Grüne Nerven liegen blank
Ein gewaltiger und elektrisierender Vorwurf, den Grünen-Chef Cem Özdemir gegen den baden-württembergischen CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus erhebt: er versuche “mit ausländerfeindlichen Ressentiments” Stimmung gegen die Grünen zu machen. Mappus als Wiedergänger von Roland Koch? Wenn das stimmen würde, wäre es in der Tat ein Skandal.
Die Wahrheit dahinter aber sieht anders aus: Mappus hat ein durchsichtiges, aber legitimes Wahlkampfmanöver gestartet, indem er behauptete, nicht der grüne Spitzenkandidat Winfried Kretschmann, sondern Özdemir bestimme den Kurs der baden-württembergischen Grünen. Er sei der heimlich Strippenzieher. Und er begründet das damit, dass im Streit um “Stuttgart 21″ Özdemir die grüne Linie vorgegeben habe und nicht Kretschmann.
Ob das stimmt oder nicht, ist völlig egal. Nicht egal aber ist die Reaktion Özdemirs: die CDU betreibe eine “Angstkampagne” nach dem Motto: “Das steht ein Türke zur Wahl. Ihr wählt zwar Kretschmann, bekommt aber dann den Deutsch-Türken Özedmir. Das ist schon perfide, was Mappus da macht”. Nichts davon hat Mappus gesagt.
Das ist mehr als starker Tobak: Özdemir betreibt Wählerverhetzung unter umgekehrten Vorzeichen. Denn der unbegründete Vorwurf, mit ausländerfeindlichen Ressentiments Wahlkampf zu betreiben, ist ähnlich verwerflich wie die Ausländerfeindlichkeit selbst. Wenn das Wort nicht durch Martin Walser so diskreditiert wäre, könnte man auch sagen: der Versuch Özdemirs, die Moralkeule zu schwingen, richtet sich gegen ihn selbst.
Es ist nicht zulässig, dass ein deutscher Politiker seinen Migrationshintergrund instrumentalisiert, um den politischen Gegner ins Abseits zu stellen. Es zeugt auch von mangelnder Souveränität und Selbstüberschätzung. Wer soll eigentlich von dem ansonsten ganz netten Herrn Özdemir Angst haben?
Bei den Grünen müssen die Nerven ganz schön blank liegen, seitdem der sicher geglaubte Wahlsieg in Baden-Württemberg wieder zu entschwinden droht.








