Mittwoch, 17. Juni 2009, 11:51 Uhr

Gabriele Pauli – auch ein Medien-Opfer

„Ich bin in den Medien, also bin ich“. Diesem fatalen Irrtum, dem immer wieder Politiker erliegen, ist auch die Stoiber-Gegnerin Gabriele Pauli zum Opfer gefallen. Sie hat Medienpräsenz mit politischer Potenz verwechselt. Sie hat sich einreden lassen, eine Medien-Existenz sei eine politische Existenz. Jetzt hat sie mit ihrem Ausschluss bei den Freien Wählern den Endpunkt dieser Schein-Existenz erreicht.

Natürlich hat Frau Pauli ihren politischen Weg selbst zu verantworten, aber sie ist auch ein Opfer der Medien geworden. Sie hat die außerordentliche öffentliche Aufmerksamkeit mit politischer Bedeutung verwechselt. Die Medien haben bei ihrer Suche nach neuen, attraktiven Gesichtern, bei ihrer Suche nach Konflikten und Skandalen die Landrätin aus Fürth wie am Nasenring durch die Manege gezogen. Sie haben sie in Leder auf dem Motorrad fotografiert und mit Latex auf Hochglanz abgelichtet. Sie haben jedes Wort, und war es auch noch so unsinnig wie die Sieben-Jahres-Ehe, wie Manna aufgesogen.

Die Medien hatten sie zur mächtigen Gegenfigur zu Edmund Stoiber aufgebaut, die sie nie war. Am Ende hat Frau Pauli selbst geglaubt, sie habe Stoiber gestürzt, dabei war sie im CSU-Machtkampf nur benutzt worden, um Stoiber sturmreif zu schießen. Stoiber hat sich mit seiner arroganten Reaktion auf Frau Paulis Angriffe selber gestürzt, und selbst das wäre ihm nicht gelungen, wenn sich nicht die Rivalen im Kampf um seine Nachfolge, Günther Beckstein und Erwin Huber, überraschend zu seinem Sturz verbündet hätten.

Konflikt- und Skandalberichterstattung ist für die Medien immer attraktiver als Berichte über neue Gesetze oder die Beschlüsse des Bundesrates. Frau Pauli war für die Medienrolle die ideale Figur: attraktiv, unbekümmert, aggressiv gegen die da oben – eine ideale Projektionsfläche für Politik- und Politiker-Verdrossenheit. Ein demokratisches Ventil auch für die Medien – die sonst ihrer Kontrollpflicht eher mangelhaft nachkommen. Fotostrecken in der „Bunten“, Interviews im „Stern“, nationale Talkshow-Auftritte – da musste eine bis dahin eher unbedeutende Politikerin ja größenwahnsinnig werden.

Dabei war Frau Pauli nur eine Art Verona Feldbusch der Politik. Bei Frau Feldbusch war Dieter Bohlen die Startrampe in die Medienexistenz, bei Frau Pauli Edmund Stoiber. Beide erreichten ihre Prominenz nur durch ihre Profilierung an einer wirklichen prominenten Figur, nicht aus eigener Kraft.

Frau Pauli sollte ihre Schlagzeilen jetzt noch einmal genießen – es werden ihre letzten sein. Denn die Medien sind längst schon auf der Suche nach der neue Pauli, nach der neuen Feldbusch. Die Medien haben sie ausgebeutet, so lange sie Schlagzeilen versprach, jetzt werden die Medien sie genauso schnell wieder fallen lassen. Gabriele Pauli hat ihre Medienfunktion im Übersoll erfüllt.

Lesen Sie dazu auch die Anekdote „Gabriele Pauli und der frühe Größenwahn„.

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7 Kommentare

1) ww.NAGGEN.de, Mittwoch, 17. Juni 2009, 14:27 Uhr

Sie haben etwas übersehen, Herr Spreng.
Gabiele Pauli könnte in Zukunft noch eine Metafunktion in den Medien einnehmen: Sie könnte sich als Jo Gröbel der politischen Betroffenheitsberichterstattung positionieren und immer dann anklagend den Finger heben, wenn wieder mal ein Opfer des (ach so bösen) Parteienapparats (speziell CSU) zu beklagen ist. Dabei müsste sie nur ihre vemeintliche Widerborstigkeit und Rebellenhaftigkeit vor sich her tragen und unqualifizierte Rammbockattacken (idealerweise auf persönlicher Ebene) gegen das politische Establishment fahren. Wenn die Feldbusch‘ und Paulis nur garstig und laut genug brüllen, bekommen sie auch ihr Forum. (u.a. http://www.bild.de/BILD/politik/2009/06/17/pauli-gegen-seehofer/abrechnung-mit-der-csu-und-affaere.html).

