Der lahme Gaul CDU
Rechtzeitig zum CDU-Parteitag hat die Forschungsgruppe Wahlen Angela Merkel ein Geschenk gemacht: 83 Prozent der verbliebenen CDU-Sympahisanten finden, dass sie ihre Arbeit als CDU-Vorsitzende gut macht. Und die Partei klettert in der Sonntagsfrage um einen Punkt auf 33 Prozent. Sie robbt sich also langsam wieder von unten an das Ergebnis der Bundestagswahl heran – das zweitschlechteste in der CDU-Geschichte überhaupt. Infratest-Dimap ist weniger freundlich: das Institut gibt der CDU nur 31 Prozent.
Merkel und ihr Generalsekretär Hermann Gröhe werden dennoch die Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen als Beweis dafür sehen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Wobei sich die Frage stellt: auf welchem Weg und wohin eigentlich? Und wo sind die 10 Prozent der Wähler geblieben, die seit 2009 der FDP den Rücken gekehrt haben? Bei der CDU sind sie auf jeden Fall nicht gelandet, sonst müssten die Christdemokraten über 40 Prozent liegen.
Zum Jubeln besteht also wenig Anlaß. Lediglich zu der Feststellung: Merkel ist immer noch das Beste, was die CDU zu bieten hat (oder was sie den Wählern anbietet). Sie sitzt wieder fest im Sattel des lahmen Gauls CDU. Die CDU ist unter der angeblich so guten Führung Merkels ein Klepper, der auf absehbare Zeit kein Rennen mehr gewinnen kann. Merkels sinkende, aber immer noch recht ansehnliche Popularität überträgt sich – wie schon bei den Wahlen – nicht auf die Partei.
Warum ist die CDU so unattraktiv? Die CDU hat die Faszination eines erloschenen Lagerfeuers, an dem sich niemand mehr so recht wärmen kann. Die Konservativen nicht, auch wenn Merkel sie mit markigen Sprüchen (“Multikulti ist gescheitert”) ruhigzustellen versucht. Der soziale CDU-Flügel nicht, der ohnmächtig zusehen muss, wie sich unter Führung Merkels die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft – eine Folge der sozial unausgewogenen Sparbeschlüsse und einer die Gesellschaft entsolidarisierenden Gesundheitsreform. Und eine Folge der Koalition mit der FDP, die – im Negativen – Schwarz-Gelb mehr den Stempel aufdrückt, als die CDU verkraften kann.
Die beiden Flügel der CDU schlagen nicht mehr. Zufrieden kann nur die diffuse, im Wahlkampf schon beschworene “Mitte” sein, die inhaltlich und programmatisch desinteressiert und froh darüber ist, dass es sie noch nicht erwischt hat, dass sie noch am Wohlstand teilnehmen kann. Diese “Mitte” aber ist nicht groß genug, um angesichts einer sich selbst zerlegenden FDP künftig noch Wahlen gewinnen zu können. Um breite Wählerschichten wieder anzusprechen, reicht keine ums Konservative und Soziale kastrierte CDU. Deshalb ist nicht verwunderlich, dass sich die Sehnsüchte der Partei auf einen Mann konzentrieren, der nicht der CDU angehört – Karl Theodor zu Guttenberg.
Der zweite Grund für die Unattraktivität der CDU: innerparteilich glimmt nicht einmal mehr die Asche. Die CDU ist geistig erloschen. Sie bewegt nicht die öffentliche Debatte, sie hat keine Vision, keinen großen, faszinierenden Entwurf für Deutschlands nächstes Jahrzehnt. Die geistige Meinungsführerschaft haben inzwischen die Grünen.
Es gibt für die CDU also wenig Grund zum Feiern, auch wenn die Delegierten in Karlsruhe, die der großen und kleinen Funktionärsebene entstammen, Merkels Rede 10 Minuten lang beklatschen werden. Es ist das Pfeifen im Wald.








