Samstag, 04. April 2009, 15:40 Uhr

Wann fliegt der “taz”-Chef?

Wenn dies Kai Diekmann, der Chefredakteur von BILD, gesagt hätte, stände er längst im Zentrum eines Orkans der Empörung. Es war aber der Geschäftsführer der linken Tageszeitung “taz”, Karl-Hein Ruch, der sich wünscht, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise noch lange dauert. Und da ist Schweigen im linken Walde.

Ruch hat sich in einem Interview des “kressreport” über steigende Abo-Zahlen der “taz” gefreut und dies so erklärt: “Uns geht es absolut gut, weil wir Profiteur der Krise sind”. Und Ruch setzte hinzu:”Hoffentlich geht die Krise weiter”. Zynischer geht es kaum für ein Blatt, das sich als Anwalt der Schwachen in der Gesellschaft empfindet.

Wie lange dauert es eigentlich, bis so ein Mann gefeuert wird?

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17 Kommentare

1) Claudia, Samstag, 04. April 2009, 16:08 Uhr

Diese Frage habe ich mir auch schon gestellt. Andererseits: Die Medienkritik, allen voran Herr Niggemeier, ist zur Zeit ja noch damit ausgelastet, sich an der jungen RTL-Reporterin abzuarbeiten, das wird ihn wohl bedauerlicherweise davon abgehalten haben, die taz zu kritisieren. Wäre meines Wissens auch neu (also ernsthafte taz-Kritik an prominenter Stelle, selbst zu so dermaßen offensichtlichen Fehltritten wie diesem).

2) Usul, Samstag, 04. April 2009, 16:13 Uhr

Äh, das vollständige Zitat von kress.de lautet “Man muss fast zynisch sagen: Hoffentlich geht die Krise weiter”. Insofern ist sich der Geschäftsführer durchaus bewusst, was er da sagt. Dann klingt es auch anders, finde ich, nicht so jubelnd und herzlos, wie im Beitrag oben vermittelt wird.

Außerdem: Wenn die Bild-Zeitung bzw. ihr Chefredakteur das sagen würden, muss man auch immer im Hintergrund behalten, dass die Bild-Zeitung vielleicht ein kleines Scherflein zur Krise durch einseitige, manipulative “Berichterstattung” beigetragen hat. Ich würde für die TAZ nicht meine Hand ins Feuer legen, behaupte aber, sie hat weniger dazu beigetragen, vielleicht sogar eher gegengesteuert.

Hier noch mal der Link zu kress.de:

http://www.kress.de/cont/story.php?id=127569

Ach und noch was: Ein Zitat so zu verkürzen, ist – Bild-Niveau 😉

3) m.spreng, Samstag, 04. April 2009, 16:20 Uhr

Das komplette Zitat macht es nicht besser. Es verschlimmert es eher, denn dem Mann ist offensichtlich bewußt, was er sagt.

4) Usul, Samstag, 04. April 2009, 16:31 Uhr

Für mich klingt das vollständige Zitat halt eher so, als ob ihm auch nicht ganz wohl dabei ist, dass sie von der Krise profitieren und dass es ihm lieber wäre, er könnte andere, positivere Gründe anführen. Natürlich, ungeschickt bzw. unüberlegt formuliert ist es schon, dass kann man ihm auf jeden Fall vorwerfen. Sollte einem Kommunikationsprofi nicht passieren, solche unsympathischen Aussagen.

5) Wolf-Dieter, Samstag, 04. April 2009, 17:29 Uhr

Er profitiert von der Krise. Na und? Hat er sie vielleicht gemacht? Eigentlich eher nicht, oder?

Meine Güte, ähnlich zynische Kommentare hab ich schon zu Studienzeiten gehört, als z. B. ein Prof sate, die Krise dürfe gerne weiter gehen, damit weniger Studenten anfahren und er einen Parkplatz auf dem Campus findet.

6) alessandro, Samstag, 04. April 2009, 17:34 Uhr

Genau so funktioniert die Meinungsmache, die auch unsere Medienlandschaft perfektioniert hat und damit mehr als nur ihr kleines Scherflein zur Desinformation der Menschen beiträgt: Ein Zitat aus dem Gesamtzusammenhang reißen, mit einer Menge heißer Luft (= gespielter Empörung) zu einem Skandal aufblasen und so dazu beitragen, unliebsame Zeitgenossen abzuschießen.

Was für politisch-korrekt gelecktes Gewäsch erwartet uns eigentlich in zukünftigen Interviews, wenn sogar eine deutlich ironisch-distanzierte Äußerung wie »Man muss fast zynisch sagen: Hoffentlich geht die Krise weiter« zu einem Möchtegern-Skandal aufgebauscht wird und direkt nach Rausschmiß gerufen wird? Schon heute kommt man sich in den meisten Talkshows vor, als würden 60 Minuten lang die gelackten Ergüsse gewiefter PR-Agenturen vom Blatt verlesen. Das ist unerträglich!

7) Udo, Samstag, 04. April 2009, 18:02 Uhr

Ich muss Usul erstem Kommentar zustimmen:

So wie Sie es hier wiedergegeben haben, reißt es die die Aussage nicht nur aus dem Sinnzusammenhang, sondern hat zudem ein Geschmäckle. Welche Zielgruppe Kress hat, brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen. Insofern ist die Behauptung, Karl-Hein Ruch würde sich zu seinen Gunsten oder zu Gunsten der tageszeitung über ein Andauern der Krise freuen, übertrieben reißerisch.

