Sonntag, 14. Juni 2009, 21:46 Uhr

Gabriele Pauli und der frühe Größenwahn

Gabriele Pauli hat angekündigt, eine eigene Partei gründen und damit bei der Bundestagswahl anzutreten zu wollen. Damit hat die streitbare Stoiber-Gegnerin die letzte Stufe des politischen Größenwahns erreicht. Dazu fällt mir eine Episode aus dem Sommer 2006 ein. Damals wollte Frau Pauli auf Vermittlung eines gemeinsamen Bekannten mit mir sprechen. Wir trafen uns im Hamburger „Fischereihafen-Restaurant“ und sie eröffnete, schon bevor die Vorspeise kam, das Gespräch mit dem Satz: „Ich will bayerische Ministerpräsidentin werden. Was muss ich dafür tun?“. Damals war sie einfaches Mitglied im CSU-Landesvorstand und Landrätin eines der kleinsten Landkreise Bayerns.

Ich war so verblüfft, dass ich erst einmal Luft holte, um sie dann zu fragen, ob sie das nicht etwas vermessen findet. Nein, antwortete sie, sie wolle Ministerpräsidentin werden. Ich tat so. als nähme ich das ernst, und antwortete, dafür müsse sie erst einmal Netzwerke in der Partei bilden und sich über landespolitische Themen profilieren. Denn über Fürth hinaus spielte sie damals in Bayern keinerlei  Rolle. Und ich fragte sie, ob für den Anfang nicht das Ziel, Ministerin zu werden, das realistischere sei. Das war ihr offenbar zu langwierig und zu anstrengend. Nein, MinisterpräsidentIn!

Wir trennten uns nach guter einer Stunde, und es war offenkundig, dass sie mit meinen Antworten unzufrieden war. Nur wenige Wochen später startete sie ihren persönlichen Feldzug gegen Stoiber, der sie zwar bekannt machte, aber auch zu ihrem Ende in der CSU und schließlich zu dem Neustart bei den Freien Wählern führte.

Jetzt also hat sie neue Ziele, jetzt muss es Berlin sein. Noch einmal in den Schlagzeilen – das war´s dann wohl endgültig.

Das ändert aber nichts daran, dass sich sowohl Edmund Stoiber als auch seine Umgebung arrogant und tölpelhaft gegenüber Frau Pauli verhalten und damit den Sturz am Ende selbst verschuldet hatten.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Gabriele Pauli – auch ein Medien-Opfer

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13 Kommentare

1) F. A. Neff, Montag, 15. Juni 2009, 16:40 Uhr

Schade eigentlich, mir war sie immer sehr sympathisch, auch wegen der Fotos 😉

2) nona, Montag, 15. Juni 2009, 17:26 Uhr

Das hier lesend musste ich doch etwas lachen. Mal davon ausgehend, dass die Geschichte so stimmt, passt sie erstaunlich gut zu der Person, die darzustellen Frau Pauli immer so weit wie möglich vermeidet oder zu verstecken versucht, deren Präsenz man aber doch irgendwie spürt. Das Rampenlicht der grossen Bühne muss wohl etwas sehr verlockendes sein. Wann merkt eine Person dieses Schlages, wie imageschädigend es ist, die Menschen über die Natur des eigenen Charakters und der eigenen Motivation täuschen zu wollen? Warum überhaupt eine neue, eigene Partei – haben die Freien Wähler es etwa endlich gemerkt und für untragbar befunden?

Gabriele auf Sankt Pauli. Sachen gibt’s…

3) derDaniel, Dienstag, 16. Juni 2009, 00:43 Uhr

Hallo Herr Spreng,
ich verstehe den Größenwahn-Vorwurf noch nicht ganz. Wäre doch für eine Demokratie ziemlich schlimm, wenn ihre Bürger nicht den Wunsch verspüren, massiv politische Verantwortung zu übernehmen.

Und das man für dieses Ziel alternative Wege sucht, finde ich ebenfalls nicht verwerflich. Statt dem traditionellen Weg vom Marsch durch die Institutionen lieber durch die Medien hochgeschrieben zu werden, finde ich durchaus clever, wenn natürlich auch gewagt. Und das man medial nur durch Skandale und bundespolitische Präsenz stattfindet, ist doch relativ klar. Also ist es auch nur logisch, dass man zur Bundestagswahl dabei sein will.

Und außerdem, auch wenn das natürlich im Bezug auf Frau Pauli vermessen ist, war ein verhätlnismäßig ziemlich junger Politiker bis vor nem Jahr auch nur Senator des kleinen Illinois.

4) SG (Politik erklärt), Dienstag, 16. Juni 2009, 12:18 Uhr

@ derDaniel: Warum der Größenwahn-Vorwurf durchaus zutrifft, werden Sie sehen, wenn am Wahlabend die erste Hochrechnung vorliegt und nichts von der Paulipartei zu sehen ist…

5) daMax, Mittwoch, 17. Juni 2009, 12:00 Uhr

Na passt doch. Das ZDF spornt die Jugend auch noch zu heftigerem Größenwahn an. „Ich kann Kanzler“ heißt die Show. Dagegen ist „Ich kann Ministerpräsidentin“ doch noch bescheiden.

