegangen: die unkritischen Vorabdrucke in BILD und im &#8220;Spiegel&#8221;. Vorabdrucke von politischen Sachbüchern (ein merkwürdiger Name für das Sarrazin-Buch) sind ein Statement, ein Bekenntnis. Der Leser muss davon ausgehen, dass sich sein Blatt mit dem Buch identifiziert, dass es zumindest die darin vertretenen Ansichten für diskussionswürdig und diskussionsnotwendig erachtet.</p>
<p>Dieses Bekenntnis gewinnt an Bedeutung, wenn das Buch nicht kritisch begleitet wird, wenn der Autor wie in BILD als &#8220;Klartext&#8221;-Autor apostrophiert wird oder wenn, wie im Fall &#8220;Spiegel&#8221;,  die Kritik erst eine Woche später nachgeliefert wird.</p>
<p>Damit stehen die beiden Blätter auf einer Stufe (schön für BILD), müssen sich gefallen lassen, auch für Sarrazins völkische Genetik in Haftung genommen zu werden, auch für seine absurde und gefährliche These, genetisch unintelligente Muslime, die sich rasend fortplanzen, schafften Deutschland als Land der Deutschen ab. Und für die Folgen. Ohne die beiden spektakulären Vorabdrucke wäre der Aufmerksamkeitspegel nicht über Normalmaß gestiegen: Sarrazins Buch wäre ohne sie nicht über den Zweispalter im Politikteil oder im Feuilleton hinausgekommen, Sarazin hätte sein Buch nicht vor 250, sondern vor maximal 50 Journalisten vorgestellt, er wäre nicht die Spitzenmeldung aller TV-Nachrichten geworden.</p>
<p>BILD und &#8220;Spiegel&#8221; haben, wie es neudeutsch heißt, Sarrazins Buch gehypt, haben sich bereitwillig in das Vermarktungskonzept des Verlages eingefügt. Es wäre interessant zu wissen, ob die vertragliche Regelung mit Sarrazin und dem Verlag über den Vorabdruck eine begleitende kritische Berichterstattung verboten hatte. Und es wäre interessant zu wissen, ob diese Fragen in den Redaktionskonferenzen der beiden Blätter kritisch diskutiert wurden und werden.</p>
<p>Es ist für mich leicht, zu behaupten, als Chefredakteur hätte ich einen Vorabdruck des Sarrazin-Buches abgelehnt. Denn ich bin ja schon lange keiner mehr. Aber ich hätte es nicht vorabgedruckt. Wie ich die Diskussion sehe, habe ich aber schon vor 25 Jahren als Chefredakteur des &#8220;Express&#8221; in Köln demonstriert. Damals initiierte ich eine Serie unter dem Titel &#8220;Mein Freund ist Türke&#8221; &#8211; begleitet von Buttons und Autoaufklebern mit der Aufschrift &#8220;Mein Freund ist Türke&#8221;. 14 Tage lang wurden viele Beispiele gelungener Integration und deutsch-türkischer Freundschaften geschildert &#8211; von den Arbeitern bei Ford, die Hand in Hand arbeiten, über den Gemüsehändler und die alte Dame bis zu den Schulfreunden.</p>
<p>Auch heute noch halte ich solche Veröffentlichungen für sinnvoller als Vorabdrucke eines Buches, das die Spaltung der Gesellschaft verschärft, das zur Desintegration statt zur Integration führt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3478</wfw:commentRss>
		<slash:comments>90</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Den Rüttgers machen</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3453</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3453#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 06:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anekdote der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Christa Thoben]]></category>
		<category><![CDATA[CSU]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Merz]]></category>
		<category><![CDATA[Helmut Linssen]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Kirchhof]]></category>
		<category><![CDATA[Rüttgers]]></category>
		<category><![CDATA[Schröder]]></category>
		<category><![CDATA[Stoiber]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf 2005]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3453</guid>
