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Sonntag, 31. Mai 2009, 12:04 Uhr

Zu Guttenberg – ein raffinierter Hund?

“A Hund is´ er scho”. Dieser Ausruf ist in Bayern eine tiefe Respektbezeugung. Nach dem Opel-Beschluss der Bundesregierung (von Rettung möchte ich nicht reden) stellt sich die Frage, ob Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ein ganz raffinierter Hund oder doch nur ein politisches Leichtgewicht ist, das die Grenze seiner Fähigkeiten erreicht hat. Raffiniert, weil er einerseits öffentlichkeitswirksam mit Rücktrittsdrohung dagegen war, und so die Fahne der reinen Marktwirtschaft hochgehalten hat, andererseits aber den Beschluss wählerwirksam mittragen und umsetzen will. Wahre Standhaftigkeit sieht allerdings anders aus. Zu Guttenberg hält sich alle Optionen offen. Ein bißchen sehr clever, der “Baron aus Bayern” (so Gerhard Schröder).

Ein politischer Verlierer wäre zu Guttenberg, wenn er hartnäckig für die Insolvenz von Opel gefochten hätte, obwohl er von Anfang an wusste, dass diese Position keine Chance hat. Dann wäre zu Guttenberg ein Don Quichotte der deutschen Politik. Aber so einfach ist es nicht. Bei der Opel-Entscheidung streiten sich zwei Seelen in der Brust – das Mitgefühl mit den Arbeitern und die Regeln wirtschaftlicher Vernunft. Und in der Opel-Entscheidung spiegelt sich der ganz normale Wahnsinn des Wahlkampfes wider. In Wahljahren wird in erster Linie um Stimmen gekämpft, nicht um Vernunft. Beides gehört selten zusammen. Im Wahljahr geht es um Symbolhandlungen, sagen die Wahlstrategen – egal wie teuer. So war es auch bei dem unsinnigen Beschluss, Rentenkürzungen für alle Zukunft auszuschliessen. 

Es war von Anfang an klar, dass Opel gerettet würde – zumindest bis zum 27. September. Die SPD hatte diese Position früh und felsenfest aufgebaut, so dass die CDU/CSU nach der Logik von Wahlkämpfen gar nicht anders konnte, als mitzuziehen. Und dabei spielen die Regeln der Marktwirtschaft nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach wie vor ist völlig unklar, ob Opel am Markt wirklich eine Überlebenschance hat. Wollen die Deutschen (und die anderen Europäer) so viele Opel-Autos kaufen, dass das Unternehmen überlebensfähig ist? Kaufen diejenigen, die heute jubeln, künftig aus Solidarität einen Insignia oder Astra oder doch wieder einen Golf oder Polo, Nissan oder Audi? Die Deutschen haben auch tiefes Mitgefühl mit den Milchbauern und kaufen ihre Billig-Milch dennoch bei Aldi oder Lidl.

Und bricht der Opel-Absatz nicht katastrophal ein, wenn die Abwrackprämie ausläuft? Wird Opel doch zum zweiten Fall Holzmann? Gerhard Schröder übrigens sollte sich mit polemischen Kommentaren besonders zurückhalten.

Und ein weitere entscheidende Frage ist: Wie oft und wie brutal versuchen die Amerikaner, den neuen Opel-Eigentümer Magna und den deutschen Staat bei den weiteren Verhandlungen zu erpressen und über den Tisch zu ziehen? Die deutsche Seite hat jetzt keinerlei Drohpotential mehr. Arbeitsplätze in Deutschland sind GM und der US-Regierung völlig egal.

Das heißt, es ist völlig offen, wer in den dramatischen Berliner Nachtsitzungen in der Sache wirklich gesiegt hat. Wäre es Wirtschaftsminister zu Guttenberg, dann wäre es schön für ihn, aber tragisch für die Opel-Arbeiter. Sie verlören ihre Arbeitsplätze und der deutsche Staat zumindest die erste Tranche der Rettungsaktion, 1,5 Milliarden Euro Steuergelder. Wären die SPD und die unter Druck stehenden Wahlkämpfer der CDU die Sieger, dann bliebe ein entzauberter Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Strecke. Das wäre schade, aber eindeutig das kleinere Übel.

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10 Kommentare

1) Thom, Sonntag, 31. Mai 2009, 14:28 Uhr

Es wird leider oft vergessen, daß die Holzmann-Rettung zwar keine Rettung war, aber auch kein Steuerzahlergeld gekostet hat. Und daß durchaus nicht alle ihre Milch bei Aldi oder Lidl kaufen.

2) oxi, Sonntag, 31. Mai 2009, 22:14 Uhr

Gerhard Schröder…. welches Amt hat der eigentlich, außer Putins Helfershelfer? Hat der noch irgendwas zu melden?

3) Fran k, Sonntag, 31. Mai 2009, 23:05 Uhr

In der aktuellen Situation wird immer an Holzmann erinnert, aber haben schon alle BenqSiemens vergessen? Bin zwar kein Insider, es wird aber sicherlich damals keine Woche gedauert haben und das KnowHow war in Taiwan. Mal sehen wie lange es diesmal dauert.