Wobei ich leider gestehen muss, dass ich die Sendung gar nicht so schlimm finde wie befürchtet. Es ist eigentlich ganz nett, mal junge Menschen zu sehen, die sich (mal mehr mal weniger) Gedanken zur Tagespolitik machen. Schlimm ist nur die Darbietungsform. Castingshows sind nun einmal wirklich peinlich.

6) Werner Winkler, Mittwoch, 17. Juni 2009, 13:03 Uhr

Ihre Geschichte berichtet viel über Sie selbst und wenig über Frau Pauli.

7) Beate Fendt, Mittwoch, 17. Juni 2009, 23:30 Uhr

Ihr Kommentar *
UND WAS FÜR EINEN PERSÖNLICHEN FELDZUG STARTEN SIE HIER ??? Wer im Glaushaus sitzt, …
Es ist schon bezeichnend, dass eine hochengagierte Person der Politik so unverschämt dargestellt und verunglimpft wird wie von Ihnen. Wie wichtig – meinen Sie – sind denn Sie eigentlich? Sind Sie ein Barometer der Gesellschaft welches es sich zur Aufgabe macht, für uns „Fußvolk“ zu selektieren, wer für uns wichtig sein könnte? Gerade mit solch einem Internetauftritt zeigen Sie doch, wie subjektiv Sie die Angelegenheit sehen und aus offensichtlich persönlicher Antipathie gegenüber einer Politikerin Sie hier Stimmung machen gegen eine ungescholtene Bürgerin. Dies sehe ich als Hetzkampanie und bin wirklich gewillt, diesen Beitrag von meinem Chef (RA) überprüfen zu lassen.
Aber es hat den Anreiz, sich einmal die Mühe zu machen, das Politprofil und Ihr angestrebtes Parteiprogramm genauer anzuschauen, um vielleicht auf diesem Wege zu erfahren, warum diese Frau die Politiker – gerade im männerdominierten Bayern – Sie alle so nervös macht. Es ist schon eine Frechheit, wenn man sich nicht, wie sonst so üblich und Sie es selbst auch nicht vergessen zu betonen (großer retorischer Fehler, nicht wahr!?), innerhalb der Seilschaften bewegt und langsam nach oben dient. Wenn jemand Profil zeigt, ist das schon sehr ungewöhnlich. Wenn sich das auch noch eine Person traut, die zugegeben ein wenig profilierungssüchtiger ist als andere Politiker, obgleich Sie als „einfaches Mitglied im CSU-Landesvorstand und Landrätin eines der kleinsten Landkreise Bayerns“ entstammt (die Größe ist natürlich ein Kriterium für Kompetenz), ist das schon beängstigend.
Ich wünsche Ihnen noch viele schlaflose Nächte. Ich finde die ganze Aufregung in Ihren „Netzwerken“ mehr als erfrischend.

8) kairos, Donnerstag, 18. Juni 2009, 22:22 Uhr

Ihr Kommentar *

Ein paar Fragen an Frau Fendt:

Ist Ihr Beitrag wirklich ernst gemeint?
Kennt Ihr Chef, also der RA, das Prinzip der Meinungsfreiheit?
Wieso haben Sie einen Chef und keine Chefin, wieso arbeiten SIe also in einer „männerdominierten“ Firma?
Gibt es noch eine andere Art der persönlichen Meinung als die der subjektiven? Glauben Sie, dass Sie eine objektive Meinung Ihr Eigen nennen?!?
Wieso bezeichnen Sie sich selbst als „Fußvolk“?
Wo – außer in Ihrem Beitrag – haben Sie auf diesen Seiten „Aufregung“ identifiziert?
Wo ist das „h“ in Rhetorik geblieben…….?!?

9) Michael Haardt, Freitag, 19. Juni 2009, 00:24 Uhr

Politischer Größenwahn, ja, vielleicht. Aber angesichts der Tatsache, dass sie dem zweifellos korrekten Ratschlag 2006 nicht folgte, sondern sich die Freiheit nahm, sich nicht zu korrumpieren und ihre Karriere bei der CSU zu ruinieren und nun schließlich im Alleingang eine Partei gründen möchte, abseits aller Netzwerke, mit klaren Zielen und ohne jeden Vorschlag, wie sie zu erreichen sind, könnte man auch wirkliches persönliches Interesse an einer gesellschaftlichen Verbesserung unterstellen, und die Hoffnung, Gleichgesinnte zu finden, mit denen die Lösungen zum Erreichen der Ziele erarbeitet werden können.

Eben jenes Interesse mag Größenwahn beweisen, oder visionäres Denken – das wird die Zeit zeigen. Es freilich esoterisch zu nennen bestätigt auf sicher nicht beabsichtigte Weise ihre Kritik.

Faktisch wird bei der Bundestagswahl 2009 nichts von der freien Union zu sehen sein – aber wäre das ein Grund, die Parteigründung auf die Zeit nach der Wahl zu verlegen?