		<description><![CDATA[Im August 2005, ich war gerade auf Mallorca, klingelte bei mir das Telefon. Am Apparat Angela Merkel. Sie wollte mit mir über ein Interview sprechen, das ich am Vorabend den &#8220;Tagesthemen&#8221; gegeben hatte. Thema: Edmund Stoiber und seine Ausfälle gegen die Ossis, die Merkels Wahlkampfkonzept empfindlich störten. Merkel erhoffte sich von mir Aufschluss, was Stoiber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im August 2005, ich war gerade auf Mallorca, klingelte bei mir das Telefon. Am Apparat Angela Merkel. Sie wollte mit mir über ein Interview sprechen, das ich am Vorabend den &#8220;Tagesthemen&#8221; gegeben hatte. Thema: Edmund Stoiber und seine Ausfälle gegen die Ossis, die Merkels Wahlkampfkonzept empfindlich störten. Merkel erhoffte sich von mir Aufschluss, was Stoiber umtreibe. Ich konnte ihr auch nicht helfen, erzählte ihr etwas von CSU-Mentalität und &#8220;Mir san mir&#8221;-Gefühl.</p>
<p>Bei dieser Gelegenheit fragte ich Merkel, wie sie denn das Wirtschafts- und Finanzressort in ihrem Kompetenzteam besetzen wolle. Zu diesem Zeitpunkt schwächelte ihr Wahlkampf und ein überzeugender Personalcoup hätte der Kampagne Auftrieb geben können. Ich dachte dabei an Friedrich Merz. Merkel sagte, sie habe eigentlich vor, &#8220;den Rüttgers zu machen&#8221;. Gemeint war damit, wie es Rüttgers im Frühjahr 2005  im NRW-Wahlkampf gemacht hatte, zwei Parteisoldaten zu berufen, die nicht schaden, aber auch wenig nützen (Christa Thoben und Helmut Linssen).</p>
<p>Ich antwortete, das würde ihrer Kampagne nicht den nötigen Auftrieb verleihen. Merkel sagte, sie wolle noch einmal darüber nachdenken. Nur wenige Tage später stellte sie den Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhof als künftigen Finanzminister vor, der am Ende zu Gerhard Schröders schärfster Wahlkampfwaffe wurde. Es gab wahrscheinlich keinen Zusammenhang mit unserem Gespräch, aber ich hatte am Wahltag doch ein schlechtes Gewissen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3453</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die sechste Partei</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3476</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3476#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 13:33:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mein Kommentar der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[6. Partei]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[CDU/CSU]]></category>
		<category><![CDATA[Die sechste Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Merz]]></category>
		<category><![CDATA[Geert Wilders]]></category>
		<category><![CDATA[große Koalition]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Haider]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Modernnisierungskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Neo.Nazis]]></category>
		<category><![CDATA[NPD]]></category>
		<category><![CDATA[Parteiensystem]]></category>
		<category><![CDATA[Pim Fortuyn]]></category>
		<category><![CDATA[Sarkozy]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3476</guid>
		<description><![CDATA[Alle beschwören sie, viele suchen sie, noch mehr fürchten sich vor ihr: die Partei rechts von der CDU/CSU. Das Vakuum ist erkannt. Rechts von der Union klafft eine Lücke, eine Folge des gesellschaftlichen Wandels, befördert durch den Modernisierungskurs von Angela Merkel, vergrößert durch vier Jahre große Koalition, die angeblich die CDU sozialdemokratisiert haben. Wo bleibt die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle beschwören sie, viele suchen sie, noch mehr fürchten sich vor ihr: die Partei rechts von der CDU/CSU. Das Vakuum ist erkannt. Rechts von der Union klafft eine Lücke, eine Folge des gesellschaftlichen Wandels, befördert durch den Modernisierungskurs von Angela Merkel, vergrößert durch vier Jahre große Koalition, die angeblich die CDU sozialdemokratisiert haben. Wo bleibt die sechste Partei, die das deutsche Parteiensystem noch weiter auffächert? Die Partei der Zukunftsängstlichen und Vergangenheitsvergessenen, der Traditionalisten und der Modernisierungsverlierer, der Homo- und Islamphoben, der angeblich schweigenden Mehrheit, die sicher keine Mehrheit ist. Aber es gibt sie, es gibt ein Potential für eine Partei rechts der CDU.</p>
<p>Ein paar Millionen Wähler kommen sicher zusammen, die sich im existierenden Parteiensystem nicht mehr zurechtfinden, die sich von keiner Partei mehr vertreten fühlen. Ein paar von ihnen wählen zähneknirschend noch die CDU, ein paar aus Protest sogar die Linkspartei,die meisten gehen gar nicht mehr zur Wahl, aber alle warten auf die vermeintliche Stunde Null: Man kann wieder wählen gehen &#8211; frei nach dem Motto Thilo Sarrazins, man wird doch mal die Wahrheit sagen dürfen. Wähler, denen die Springerstiefel und Glatzen der NPD zu unfein, zu igitigit sind, die sich selbst weder für Alt- oder Neonazis halten, die dennoch aber für rassistische Untertöne empfänglich sind.</p>
