Strauß und der Alkohol

Franz-Josef Strauß war nicht nur ein bedeutender Politiker, sondern leider auch ein Mann, der häufig zu viel trank. Unvergessen die Wahlnacht im Januar 1987, als ihn sein TV-Spezl Wolf Feller nicht davon abhalten konnte, alkoholisiert vor die TV-Kamera zu treten.

Wenn Strauß trank, dann meist unmäßig. Eine BILD-Reporterin, der eine besondere Nähe zu Willy Brandt nachgesagt wurde, begrüßte der CSU-Chef in einem Münchner Lokal lautstark mit den Worten: “Da kommt die Hure von Brandt”. Ich selbst erinnere mich an Interviews, bei denen mehr als eine halbe Flasche Dimpl-Whisky daran glauben musste.

Ein Erlebnis der besonderen Art war auch Richard Stücklens 60. Geburtstag am 20. August 1976 in Weißenburg. Wir saßen im Garten des CSU-Politikers auf Bänken an Wirtshaus-Klapptischen – eine Runde von etwa 20 Personen. Strauß trank Frankenwein aus Bocksbeuteln wie Wasser und nach der sechsten oder siebten Flasche fiel er wortlos rückwärts von der Bank und blieb regungslos wie eine Schildkröte auf dem Rücken liegen. Wir packten ihn mit vier Mann und trugen ihn zu einer Hollywod-Schaukel in der Garten-Ecke. Am Rest des Abends beteiligte sich Strauß nur noch mit unartikulierten “Uijujui”-Rufen von der Hollywood-Schaukel.

So ist es auch kein Wunder, dass sich in der CSU auch um die Umstände seines Todes immer noch die wildesten Gerüchte ranken.

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Sonntag, 21. Juni 2009, 19:38 Uhr

Steinmeier muss Strategie ändern

Liebe und Hiebe – diese Strategie gilt in privaten Beziehungen nicht als Erfolgsmodell. Dies gilt auch in politischen Beziehungen. Wer gleichzeitig den Wunschpartner umwirbt und verprügelt, darf mit keiner Gegenliebe rechnen – und auch nicht mit dem Beifall der Verwandtschaft. Eigentlich sind diese Zusammenhänge nicht unbekannt, nur bis zur SPD und ihrem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier scheint sich das noch nicht herumgesprochen zu haben. Er umgarnt die FDP einerseits als möglichen Koalitionspartner einer Ampel-Koalition, macht sie aber andererseits zum Haupt-Feindbild im Bundestagswahlkampf. Das kann nicht gutgehen. Mit dieser Strategie hat die SPD ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Steinmeier wird schon bald eine Entscheidung treffen müssen, mit der er auch darüber entscheidet, ob er nach dem 27. September in der deutschen Politik überhaupt noch eine Rolle spielt oder ob er nur noch für die SPD als Regierungspartei das Licht ausmacht. Er muss sich entscheiden, ob er den von ihm beschworenen “Richtungswahlkampf” tatsächlich führt oder aber mit seiner unglaubwürdigen Doppelstrategie weitermacht. Er muss sich entscheiden, ob er am 27. September bei 24 bis 27 Prozent landen will oder aber bei 28 bis 30 Prozent. Und darüber entscheidet seine Strategie: Wenn er tatsächlich Schwarz-Gelb und dabei besonders die FDP zum Feindbild macht (“Die Verursacher der Krise können nicht die Antwort auf die Krise sein”), dann muss er alle Koalitionsspiele aufgeben und wirklich einen harten Richtungswahlkampf führen. Das geht aber nur mit einer radikalen Absage an die FDP. Nur so kann er einen Teil der müden SPD-Ex-Wähler vielleicht noch einmal vom Sofa hochreißen.

Diesen Schritt könnte Steinmacher leicht tun, denn die Machtoption Ampelkoalition wird von den Wählern ohnehin als Traumgebilde durchschaut. Die SPD hat in Wirklichkeit keine Machtoption mehr, um wieder regieren zu können. Wenn das so ist, dann kann sie sich auch ein neues Wahlziel setzen: so stark wie möglich in die Opposition zu gehen, um auf diesem Sockel dann den Genesungsprozess einzuleiten. Sie muss dies ja nicht als Wahlziel formulieren, aber sie muss danach handeln und ihren Wahlkampf danach ausrichten (“Wir brauchen eine starke SPD für die Zukunft”).