10) Peter, Freitag, 19. Juni 2009, 09:45 Uhr

Ich glaube Frau Fendt, Sie haben den Sinn dieses Blogs nicht ganz erfasst. Ich habe zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl, dass hier ein persönlicher Feldzug gegen Frau Pauli geführt wird.

Die Rubrik Anekdoten erzählt von den ineteressanten Begebenheiten, die Herr Spreng in seiner langen Karriere als Journalist und Politikbeobachter erfahren hat. Hier bekommen bislang Politiker aller Parteien „ihr Fett weg“. So zumindest mein Eindruck. Sicher, man sollte auch den Hintergrund von Herrn Spreng kennen, wenn man diesen Blog liest. Aber das schmälert den Feinsinn dieses Blogs wohl kaum.

Einen unqualifizierteren Kommentar habe ich bislang nur vom „Sprengstoffentschärfer“ gelesen.

11) Axel Porsch, Freitag, 19. Juni 2009, 17:54 Uhr

Ihr Kommentar *Ach Gott, Frau Fendt, man muß doch nicht gleich den grossen Bruder (RA Cheffe) um Hilfe bitten… Herr Spreng publiziert auf durchaus unterhaltende Weise und sehr pointiert seine Meinung. Diese mag man goutieren oder auch nicht. „Hetzkampagnen“ sehen aber ganz anders aus.

12) Beate Fendt, Samstag, 20. Juni 2009, 15:29 Uhr

Ihr Kommentar *

An kairos: Da haben Sie mich aber kalt erwischt. Ganz ernst zu nehmen sind meine Ausführungen hier in der Tat nicht. Ich bin auch keinesfalls ein Emanze, auch wenn man dies hier so rauslesen mag (Huch, wenn man nicht aufpasst, hat man gleich die selben „Problemchen“ wie die Person, um die es hier eigentlich geht.) Ich hatte bis vor kurzem drei Chefs, davon war eine RAin. Ich mag meine Chefs, wieso sollte ich auch nicht?! Und natürlich hat jeder sein Recht auf Meinungsfreiheit, obwohl ich seit einer Weile aufgrund einer ernst gemeinten Email mit dem Wortinhalt „Generalstreik wäre wirklich angebracht“ an die Bundesregierung einen Bundestrojaner auf meinem Rechner mein Eigen nenne. Soviel zur Meinungs-freiheit. Siehe auch Vorratsdatenspeicherung, nicht wahr?!
Den Eindruck, man sei Fußvolk, wird einem täglich durch die Ignoranz der Kommunal,- Länder- wie auch Bundesregierung vermittelt. Die Aufregung erfährt man nicht nur durch die Medien, sondern im alltäglichen Leben durch Gespräche miteinander. Dies kann man ignorieren, aber ich sitze halt mal in Bayern, und da ist die Pauli sehr wohl Gesprächsstoff, auch unter uns Jüngeren.
Und das fehlende „h“ bitte ich mit Amüsement zu entschuldigen. Dies war als Witz gemeint, durch die Klammern und der Satzstellung aus dem Text hervorgehoben, aber wohl nicht als Ironie verstanden worden. Ich werde mich in Zukunft auf öffentlichen Seiten gewählter ausdrücken, damit man mich auch versteht, ohne dass man das Wesen und somit die Ausdrucksweise meiner Person kennt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde die Pauli klasse, obwohl es in der Art wohl nicht gehen wird. Aber Sie bringt den einen oder andere mal zum Denken.

An Peter: Ich habe den Sinn dieses Blogs wohl wirklich nicht erfassen können. Aber mir imponieren lange Karrieren nicht im Geringsten, sondern offene und ehrliche Menschen. Konstruktive Kritik ist eine gesunde Art des Miteinander, aber an der Stelle fällt mir auf, dass durchgehend alle „qualifizierten“ Kommentare gezeichnet sind von männlicher Natur.

An Porsch: Wie sehen denn Hetzkampagnen aus?! Kennen Sie sich da aus? Wäre dankbar für einen Link, dann könnte ich mich ein wenig weiterbilden, mann sollte nie aufhören dazu zu lernen. Ich war ja nie eine BILD-Leserin.

Aber es sollte hier um Frau Pauli gehen. Also entschuldigen Sie bitte alle die Störung Ihres Feinsinns (gibt es dafür ein Studium, ich würde es belegen).
Ich werde Sie hier nicht länger gelästigen, auf Wiedersehen und weiterhin viel Spaß.

13) Alexander Seibert, Sonntag, 28. Juni 2009, 17:38 Uhr

Träume ich? Sie plaudern derartige Inhalte von Gesprächen einfach ungefragt aus? Ob Frau Pauli, Herr Strauß oder wer sonst….

Meine Güte, ist das ein Geschäftsprinzip von Ihnen? Das ist ja niederster Bildzeitungjournalismus – alles für ein wenig Quote….

Mir fällt dazu wirklich nichts mehr ein!

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