<p>In der CDU/CSU ist die Gefahr erkannt. Immer wieder wird gefordert, die Union müsse mehr konservatives Profil zeigen, auf Ex-Stammwähler zugehen. Nur wenn es konkret werden soll, fällt all diesen Rufern nichts ein. Was ist konservativ in einer nicht-konservativen, sich rasend wandelnden Welt?</p>
<p>Ist es die klassische Familie, bei der die Mutter zuhause bleibt und die Kinder erzieht? Ist es die Beschwörung christlicher Werte und Institutionen, das Kruzifix in den Schulen?  Ist es die Verweigerung voller Partnerschaftsrechte für Homosexuelle? Ist es die jahrzehntelang vertraute Beschwörung der inneren Sicherheit, die Warnung vor Terror und Anarchie? Ist es das &#8220;Wegsperren&#8221; von Sexualstraftätern? Ist es der Entzug der Staatsbürgerschaft für straffällige Zuwanderer, die inzwischen eingebürgert sind, wie es Sarkozy in Frankreich will? Sind es Kopftuch- und Minarettverbote?  </p>
<p>Bei der Antwort auf die Frage, was wäre das konservative Profil der CDU/CSU, stößt man schnell an die Grenze des Zumutbaren und des Grundgesetzes. Deshalb wird auch die Debatte in der CDU/CSU zu nichts führen. Es sind Demonstrationen der Hilfs- und Orientierungslosigkeit, Profilierungsversuche verunsicherter Parteifunktionäre. Wenn es eine sechste Partei geben sollte, dann kann sie die CDU/CSU nicht dadurch verhindern, indem sie ein Stück nach rechts rückt. Die Verluste auf der anderen Seite der Gesellschaft wären zu groß. Es wäre im besten Fall ein Nullsummenspiel. Die Partei rechts der CDU entsteht auch sicher nicht aus der CDU/CSU heraus.</p>
<p>Weder Pim Fortuyn, noch Geert Wilders, noch Jörg Haider waren oder sind Gewächse des etablierten Parteiensystems. Es waren Neu-Politiker von außen, die das Parteiensystem in Holland oder Österreich radikal verändert haben. Und so würde es auch in Deutschland sein. Wenn es eine Partei rechts von der Union geben sollte, dann würde sie sich um  einen Außenseiter, um einen charismatischen Einzelkämpfer gruppieren. Um einen Provokateur wie zum Beispiel Thilo Sarrazin. Er wäre der einzige, der heute eine solche Bewegung gründen könnte. Seine SPD-Mitgliedschaft ist ohnehin nur noch pro forma, er behält sie nur bei, weil sie ihm mehr Reibungshitze und Aufmerksamkeit garantiert.</p>
<p>Damit ist die Namensliste für die sechste Partei schon am Ende. Denn kein Friedrich Merz oder ein ähnliches Kaliber würde sich je an die Spitze einer solchen Bewegung setzen. Denn sie würde wie die Motten das Licht Sektierer, Quartalsirre und natürlich auch Rechtsradikale anziehen. Mit denen ist kein Staat zu machen, auch keine Partei. Deshalb wird es weiterhin Millionen heimatloser Wähler geben, weiterhin die inhaltslose Debatte in der CDU/CSU über das fehlende konservative Profil, aber weder kann sich die CDU so ändern, dass sie diese Wähler zurückgewinnt, noch ändert sich so schnell noch einmal das deutsche Parteiensystem. Bis eben doch ein deutscher Jörg Haider oder Pim Fortuyn kommt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3476</wfw:commentRss>
		<slash:comments>53</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Wahnsinnige am Bohrer</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3474</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3474#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 13:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesbank]]></category>
		<category><![CDATA[Der Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3474</guid>
		<description><![CDATA[Über Thilo Sarrazins Buch ist alles gesagt, nur noch nicht von allen. Deshalb will ich nicht in die Bewertung seiner Thesen und Texte einsteigen. Nachvollziehbar ist für mich der Hinweis, 30 Prozent seien der wahre Kern des Problems, 40 Prozent Falschinterpretation und Verdrehung der Fakten und Statistiken, und 30 Prozent dumpfe Ressentiments, Verhetzung mit rassistischen Untertönen.