4) Carsten Blöcker, Montag, 01. Juni 2009, 11:30 Uhr

Glaube nicht, dass im Falle eines Gelingens der Opel-Zukunft -wer glaubt wirklich daran? – zu Guttenberg “entzaubert” wäre. Seine Meinung öffentlich machen und trotzdem Solidarität zeigen, findet man nicht oft bei den heutigen Politik-Weicheiern. Ein Rücktritt wäre zu einfach gewesen. Kompliment an zu Guttenberg, “is scho a Hund”.

5) ratho, Montag, 01. Juni 2009, 13:10 Uhr

“Wäre es Wirtschaftsminister zu Guttenberg, dann wäre es schön für ihn, aber tragisch für die Opel-Arbeiter. Sie verlören ihre Arbeitsplätze und der deutsche Staat zumindest die erste Tranche der Rettungsaktion, 1,5 Milliarden Euro Steuergelder.”
Wobei die von Guttenzwerg bevorzugte Insolvenz nicht sofort kompletten Arbeitsplatzverlust bedeutet. Schließlich ist man dann nicht nur den Gläubigern, sondern auch den Arbeitnehmern verpflichtet.

6) bfreddy, Montag, 01. Juni 2009, 19:16 Uhr

Trotz all der Unkenrufe, von Guttenberg würde Wahlkampf betreiben, so ist doch er es, der es als Einziger sich traut gesellschaftlich unpopuläre Optionen laut auszusprechen. Denn das Opel für den Staat und somit den Steuerzahler ein riesiges Minusgeschäft wird, ist absehbar. Lediglich bei der momentan komplett verblendeten SPD und leider auch bei einem großen Teil der CDU scheint diese Wahrheit noch nicht angekommen zu sein. Stattdessen werden schon die nächsten Staatshilfen versprochen. Da ist es gut zu wissen, wenigstens einen Fürsprecher der “freien” Marktwirtschaft im Kabinett zu haben.
Das von Guttenberg sich mit seiner Insolvenzoption nicht durchsetzen konnte war abzusehen, das er sie trotzdem ausgesprochen hat verdient Respekt!

7) flokane, Dienstag, 02. Juni 2009, 14:10 Uhr

freilich, das wahlkampfgeschenk freut die direkt betroffen, die indirekt angesprochenen moegen hoffentlich alsbald das kalkuel erkennen und entsprechend reagieren. da mag die vermeintliche niederlage eines guttenbergs als kleines uebel erscheinen. gleichwohl: feigenblattmaßnahmen, die tuer und tor fuer allerlei begehrlichkeiten scheinewitternder verliererkonzerne oeffnen halte ich fuer kein kleines uebel. so werden AIGesk milliarden vernichtet und einem maroden system mehr und mehr faedenziehende haltetaue verpasst. der knall, wenn er denn dereinst kommen sollte, wird nur umso explosiver ausfallen.

8) jockl, Donnerstag, 04. Juni 2009, 11:25 Uhr

Eins dazu: Der Herr von Guttenberg konnte durch die Insolvenzforderung sehr gut Wahlkampf machen: In seinem Land, Bayern, gibt es keine Opel-Standorte, also auch keine potentiellen verlornen Wähler.
Keinerlei Risiko für ihn, diese Meinung!
Als CDU-Politiker hätte es anders ausgesehen…

9) marcpool, Mittwoch, 05. August 2009, 13:51 Uhr

Ihr Kommentar *Bisher hat der Herr zu Guttenberg nichts geschafft ! Das bleibt mal festzuhalten. Und somit vielleicht auch erklärbar warum er so einen angeblich hohen Zuspruch empfängt. Er setzt weiterhin auf seine Insolvenz bei Opel. Trauert mit Frau Schickedanz – und weils ” schö” macht, gibt die CSU die Millionen für den Seehofer Gedächtniskatalog. Und ” die Milch macht´s ” seine Kollegin Frau Aigner lässt die Subventionen vorher über Bruessel abrufen , die dann wohl wieder unterm Tannenbaum fehlen. Es stinkt in diesem Land – aber woher kommt der Duft ? von einem wirklich erfahrenen Betriebswirtschaftler der sein Handwerk im Gross betrieb Guttenberg gelernt hat – wie lachhaft – doch wohl nicht ?

10) egomaschine, Freitag, 07. Mai 2010, 00:18 Uhr

Guttenberg ist ein Rock’n'roller und er ist einfach ein netter Kerl, der seine Position versucht zu finden. Also sollte man ihn erstmal machen lassen. Er hat auf jeden Fall einen versuch gestartet und scheut sich auch nicht unbequem zu werden. Und dabei ist er wirklich sehr rotzlöffig. Na gut die Pläne bei der Firma zu kaufen, die die bankenkrise hervorgerufen hat, ist nicht das Beste. Aber man wächst mit seinen Aufgaben und der Lobbyismus war früher unbekannt/unentdeckt. Heute wird er bewusster.

Wozu braucht man Aktien? Ist doch alles Schwachsinn oder?

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