Noch keine Zeit für Purpur
Wenn Autosuggestion die Voraussetzung für Wählersuggestion ist, dann ist die SPD in ihrem Konsolidierungsprozess seit dem Wahldesaster 2009 ein großes Stück vorangekommen. Die SPD ist wieder von sich überzeugt – die entscheidende Voraussetzung, um andere zu überzeugen.
Die SPD ist klar proeuropäisch, ihre finanzpolitischen Beschlüsse bleiben maßvoll, sie macht keine unhaltbaren Versprechen und sie verfügt über ein beachtliches Spitzenpersonal.
Sigmar Gabriel für die SPD-Seele, Frank-Walter Steinmeier für solide Kärrnerarbeit und Peer Steinbrück als eloquenter Gegenspieler des Krisenduos Merkel/Schäuble. Und, gewissermaßen als hängende Spitze, Hannelore Kraft, die Stimmenkönigin des Parteitages, die aus dem Kreis der Kanzlerkandididaten nicht länger völlig ausgeschlossen werden kann.
Die SPD kann mit ihrem Parteitag zufrieden sein. Die Partei ist wieder wählbar – auf jeden Fall für deutlich mehr als die 23 Prozent der Wähler, die es 2009 nur noch waren.
Gabriel, der müde aussah, aber immer hellwach war, entglitt nie die Regie des Parteitages. Als er merkte, dass der Beifall für Steinbrück dünn ausfiel, stand er als erster zur stehenden Ovation auf und verlängerte so den Applaus. Es sollte keine Schlagzeilen geben, Steinbrück sei schon wieder raus aus dem Rennen um die Kanzlerkandidatur.
Deshalb holte er Steinmeier und Steinbrück auch anschließend zum demonstrativen Troika-Foto auf die Bühne. Wir drei halten zusammen, wir lassen uns nicht auseinanderdividieren – das war die Botschaft von Gabriels Regie. Und wir halten das Rennen weiter spannend, bevor die Medien Sieger und Verlierer und den neuen Favoriten bestimmen.
Gabriel war auf dem Parteitag immer Herr des Verfahrens und er bleibt es auch in der Kandidatenfrage. Er ist nicht Kanzlerkandidat, er macht den Kanzlerkandidaten. Solange er keine eigenen Ambitionen hegt und erkennen lässt, bleibt er die stärkste innerparteiliche Figur der SPD. Allerdings ist seine Außenwirkung nach wie vor begrenzt. Er ist kein Mann für Wechselwähler.
Was aber sagt das für die Bundestagswahl 2013? Juniorpartner der CDU/CSU, das schloss Gabriel kategorisch aus. Also Rot-Grün oder gar nicht? Das ist zwar strategisch richtig, aber riskant, denn das heißt nicht, dass diese Strategie auch zum Wahlsieg führt. Regierungen werden abgewählt, nicht Oppositionsparteien gewählt.
Führt Angela Merkel in den Augen der Wähler Deutschland einigermaßen sicher durch die Eurokrise, dann wird sie wiedergewählt. Scheitert sie, dann kann die SPD auch einen Besenstiel aufstellen (also, Pardon, auch Gabriel), um sie zu schlagen. Die FDP ist zwar Vergangenheit, damit auch Schwarz-Gelb, nicht aber Merkels CDU/CSU.
Um den Kanzler zu stellen, müsste die SPD stärker werden als die Unionsparteien. Eine SPD, an der seit neuestem nicht nur Grüne und Linkspartei nagen, sondern auch die Piraten. Und mit einem Wunsch-Koalitionspartner, dessen Höhenflug vorbei ist. Das wird sehr schwer, das ist fast aussichtslos, solange Merkel nicht europapolitisch scheitert. Dann müsste die SPD entweder ihr Juniorpartner-Versprechen brechen oder den Grünen das Feld überlassen und in die Opposition gehen.
Es besteht für die SPD also (noch) kein Grund, die neue Farbe Purpur zu tragen, die Farbe der römischen Triumphatoren.