Ein Aspekt aber interessiert mich doch: die Inszenierung. Sein Buch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über Thilo Sarrazins Buch ist alles gesagt, nur noch nicht von allen. Deshalb will ich nicht in die Bewertung seiner Thesen und Texte einsteigen. Nachvollziehbar ist für mich der Hinweis, 30 Prozent seien der wahre Kern des Problems, 40 Prozent Falschinterpretation und Verdrehung der Fakten und Statistiken, und 30 Prozent dumpfe Ressentiments, Verhetzung mit rassistischen Untertönen.</p>
<p>Ein Aspekt aber interessiert mich doch: die Inszenierung. Sein Buch erscheint gleichzeitig als Vorabdruck im &#8220;Spiegel&#8221; und in BILD (welch wunderbare Allianz), zu kaufen ist es aber erst ab 30. August und erst dann darf das Buch rezensiert werden (so die taz). Das garantiert optimale Aufmerksamkeit. Kritiker können jederzeit darauf hingewiesen werden, sie sollten erst einmal das ganze Buch lesen. Und BILD und &#8220;Der Spiegel&#8221; machen so lange ihren Profit, können sich aber jederzeit von Sarrazin distanzieren. Ist ja nur ein Vorabdruck, reine Information, damit der kritische Leser frühzeitig mitreden kann. </p>
<p>Sarrazin bedient das Medienklavier und die Empörungskultur meisterlich. Und alle machen mit, die meisten natürlich aus edelsten Motiven. Damit ist sein Einzug in die Bestsellerlisten garantiert. Wenn es stimmt, dass in unserer Gesellschaft Aufmerksamkeit der höchste Lohn ist, dann ist Sarrazin heute schon ein reicher Mann. </p>
<p>Sarazzin weiss genau, wenn er anfinge, zu differenzieren, Formulierungen wie &#8220;Kopftuchmädchen produzieren&#8221; wegzulassen und keinen Untergang Deutschlands mehr zu prophezeien, verschwände er im Nichts oder im Aktenstaub der Bundesbank. Also macht er immer weiter wie ein wahnsinniger Zahnarzt: er bohrt immer tiefer, obwohl der Nerv schon lange freigelegt und er im Kiefer ankommen ist, und freut sich, wenn sich der Patient im Stuhl vor Schmerzen windet und schreit. Wer immer noch zu diesem Zahnarzt geht, ist selber schuld.</p>
<p>Nicht die SPD sollte ihm aufmerksamkeitswirksam die Mitgliedschaft entziehen, sondern die Medien (und wir alle) die Aufmerksamkeit. Dann wäre Sarrazin ein armer Mann.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3474</wfw:commentRss>
		<slash:comments>86</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Merkels Machtfrage</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3473</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3473#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 10:31:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Atompolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Energiekonzerne]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne]]></category>
		<category><![CDATA[Hermann Gröhe]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[SPD]]></category>
		<category><![CDATA[verlängerte Laufzeiten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3473</guid>
		<description><![CDATA[So ist das, wenn Industriebosse Politik machen wollen und dabei nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken. Oder anders gesagt: wenn man strategisch unbegabt ist. So könnte es jetzt den Energiekonzernen und ihren Verbündeten gehen, die mit ihrer Millionen-Anzeigenkampagne die Kanzlerin und Schwarz-Gelb in der Atompolitik unter Druck setzen wollten. Sie könnte zum knatternden Rohrkrepierer dieses Sommers werden.
