Weiter Sterben für Afghanistan?
30 deutsche Soldaten sind bisher beim deutschen Einsatz in Afghanistan getötet worden. Man hatte ihnen erzählt, sie kämpfen gegen den internationalen Terror und für die Menschenrechte und letztendlich werde Deutschland auch am Hindukusch verteidigt. Was will die deutsche Politik eigentlich jetzt noch den Soldaten erzählen, nachdem Afghanistans Staatspräsident Hamad Karzai ein schon im Februar beschlossenes Gesetz unterzeichnet hat, das Terror gegen Frauen in Afghanistan staatlich legitimiert und ihre unveräußerlichen Menschenrechte mit Füßen tritt.
Dieses Gesetz, das für die Schiiten gilt, also etwa 15 Prozent der Bevölkerung, ist ein Gesetz, das Männern jeden vierten Tag Geschlechtsverkehr mit ihren Frauen erlaubt – ob sie wollen oder nicht. Nach diesem Vergewaltigungsgesetz dürfen schiitische Männer außerdem ihren Frauen verbieten, das Haus zu verlassen, zu studieren oder zu arbeiten. Kinder werden grundsätzlich ihren Vätern oder Großvätern zugesprochen und das Heiratsalter für junge Frauen wird von 18 auf 16 Jahre gesenkt.
Wozu sind eigentlich die Taliban vertrieben worden, wenn ihre frauenverachtende Politik von dem angeblich westlich gebildeten Staatspräsidenten fortgesetzt wird? Und was machen deutsche Soldaten in einem Land, in dem der erste Artikel des Grundgesetzes (“Die Würde des Menschen ist unantastbar”) nicht gilt? Bisher war Karzai in erster Linie dadurch aufgefallen, dass in seiner Amtszeit der Drogenanbau zur Weltindustrie ausgebaut und Korruption zum Staatszweck erhoben wurde. Ein Politiker übrigens, der nur noch lebt und im Amt ist, weil er von amerikanischen Bodyguards geschützt wird.
De jure verteidigen deutsche Soldaten jetzt auch die Freiheit Karzais, Terror gegen Frauen zur Staatsdoktrin zu erklären. Die Bundesregierung ist jetzt natürlich empört und hat bei Karzai interveniert. Der antwortete, er wolle das Gesetz noch einmal überprüfen und ans Parlament zurückverweisen – offenbar in der Hoffnung, die Proteste werden sich schon wieder legen. Selbst wenn Karzai das Gesetz zurückzieht, ist er dennoch als Partner Deutschlands keinen Tag länger tragbar, denn seine Gesinnung oder sein schreckliches Kalkül bleiben, mit solchen Gesetzen seine Chancen zur Wiederwahl verbessern zu wollen.
Die Bundesregierung muss auf der Aufhebung des Gesetzes und dem Rücktritt Karzais bestehen, denn sonst gerät der deutsche Afghanistan-Einsatz in seine bisher schwerste Legitimationskrise und wird zu recht zum Wahlkampfthema. Der Fall beweist, in welche Abgründe sich Deutschland mit Militäreinsätzen im Ausland verstricken kann. Die Kanzlerin hat verlangt, für den Einsatz in Afghanistan ein “Ausstiegsszenario” zu entwickeln. Es kann sein, dass sie dies schneller tun muss als gedacht.