Bleibt Steinmeier bei seiner unglaubwürdigen Doppelstrategie, dann setzt er seine eigene politische Zukunft aufs Spiel. Denn landet die SPD deswegen weit unter 30 Prozent, dann sind seine Tage gezählt. Gewogen und zu leicht befunden, so lautet dann das SPD-Urteil. Will er aber als Oppositionsführer den künftigen Kurs der SPD zumindest für eine Übergangszeit noch mitbestimmen, dann muss er beweisen, dass er mehr Stimmen fangen kann als erwartet. 

Steinmeiers Doppelstrategie bricht kurz vor der Wahl ohnehin zusammen, wenn die FDP eine klare und unumstößliche Koalitionsaussage zugunsten der CDU/CSU machen sollte. Bis dahin aber hat Steinmeier das Heft des Handelns noch in der Hand. Diese Zeit sollte er nutzen. Ein Strategiewechsel ist seine letzte Chance.

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Freitag, 19. Juni 2009, 18:19 Uhr

So funktioniert Merkels Personalpolitik

Ein beliebtes Spiel ist zur Zeit im politischen Berlin: Wer wird nach der Wahl neuer EU-Kommissar als Nachfolger von Günter Verheugen? Denn nichts ist schöner als Personalspiele. Dass es ein CDU-Mann wird, steht fest, denn selbst dann, wenn es erneut zu einer großen Koalition kommen sollte, wäre die SPD so geschwächt, dass sie keinen SPD-Kommissar durchsetzen könnte. Und von der CDU schwirren zwei große Namen durch die Medien: Friedrich Merz und Roland Koch.

Merz ist absolut chancenlos, obwohl er sich peinlicherweise gerade wieder für Ämter angeboten hat (“Wenn ich gebraucht würde…”). Angela Merkel aber würde sich eher ein Bein abhacken, als ihren Erzfeind Merz nach Brüssel zu befördern. Sie hat vom späten Helmut Kohl gelernt: Umgib dich mit schwachen Leuten. Und Roland Koch, dem es nach zwei trostlosen Wahlergebnissen in Hessen keinen Spaß mehr macht und dem die Landespolitik zu eng geworden ist, hat keine Aufstiegschancen mehr. Er muss den Becher in Hessen wohl bis zum bitteren Ende auslöffeln. Den Weg auf den Sessel des Wirtschaftsministers hat ihm Karl-Theodor zu Guttenberg verbaut, den er seit den Opel-Nächten herzlich hasst. Und Brüssel? Warum sollte Merkel Koch eine neue politische Bühne bieten, von der aus er wieder zum Rivalen werden könnte?

In dieser Lage ist ein Mann zum Favoriten geworden, den viele gar nicht mehr in Erinnerung haben: Peter Hintze, Ex-Pfarrer, Ex-Diener von Helmut Kohl, Erfinder der “roten Socken”, der seit 2005 seit politisches Dasein in der einträglichen Bedeutungslosgkeit eines parlamentarischen Staatsekretärs im Wirtschaftsministerium fristet. Hintze, der schon eifrig Brüsseler Organigramme zeichnet und herumzeigt, passt perfekt in Merkels Personalschema: noch bedeutungsloser als Ronald Pofalla, noch unauffälliger als Volker Kauder. Auf seine Loyalität kann sich Merkel hundertprozentig verlassen, von ihm würde nie der Hauch einer Gefahr drohen. Hintze wäre ein williger Brüsseler Gehilfe für Merkels Europa-Politik. Hintze for Kommissar – so wird es kommen.

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Mittwoch, 17. Juni 2009, 11:51 Uhr

Gabriele Pauli – auch ein Medien-Opfer

“Ich bin in den Medien, also bin ich”. Diesem fatalen Irrtum, dem immer wieder Politiker erliegen, ist auch die Stoiber-Gegnerin Gabriele Pauli zum Opfer gefallen. Sie hat Medienpräsenz mit politischer Potenz verwechselt. Sie hat sich einreden lassen, eine Medien-Existenz sei eine politische Existenz. Jetzt hat sie mit ihrem Ausschluss bei den Freien Wählern den Endpunkt dieser Schein-Existenz erreicht.

Natürlich hat Frau Pauli ihren politischen Weg selbst zu verantworten, aber sie ist auch ein Opfer der Medien geworden. Sie hat die außerordentliche öffentliche Aufmerksamkeit mit politischer Bedeutung verwechselt. Die Medien haben bei ihrer Suche nach neuen, attraktiven Gesichtern, bei ihrer Suche nach Konflikten und Skandalen die Landrätin aus Fürth wie am Nasenring durch die Manege gezogen. Sie haben sie in Leder auf dem Motorrad fotografiert und mit Latex auf Hochglanz abgelichtet. Sie haben jedes Wort, und war es auch noch so unsinnig wie die Sieben-Jahres-Ehe, wie Manna aufgesogen.