Denn Angela Merkel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So ist das, wenn Industriebosse Politik machen wollen und dabei nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken. Oder anders gesagt: wenn man strategisch unbegabt ist. So könnte es jetzt den Energiekonzernen und ihren Verbündeten gehen, die mit ihrer Millionen-Anzeigenkampagne die Kanzlerin und Schwarz-Gelb in der Atompolitik unter Druck setzen wollten. Sie könnte zum knatternden Rohrkrepierer dieses Sommers werden.</p>
<p>Denn Angela Merkel muss der Kampagne widerstehen, wenn sie den Primat der Politik und ihre eigene Souveränitat bewahren will. Gerade vor einem Superwahljahr mit sechs Landtagswahlen darf sie nicht den Eindruck erwecken, die Industrie brauche nur ihre Muskeln spielen lassen und die Kanzlerin knicke ein. Dann hätten SPD, Grüne und die derzeit angeschlagene &#8220;Linke&#8221; genau das Megathema, das die Atomauseinandersetzung zur Grundsatzfrage für jeden Bürger macht: Wer regiert Deutschland wirklich?</p>
<p>Die Industrie hat die Machtfrage gestellt und Merkel kann darauf nur eine Antwort geben, wenn daraus keine Systemfrage werden soll. Merkel wird von der Industrie geradezu gezwungen, nicht nur an der Brennelementesteuer festzuhalten, sondern auch zusätzlich noch einen Teil der Zusatzgewinne der Konzerne aus den &#8211; nur moderat &#8211; verlängerten Laufzeiten der Kernkraftwerke für erneuerbare Energien abzuschöpfen (wie es im Koalitionsvertrag steht). Alles andere hieße, dass mächtige Großkonzerne ihre Steuern und Abgaben per Lobby- und Anzeigenkampagne selbst festlegen könnten.</p>
<p>Das wird in der Union und in der Koalition noch einige Aufregung und Kämpfe geben (wie der Zickzackkurs von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zeigt), am Ende aber kann nichts anderes dabei herauskommen, wenn Merkel nicht de facto abdanken will. Jeder Kanzler kommt im Laufe seiner Karriere an eine entscheidende Weggabelung.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3473</wfw:commentRss>
		<slash:comments>20</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kein Ausländerwahlkampf</title>
		<link>http://www.sprengsatz.de/?p=3471</link>
		<comments>http://www.sprengsatz.de/?p=3471#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 06:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.spreng</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anekdote der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerwahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Stoiber]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf 2002]]></category>
		<category><![CDATA[Zuwanderung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sprengsatz.de/?p=3471</guid>
		<description><![CDATA[Bevor CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber mich im Januar 2002 zu seinem Wahlkampfmanager berief, sprachen wir zwei Stunden lang in seinem Büro über Themen, Strategie und Personal der Kampagne. Dabei stellte ich eine einzige politische Bedingung: Kein Ausländerwahlkampf. Keine Zuspitzung der Themen Zuwanderung, Integration und Staatsbürgerschaft. Falls er dies vorhabe, wolle und könne ich den Job nicht übernehmen. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber mich im Januar 2002 zu seinem Wahlkampfmanager berief, sprachen wir zwei Stunden lang in seinem Büro über Themen, Strategie und Personal der Kampagne. Dabei stellte ich eine einzige politische Bedingung: Kein Ausländerwahlkampf. Keine Zuspitzung der Themen Zuwanderung, Integration und Staatsbürgerschaft. Falls er dies vorhabe, wolle und könne ich den Job nicht übernehmen. Das widerspreche meinen Prinzipien.</p>
<p>Stoiber reagierte etwas verblüfft, versprach mir dann aber, die Ausländerpolitik nicht zum polarisierenden Wahlkampfthema zu machen. Unserer Handschlag-Vereinbarung stand daraufhin nichts mehr im Wege. Und Stoiber hielt sich bis zum Ende des Wahlkampfes an seine Zusage &#8211; auch als es eng in den Umfragen wurde.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sprengsatz.de/?feed=rss2&amp;p=3471</wfw:commentRss>
		<slash:comments>12</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
