Freitag, 03. Juli 2009, 11:07 Uhr

Möllemann – Westerwelles Schatten

Guido Westerwelle hat sich nicht zur Entscheidung des Bundestagspräsidenten geäußert, gegen die FDP ein Strafgeld von 4,3 Millionen Euro zu verhängen. Westerwelle weiss, warum. Denn die Entscheidung Norbert Lammerts weckt nicht nur die Erinnerung an Jürgen Möllemanns verantwortungslosen Wahlkampf, sondern auch an die dunkelste Phase im politischen Leben des FDP-Chefs.

2002 war Westerwelle die Puppe, an der Marionettenspieler Möllemann zog. Er war Gefangener der Wahlkampfstrategie Möllemanns, der ihm das “Projekt 18″ aufzwang und die aberwitzige Ausrufung zum “Kanzlerkandidaten”. Möllemann und sein Adlatus Fritz Goergen waren die Erfinder des Spaß-Wahlkampfes mit der 18 auf den Schuhen und dem Guido-Mobil. Westerwelle war zwar formal der Chef, die Strippen aber zogen andere.

Erst als Möllemann mit seinem antiisraelischen und antisemitischen Flugblatt “Klartext. Mut” den Bogen überspannte, distanzierte sich Westerwelle von Möllemann, aber nur mühsam und unter dem massiven Druck Edmund Stoibers, der ihn in einem langen Telefongespräch eindringlich aufforderte, von Möllemanns “Spiel mit dem Feuer” öffentlich abzurücken.

Kein Wunder, dass Westerwelle heute mit dieser Phase seiner Geschichte nicht mehr identifiziert werden will. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Westerwelle ausgerechnet in einer Zeit davon eingeholt wird, in der er tatsächlich die Chance hat (hatte?), der 18 nahe zu kommen. 2002 übrigens kam die FDP auf 7,4 Prozent.

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag vom 19.05.2009 “Wer traut noch Westerwelle?


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