Sonntag, 07. Juni 2009, 16:35 Uhr

Wahl-Zynismus und SPD-Desaster

Der ganz normale Wahl-Zynismus: Vor der Europa-Wahl wird Opel gerettet, nach der Wahl lässt man Arcandor pleite gehen. Opel ist ein nationales Symbol. Nach den Vor-Festlegungen der großen Koalition ging es kaum anders. Und das bringt Stimmen – fragt sich nur, für wen. Den Karstadt-Mitarbeitern hätte die Bundesregierung die Pleite auch schon vor Schließung der Wahl-Lokale ankündigen können, denn seit Freitag gab es keine neuen Fakten. Aber man darf doch keine Stimmen verschenken – so das zynische Kalkül. 

Das übelste Spiel mit verteilten Rollen spielte die CSU: Horst Seehofer kämpfte öffentlich für die Karstadt-Rettung, sein Zögling, Wirtschaftsminister zu Guttenberg, für die Pleite. Wähleroptimierung nennt man das: der eine fürs Soziale, der andere für die Prinzipien der Marktwirtschaft. Mal sehen, was der Wähler von solcher Arbeitsteilung hält.

Und die SPD, der große Opel- und Arcondor-Retter, die ihren Teil zum Spiel beigetragen hat? Für sie könnte der heutige Tag zum Desaster werden: Wenn Sie kaum mehr Prozente als bei der letzten Europa-Wahl erhielte, wäre die Zeit des Schönredens vorbei. Wenn der erhoffte selbsttragende Aufschwung für die SPD ausbliebe, dann würden die Sozialdemokraten mit voller Wucht auf den Boden der Realitäten knallen. Und neue Themen müssten her.

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5 Kommentare

1) Thom, Sonntag, 07. Juni 2009, 17:56 Uhr

Ich verstehe das nicht: zwei Beiträge vorher wissen Sie noch, warum man Opel prinzipiell retten muß und Arcandor eben nicht und nun tun Sie wieder so, als sei’s politische Willkür und reines Wahlkampfgetue. Wie die Rettung von Opel ausging, darüber will ich ja gar nicht reden (oder doch: furchtbar). Zumindest löblich die „Arbeitsteilung“ in der CSU aufzudecken.

2) Politreport, Sonntag, 07. Juni 2009, 18:40 Uhr

Opel war klar das dominierende Thema in den letzten Wochen: http://www.politreport.de/2009/06/opel-mach-europawahl-zu-schaffen/#respond

3) Gregor Keuschnig, Sonntag, 07. Juni 2009, 18:51 Uhr

Doppelt erstaunlich: Die CSU „kommt“ wieder und die FDP mit ihrer „phlegmatischen“ SKM ( http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5738900/ ) legt auch kräftig zu.

4) m.spreng, Sonntag, 07. Juni 2009, 19:20 Uhr

@thom
Ich sehe keinen Widerspruch: ich habe den Fall Opel und das Verhalten der Parteien analysiert und gleichzeitig auch in dem Guttenberg-Kommentar auf die Wahlkampfaspekte deutlich hingewiesen.

5) anonym, Sonntag, 07. Juni 2009, 20:22 Uhr

> Und neue Themen müssten her.

Vorher sollte die SPD mal die bestehenden auf die Reihe bekommen…

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