Where is the beef?
Im Medienwirbel um den Bundespräsidenten ist es der FDP so ergangen, wie es ihr politisch seit Monaten geht: sie ist untergegangen. Und wenn überhaupt, dann tauchten ihre Vertreter nur mit Negativmeldungen auf - wie zum Beispiel der neue Generalsekretär Patrick Döring, der seinen Vorsitzenden als “dünnhäutigen Wegmoderierer” abqualifizierte.
Das sollte sich jetzt ändern mit dem tradionellen Dreikönigstreffen, dem gefühlt hundersten Neustart der demoskopischen Splitterpartei. Aber während Philipp Rösler versuchte, seine Zwei-Prozent-Partei zu neuem Leben zu erwecken, erlitt seine Partei im Saarland den Regierungstod. Während Rösler zu ”Optimismus statt Miesmacherei” aufrief, lief bei Phoenix das Laufband: “Jamaika-Koalition im Saarland geplatzt”.
Die Saar-Koalition scheiterte an einer chaotisierten FDP, die nicht mehr regierungsfähig ist, weil sie nicht einmal sich selbst führen kann. Ein Menetekel auch für Berlin. Für die FDP gilt abgewandelt der alte Spruch: erst hatte sie (selbst verschuldet) kein Glück, dann kam auch noch (selbst verschuldet) Pech dazu. Oder wie es das alte Schlachtross Rainer Brüderle formulierte: “Besiegen können wir uns nur selbst”. Darin ist die FDP Weltmeister.
Belastet mit diesen Hypotheken musste Rösler in Stuttgart antreten. Sein Zauberwort hieß “Wachstum”, wohl in der Hoffnung, dann wächst auch die FDP. Er witterte überall bis hin zu Finanzminister Wolfgang Schäuble nur linke Wachstumsgegner. Einziger Hort der Freiheit sei der FDP, die sich mutig und ganz allein gegen den Linkstrend stellt wie das kleine gallische Dorf gegen die übermächtigen Römer.
Pech für Rösler: die FDP hat keinen Druiden Miraculix mit seinem Zaubertrank. Der Begriff Wachstum ist es nicht. Ohne zu definieren, wie, wofür und mit welcher Qualität, ist “Wachstum” eine Worthülse, die nicht für einen FDP-Aufschwung taugt. Aber genau diese Konkretisierung ist Rösler schuldig geblieben. Genauso wie die Konkretisierung seiner verhaltenen Kritik an Banken und Finanzmärkten. “Where is the beef?”, heißt es in solchen Fällen in amerikanischen Wahlkämpfen.
Auch sein zweiter Schlachtruf (“Deutschland schuldenfrei”) ist eine solche Leerformel, wenn die FDP zur gleichen Zeit durch Steuersenkungen die Neuverschuldung massiv erhöhen will.
Also auch aus Stuttgart nichts Neues von der FDP, zumindest nichts, was sie retten könnte. Auch nicht am 6. Mai in Schleswig-Holstein.








