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Mittwoch, 22. April 2009, 00:17 Uhr

Strauß ein Vorbild? CSU hat nichts dazugelernt

In der CSU tobt zur Zeit ein bizarrer Streit, der Außenstehenden völlig unverständlich erscheinen muss. Es geht darum, ob Franz Josef Strauß ein Vorbild für Politiker von heute ist oder nicht. Sozialminsterin Christine Haderthauer meinte, Strauß sei für sie kein Vorbild, wurde deswegen von Ministerpräsident Horst Seehofer scharf gerügt und stand kurz vor dem Rauswurf aus dem Kabinett. Dabei hat die Ex-Generalsekretärin nur eine Binsenweisheit ausgesprochen, denn über diese Frage hat längst die Zeitgeschichte entschieden. Strauß kann allein schon wegen der “Spiegel”-Affäre, von den Amigo-Skandalen ganz zu schweigen, für keinen Politiker und keine Partei ein Vorbild sein. Wenn das tatsächlich so wäre, dann müsste man vor der CSU Angst bekommen.

Strauß war ohne Zweifel eine der prägendsten und herausragendsten Figuren der Nachkriegsgeschichte - im Guten wie im Schlechten. Sein jede Grenze überschreitender Machtanspruch, seine Verunglimpfung Andersdenkender (auch in der CDU) und seine Missachtung des Rechtsstaats lassen ihn sicher nicht zum Vorbild taugen. Auch ich war immer gleichermaßen angezogen wie abgestoßen von Strauß, hin und her gerissen zwischen Respekt und manchmal sogar Bewunderung angesichts seiner politischen Urgewalt, seiner Bildung, seinen Leistungen für Bayern einerseits und Entsetzen über sein maßloses und erschreckendes Verhalten andererseits – und auch über seinen Vernichtungswillen. Wenn ihn nicht der Tod davor bewahrt hätte, dann hätte Strauß ein unrühmliches politisches Ende gefunden.  Und es wäre noch ein Verfahren wegen Landesverrat dazugekommen, weil er seinen DDR-Spezl Schalck-Golodkowski mit geheimsten NATO-Papieren versorgt hatte.

Der Streit in der CSU beweist, dass die Partei trotz des Desasters bei der Landtagswahl nichts dazugelernt hat und immer noch nicht bereit ist, ihre eigene Geschichte mutig und ohne Verklärung aufzuarbeiten. 

Frau Haderthauer hat übrigens Hildegard Hamm-Brücher, die große alte Dame des CSU-Koalitionspartners FDP, neben Richard von Weizsäcker und Konrad Adenauer zu ihren Vorbildern gezählt und damit ihre Parteifreunde erst richtig auf die Palme getrieben. Ein führender CSU-Mann meinte daraufhin laut “Süddeutscher Zeitung” ganz im Stil von Strauß: “Das Mädchen hat eine fatale Neigung zu dummschwätzerischen Bemerkungen”.

Liebe CSU, lieber Horst Seehofer, herzlich willkommen im 21. Jahrhundert.

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6 Kommentare

1) Abendzeitung, Mittwoch, 22. April 2009, 12:02 Uhr

Lieber Herr Spreng,

ganz unsere Meinung: http://www.abendzeitung.de/nachrichten/meinung/101096

Viele Grüße aus München!

2) w, Mittwoch, 22. April 2009, 12:14 Uhr

FJS IST nach wie vor ein Vorbild für große Teile der CSU und deswegen muß man tatsächlich Angst vor dieser ähem…Partei haben.

Gruß; Walter

3) Peter, Sonntag, 26. April 2009, 13:31 Uhr

Wer sich die kalkulierten Aufälle des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (“Computerspiele sind wie Kinderpornos”) anschaut könnte feststellen, dass FJS tatsächlich immer noch ein Vorbild für viele in der CSU ist.

Im Grunde versucht doch sogar Seehofer derzeit, kurz vor den anstehenden Europawahlen, sich in die Schlagzeilen und an die Stammtische zu rüpeln (wenn auch nicht so dumm-dreist wie Herrmann).

4) http://www.lonesomewalker.de, Samstag, 16. Mai 2009, 14:24 Uhr

Nett habt Ihr es hier gemacht

5) FG Strauß, Sonntag, 17. Mai 2009, 22:05 Uhr

Franz Josef Strauß hat bei der SPIEGEL-Affäre nur eines getan, nämlich nachdem erfahren hatte, dass ein Haftbefehl gegen Conny Ahlers unterwegs und dieser nach Cuba unterwegs sei (Tage davor wäre wegen der Cuba-Krise beinahe der 3. Weltkrieg ausgebrochen), den deutschen Militärattaché in Madrid anzurufen mit der Aufforderung, dafür zu sorgen, dass Ahlers festgehalten werde, bis der Haftbefehl das unter Franco-Herrschaft stehende Spanien erreicht habe. Tatsache war dann, dass es den ihm gegenüber angekündigten Haftbefehl nicht gab und die Verhaftung damit nicht rechtmäßig war. Vor dem Bundestag hat er dann versucht, diesen Tatbestand dadurch zu relativieren, dass er sagte, er habe mit der Ingangsetzung des Verfahrens nichts zu tun gehabt, was in Bezug auf Ahlers nicht richtig war. Bei der entsprechenden aktuellen Stunde des Bundestags wurde er dann von Parteifreunden wie Stücklen gedrängt, nachzulegen, woraufhin er eine neue Wortmeldung abgab. Der ihm gegenüber distanziert stehende Bundestagspräsident schloss die aktuelle Stunde ganz formell. obwohl alle weitermachen wollten. Damit kam es nicht mehr zur Stellungnahme von Strauß und die “Lüge” vor dem Parlament war “geboren”.
Ein Sprung: Bei dem Misstrauensvotum gegen Willy Brandt 1972 wurden CDU-Abgeordnete mit Geld gekauft, was Brandt wusste. Ohne diesen Vorgang wär die deutsche Geschichte anders gelaufen. Dennoch würde heute jeder SPD-ler aus der Partei geworfen, wenn er sagen würde, Brandt sei wegen einer gekauften (!) – und das ist die Wahrheit- Kanzlerwahl nicht sein Vorbild. Tu felix Willy!

6) http://atari-frosch.de.de, Dienstag, 19. Mai 2009, 19:17 Uhr

Bin genau der gleichen Meinung.

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