Freitag, 19. Juni 2009, 18:19 Uhr

So funktioniert Merkels Personalpolitik

Ein beliebtes Spiel ist zur Zeit im politischen Berlin: Wer wird nach der Wahl neuer EU-Kommissar als Nachfolger von Günter Verheugen? Denn nichts ist schöner als Personalspiele. Dass es ein CDU-Mann wird, steht fest, denn selbst dann, wenn es erneut zu einer großen Koalition kommen sollte, wäre die SPD so geschwächt, dass sie keinen SPD-Kommissar durchsetzen könnte. Und von der CDU schwirren zwei große Namen durch die Medien: Friedrich Merz und Roland Koch.

Merz ist absolut chancenlos, obwohl er sich peinlicherweise gerade wieder für Ämter angeboten hat (“Wenn ich gebraucht würde…”). Angela Merkel aber würde sich eher ein Bein abhacken, als ihren Erzfeind Merz nach Brüssel zu befördern. Sie hat vom späten Helmut Kohl gelernt: Umgib dich mit schwachen Leuten. Und Roland Koch, dem es nach zwei trostlosen Wahlergebnissen in Hessen keinen Spaß mehr macht und dem die Landespolitik zu eng geworden ist, hat keine Aufstiegschancen mehr. Er muss den Becher in Hessen wohl bis zum bitteren Ende auslöffeln. Den Weg auf den Sessel des Wirtschaftsministers hat ihm Karl-Theodor zu Guttenberg verbaut, den er seit den Opel-Nächten herzlich hasst. Und Brüssel? Warum sollte Merkel Koch eine neue politische Bühne bieten, von der aus er wieder zum Rivalen werden könnte?

In dieser Lage ist ein Mann zum Favoriten geworden, den viele gar nicht mehr in Erinnerung haben: Peter Hintze, Ex-Pfarrer, Ex-Diener von Helmut Kohl, Erfinder der “roten Socken”, der seit 2005 seit politisches Dasein in der einträglichen Bedeutungslosgkeit eines parlamentarischen Staatsekretärs im Wirtschaftsministerium fristet. Hintze, der schon eifrig Brüsseler Organigramme zeichnet und herumzeigt, passt perfekt in Merkels Personalschema: noch bedeutungsloser als Ronald Pofalla, noch unauffälliger als Volker Kauder. Auf seine Loyalität kann sich Merkel hundertprozentig verlassen, von ihm würde nie der Hauch einer Gefahr drohen. Hintze wäre ein williger Brüsseler Gehilfe für Merkels Europa-Politik. Hintze for Kommissar – so wird es kommen.

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9 Kommentare

1) Alberto Green, Freitag, 19. Juni 2009, 19:31 Uhr

Ich lese Ihre Beiträge sehr gerne, Herr Spreng, aber manchmal schlafe ich sehr schlecht danach. Dieser Beitrag ist wieder so einer. Oh Gottogottogott, Peter Hintze!

2) JaK, Freitag, 19. Juni 2009, 20:59 Uhr

Pfarrer Hintze für ein christliches Europa, norddt. protestantisch und Vize der EVP an ihm führt kein Weg vorbei. Schlechter als mit Verheugen, schlafe ich danach auch nicht.

3) Tsetse, Freitag, 19. Juni 2009, 23:04 Uhr

es ist schon schön mit merkels eunuchenchor!
sie könnte sich doch auch noch den scholz, den niebel und den bütikofer ausleihen, die würden sich nahtlos einfügen!

4) Martin, Freitag, 19. Juni 2009, 23:31 Uhr

Kann Aberto nur zustimmen.
Und was Merkel nützt wird leider weder Deutschland noch der Europäischen Union nützen. Sowohl Merz wie Koch wären wirklich profilierte Politiker, die etwas bewegen würden. Hintze wird maximal ein Mitläufer unter den 27 (!!) Kommissaren sein. Und wenn seine Amtszeit zu ende geht, wird man froh sein müssen, wenn man immerhin noch “er ist nicht weiter negativ aufgefallen” sagen kann. Die Besetzung von Posten ist bei Merkel ein echtes Trauerspiel.

5) kairos, Samstag, 20. Juni 2009, 08:56 Uhr

Ihr Kommentar *

Wer sich – wie unsere Kanzlerin – durch ein nicht vorhandenes Charisma auszeichnet, kann natürlich keine starken Persönlichkeiten neben sich dulden…. man schaue sich nur die CDU-Minister im Bundeskabinett an! Umso dankbarer ist man da für jemanden, der so eigentlich für sein Amt gar nicht vorgesehen war… Karl-Theodor, keep on fighting!!!!

6) Johann Roth, Samstag, 20. Juni 2009, 17:20 Uhr

Die ganze Kritk verstehe ich nicht.
Herr Hintze kann in der EU excellente Arbeit leisten.

Außerdem sollte es nach Barroso wieder einen deutschen EU-Kommissionspräsidenten geben.
Die EU nach einer Konsolidierungsphase erfolgreich weiter zu entwicklen, erfordert dies.
Eine Alternative wäre ein französischer Kommissionspräsident.
Alle anderen können dies nicht leisten.

7) Rheinländer, Samstag, 20. Juni 2009, 18:13 Uhr

Hallo Herr Spreng,
ich lese Ihre “Sprensätze” sehr gerne, habe lange nach so einem Blog gesucht. Diesesmal muss ich was schreiben. Ich glaube Ihnen kein Wort. Niemals würde einer wie Sie, der mit Berlin Tango tanzt einen solchen Kommentar ernsthaft niederschreiben – es sei denn er dient einen bestimmten Zweck. Rumors.
Da auch die nicht pflichterfüllende 4. Gewalt dieser Gesellschaft Ihre Blogs zu Kenntnis nehmen wird, bin ich morgen auf meine zwei Freunde Uli und Peter von der “Sesamstraße direkt und aktuell” gespannt.
Weiterhin alles Gute – und viele Grüße aus Düsseldorf,
Rheinländer

8) m.spreng, Samstag, 20. Juni 2009, 18:18 Uhr

@rheinländer

Ich verfolge keinen politischen Zweck, sondern schreibe lediglich meine Meinung zu einer glaubwürdigen Information, die ich erhalten habe. Wenn ich weitergehende Absichten damit verfolgen würde, dann würde ich die Wirkung meines Blogs überschätzen.

9) rudibee, Sonntag, 21. Juni 2009, 13:02 Uhr

Ihr Kommentar *Der Titel Ihres Blogs läßt aber solche weitergehenden Absichten vermuten. Wobei die Meldung ‘Hintze als EU-Kommissar’ nicht mal für einen Rohrkrepierer langt, selbst ein Silvesterkracher hat mehr Unterhaltungswert. Der Hinweis auf Bananenschalen ist allerdings löblich. Zumindest können wir jetzt schmunzelnd zusehen, wie sich jemand auf die Fresse legt.
rudibee

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