Jauch: Bewährungsprobe vertagt
Ob Günther Jauch eine spannende, kontroverse, unterhaltsame, aber auch lehrreiche Talkshow moderieren kann, diese Frage blieb bei seiner ersten Sendung unbeantwortet. Denn er drückte sich um diese Frage, indem er nicht am 4. September startete, sondern erst am 11. September – mit einer Sondersendung zum Gedenktag des Terroranschlags in New York. Damit verschob er den Start der eigentlichen Talkshow um zwei Wochen.
Die Sondersendung brachte auf jeden Fall keine neuen Erkenntnisse. Wie sollte sie auch? Sie war “Stern-TV” mit politischen Gästen, und einer Literaturkritikerin, die am Tag der Anschläge aus New York abreiste sowie einem Fußballtrainer in der Rolle eines jungen Scholl-Latour – der Landeskenner, der alles über “den Amerikaner” weiss. Viel Betroffenheit, einfühlsame Fragen, nicht zu viel Kontroverse. Eine politische Talkshow wäre es gewesen, wenn sich Ex-Minister Peter Struck, Jürgen Todenhöfer und Springer-Chef Mathias Döpfner richtig hätten streiten können oder müssen.
So blieb alles recht freundlich und verbindlich. So wie der Moderator.
Jauchs Bewährungsprobe kommt erst, wenn er sich den Mühen der politischen Ebene stellen muss. Wenn es um den Euro und die Zukunft Europas geht, um die Finanzindustrie, um Macht und Ohnmacht der Politik und den Streit um die besseren Lösungen zur Altersarmut oder Pflegeversicherung. Wenn er versuchen muss, aus trockenen Zitronen wie Volker Kauder, Dirk Niebel, Gesine Lötzsch oder Andrea Nahles noch politischen Saft herauszupressen. Wenn Nieten nicht nur an der Wand des Gasometers sitzen, sondern in den schicken Sesseln, und der Rost der Studiowand der Rost der Politik ist.
Erst dann werden die politisch interessierten Zuschauer wissen, ob es sich lohnt, sonntags auf den ZDF-Krimi um 22 Uhr zu verzichten. Nächsten Sonntag hat Jauch noch die Wahl in Berlin und kann als Attraktion erfolgreiche Piraten präsentieren – aber dann?