Wäre Ihr Blog nicht erst am Anfang – und würden sie damit nicht auch Leser zu gewinnen versuchen – könnte man meinen, Ihr Blog sei am Ende 😉

Udo

PS: Wenn ‘Ihr Kommentar*’ verschwinden würde, wenn man das Eingabefeld betritt, müsste man es nicht manuell löschen. Ich bin Ihnen da gern technisch behilflich.

8) stefan niggemeier, Samstag, 04. April 2009, 18:10 Uhr

Der Vergleich mit Kai Diekmann hinkt. Der Gegenpart zu Karl-Heinz Ruch wäre wohl eher “Bild”-Verlagsgeschäftsführer Ralf Hermanns, und ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser unbekannte Mann jetzt “im Zentrum eines Orkans der Empörung” stünde, wenn er ähnliches gesagt hätte.

Diekmann vielleicht schon. Aber “taz”-Chefredakteurin Bascha Mika womöglich auch.

(Komisch, in der Überschrift hier hätte auch das Wort “Geschäftsführer” statt “Chef” locker Platz gehabt. Aber vielleicht hätte die Geschichte damit schon zuviel Fallhöhe verloren.)

9) david, Samstag, 04. April 2009, 19:14 Uhr

allesandro hat recht.

10) Martin Örting, Samstag, 04. April 2009, 21:42 Uhr

Bei der taz spielt der Geschäftsführer nicht so eine große Rolle, dass man ihn als “taz-Chef” bezeichnen könnte. Die taz ist ja eine Genossenschaft – gut 8.500 Leute haben je mindestens 500 Euro einbezahlt, damit es die taz weiter gibt. Um die Interessen der Genossen durchzusetzen, wählt die Genossenschaftsversammlung den Aufsichtsrat – da müsste man also den Chef des taz-Verlags suchen (in dem dreiköpfigen Gremium ist der exponierteste Vertreter sicher Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest). Und der Verlag muss dafür sorgen, seinen Genossen zu gefallen, weil die sonst ihr Geld wieder abziehen und dann ist der Verlag pleite.

Auf Redaktionsseite ist natürlich Bascha Mika als Chefredakteurin die Chefin. Wobei auch die jederzeit von ihrer Redaktion abgewählt werden kann. Ist also gar nicht so einfach bei der taz – die Chefs stehen in einem erheblichen Abhängigkeitsverhältnis von ihren Lesern und ihren Redakteuren.

Wer ist also der Chef? Ich glaube, bei der taz gibt es so eine Institution einfach nicht.

11) PeterM, Sonntag, 05. April 2009, 11:00 Uhr

Also mit Diekmann zu argumentieren finde ich schon recht bizarr. Aber das hat bei mir ca. 3 Minuten anhaltendes Gelächter ausgelöst, insofern bin ich Herrn Spreng äusserst dankbar.

12) Gregor Keuschnig, Sonntag, 05. April 2009, 11:51 Uhr

Na, Herr Spreng, ich finde dieses Stückchen Empörungsgymnastik ist ein bisschen arg unter Ihrem Niveau. Herr Ruch sagt ja selber, das seine Aussage zynisch gemeint sei.; ein Smalltalk-Gag (noch nicht einmal besonders originell).

Ruchs Aussage ist vermutlich “nur” falsch, da er eine Kausalität zwischen Wirtschaftskrise und taz-Abos konstruiert. Er verwechselt damit Kausalität und Korrelation. Das machen aber (leider) inzwischen fast alle.

13) Ortwin, Sonntag, 05. April 2009, 14:16 Uhr

Was ist denn verwerflich daran, zynisch zu sein?

14) Thom, Sonntag, 05. April 2009, 22:47 Uhr

Als wär’s besonders die taz gewesen (Mainstreamzeitschrift, übrigens, weit davon entfernt links zu sein), die die Krise herbeigeschrieben hat. In Deutschland scheint es schlimmer zu sein, etwas zu sagen, als etwas zu tun. Wenn alle zurücktreten müßten, die für die Krise gesorgt haben, auf dem einen oder anderen Weg, unsere Elite wäre von einen auf den anderen Tag verschwunden: Der Spiegel, Springer und die Bundesregierung könnten kollektiv zurücktreten. Also Herr Spreng: ich sehe, sie wissen, wo der Feind steht. Aber auch dann bringen Kanonen auf Spatzen nicht den Erfolg, den der Schütze sich erhofft.

15) Thom, Sonntag, 05. April 2009, 22:49 Uhr

Und Ortwin: Da viele mir schon was ein. Aber wenn ein Stoiberberater Zynismus geißelt, dann hat das ne bizarre Komik.

16) SB, Montag, 06. April 2009, 11:18 Uhr

Oha, ihre Beiträge muss man also sehr genau prüfen und hinterfragen. Bzw. wird fraglich, ob ich mir das Lesen des Blogs nicht sparen kann. Eine derartige Verkürzung eines Zitates ist nichts anderes als Propaganda und der Versuch einer bösartigen Täuschung. Unglaublich.

17) Wolf-Dieter Herrmann, Montag, 06. April 2009, 15:22 Uhr

Ein SprengSatz der es in sich hat . . . nur was ?!?!

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