Die Medien hatten sie zur mächtigen Gegenfigur zu Edmund Stoiber aufgebaut, die sie nie war. Am Ende hat Frau Pauli selbst geglaubt, sie habe Stoiber gestürzt, dabei war sie im CSU-Machtkampf nur benutzt worden, um Stoiber sturmreif zu schießen. Stoiber hat sich mit seiner arroganten Reaktion auf Frau Paulis Angriffe selber gestürzt, und selbst das wäre ihm nicht gelungen, wenn sich nicht die Rivalen im Kampf um seine Nachfolge, Günther Beckstein und Erwin Huber, überraschend zu seinem Sturz verbündet hätten.

Konflikt- und Skandalberichterstattung ist für die Medien immer attraktiver als Berichte über neue Gesetze oder die Beschlüsse des Bundesrates. Frau Pauli war für die Medienrolle die ideale Figur: attraktiv, unbekümmert, aggressiv gegen die da oben – eine ideale Projektionsfläche für Politik- und Politiker-Verdrossenheit. Ein demokratisches Ventil auch für die Medien – die sonst ihrer Kontrollpflicht eher mangelhaft nachkommen. Fotostrecken in der “Bunten”, Interviews im “Stern”, nationale Talkshow-Auftritte – da musste eine bis dahin eher unbedeutende Politikerin ja größenwahnsinnig werden.

Dabei war Frau Pauli nur eine Art Verona Feldbusch der Politik. Bei Frau Feldbusch war Dieter Bohlen die Startrampe in die Medienexistenz, bei Frau Pauli Edmund Stoiber. Beide erreichten ihre Prominenz nur durch ihre Profilierung an einer wirklichen prominenten Figur, nicht aus eigener Kraft.

Frau Pauli sollte ihre Schlagzeilen jetzt noch einmal genießen – es werden ihre letzten sein. Denn die Medien sind längst schon auf der Suche nach der neue Pauli, nach der neuen Feldbusch. Die Medien haben sie ausgebeutet, so lange sie Schlagzeilen versprach, jetzt werden die Medien sie genauso schnell wieder fallen lassen. Gabriele Pauli hat ihre Medienfunktion im Übersoll erfüllt.

Lesen Sie dazu auch die Anekdote “Gabriele Pauli und der frühe Größenwahn“.

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Gabriele Pauli und der frühe Größenwahn

Gabriele Pauli hat angekündigt, eine eigene Partei gründen und damit bei der Bundestagswahl anzutreten zu wollen. Damit hat die streitbare Stoiber-Gegnerin die letzte Stufe des politischen Größenwahns erreicht. Dazu fällt mir eine Episode aus dem Sommer 2006 ein. Damals wollte Frau Pauli auf Vermittlung eines gemeinsamen Bekannten mit mir sprechen. Wir trafen uns im Hamburger “Fischereihafen-Restaurant” und sie eröffnete, schon bevor die Vorspeise kam, das Gespräch mit dem Satz: “Ich will bayerische Ministerpräsidentin werden. Was muss ich dafür tun?”. Damals war sie einfaches Mitglied im CSU-Landesvorstand und Landrätin eines der kleinsten Landkreise Bayerns.

Ich war so verblüfft, dass ich erst einmal Luft holte, um sie dann zu fragen, ob sie das nicht etwas vermessen findet. Nein, antwortete sie, sie wolle Ministerpräsidentin werden. Ich tat so. als nähme ich das ernst, und antwortete, dafür müsse sie erst einmal Netzwerke in der Partei bilden und sich über landespolitische Themen profilieren. Denn über Fürth hinaus spielte sie damals in Bayern keinerlei  Rolle. Und ich fragte sie, ob für den Anfang nicht das Ziel, Ministerin zu werden, das realistischere sei. Das war ihr offenbar zu langwierig und zu anstrengend. Nein, MinisterpräsidentIn!

Wir trennten uns nach guter einer Stunde, und es war offenkundig, dass sie mit meinen Antworten unzufrieden war. Nur wenige Wochen später startete sie ihren persönlichen Feldzug gegen Stoiber, der sie zwar bekannt machte, aber auch zu ihrem Ende in der CSU und schließlich zu dem Neustart bei den Freien Wählern führte.

Jetzt also hat sie neue Ziele, jetzt muss es Berlin sein. Noch einmal in den Schlagzeilen – das war´s dann wohl endgültig.

Das ändert aber nichts daran, dass sich sowohl Edmund Stoiber als auch seine Umgebung arrogant und tölpelhaft gegenüber Frau Pauli verhalten und damit den Sturz am Ende selbst verschuldet hatten.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag “Gabriele Pauli – auch ein Medien-Opfer


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