In fünf Jahren folgt dann die Autobiographie mit dem Titel „ich hab es allen gezeigt“

….Schade nur, dass dieser Schund-Bio-Titel bereits vergeben ist:
http://www.amazon.de/habs-allen-gezeigt-Stefan-Effenberg/dp/3352006466

Gruß,
k

2) Martin, Mittwoch, 17. Juni 2009, 21:43 Uhr

Frau Pauli als Opfer, also ich weiß nicht. Klingt irgendwie nach den Lotto-Millionären, die dann „Opfer“ ihres Reichtums werden. Mag sicher vorkommen, dass man ohne glücklicher war, aber… shit happens, Frau Pauli. Und als mündiger Mensch muss man nunmal selbst entscheiden, ob man sich in Leder und Latex ablichten lässt. Wem das zuviel Verantwortung ist, der soll u.a. bitte auch sein Wahlrecht dann gleich mit abgeben. 🙂

3) romanmoeller, Donnerstag, 18. Juni 2009, 12:06 Uhr

Ich gebe ihnen Recht, Herr Spreng! Spätestens mit ihrer eigenen Partei wird Frau Pauli eine Bauchlandung erleben, wenn sie überhaupt genug Stimmen zusammen bekommt, um bei der Wahl anzutreten. Dann wird sie einsehen müssen, das ihre politische Karriere zu Ende ist.

4) manuel woltmann, Freitag, 19. Juni 2009, 07:44 Uhr

Im Unterschied zu Frau Pauli ist Frau Feldbusch aber doch nach wie vor sehr erfolgreich bei den 19-49jährigen und Sie hat die Startrampe Bohlen genutzt und dreht weiterhin Ihre Kreise um das RTL2-Universum. Und ich bin mir sicher, dass in einigen Lehrbüchern zum Weg in die Berühmtheit Frau Feldbusch als Beispiel zitiert wird. Wir müssen es ja nicht nachmachen.

5) Johann Roth, Samstag, 20. Juni 2009, 16:57 Uhr

Sponsoring verpaßt

Der FC Bayern zählt nach so einem Hype seine Milliönchen in der Kasse.
Mit „Biker 4 Gaby“ auf dem T-Shirt klingelt da nichts.
Da müßten schon passende Sponsoren drauf.
Außerdem sollte sie ein Motorrad eines finanzstarken Herstellers fahren.
Es fehlte einfach die Schnittstelle zum Sponsoring und somit fehlt jetzt auch das Budget.
Ein Sportler zählt jede Sekunde im Fernsehen, jeden Bericht in der Zeitung, alles was dem Sponsor nützt und münzt dies in Cash um.

Obama konnte sich dank seines Budget bei den Demokraten durchsetzen,
Clinton bei den Republikanern. Beide also bei den Etablierten.

Wenn ich Hernn Spreng so höre, ist der Fehler auch nicht reparabel.

6) Gockeline, Sonntag, 21. Juni 2009, 17:22 Uhr

Hier ist vermutlich ein Mann der sich verguckt hat in Frau Pauli.
Wir brauchen in der Politik Menschen mit Verstand,Vernunft,Wissen,Diplomatie
und keine Frau auf dem Selbstfindungstripp.
Alles was man von ihr hörte und sah ist so wenig und abstruss,dass man sie nicht
für voll nehmen kann.
Es ist schwer genug gute Politiker zu finden.
Hat man sie werden sie von der gegenseite mit Hilfe der Presse demontiert.

7) Alexander Seibert, Sonntag, 28. Juni 2009, 17:24 Uhr

Lieber Herr Spreng,
Sie kritisieren die mangelnde kritische Komponente bei den Medien, machen es aber selber nicht anders. Beleuchten Sie doch u.a. einmal warum Frau Pauli den Weg gerade geht, den sie geht…Könnte es nicht handfeste Gründe haben, eine eigene Partei zu gründen? Es war z.B. für mich ganz leicht hinter die Kulissen zu schauen, um ein Gespür dafür zu bekommen….Kaum jemand hinterfragt bei Ihr wirklich. Gut, daran ist sie nicht ganz unbeteiligt aber Interviews wie auf N24 (Links Rechts) sind dann leider die Folge (eine Bankrotterklärung an den Journalismus oder Sender :-(…) Selbst wenn Gabriele Pauli in Ihrem Sinne Stoiber nicht „gestürzt“ hat, greift sie Themen, die bisher kein anderer Politiker nicht nur sagt sondern auch meint (Mitbestimmung, Machterhaltungsorientierung, Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit in politischen Themen und Entscheidungen,etc.). In meinen Augen nutzt sie Ihre mediale Präsenz nicht optimal, um genau das nach vorne zu bringen, inkl. dem Aufbau eines „Gesichtes“ an ihrer Seite um den Fokus auf Sachinhalte zu lenken, einer Person, die keine Parteigeschichte hat und dennoch eine eigene, die für Kompetenz steht….Mein Tipp: Abwarten, denn diese wird ja vielleicht gerade aufgebaut 😉

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