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Mittwoch, 24. Juni 2009, 15:00 Uhr

Guttenberg & Seehofer – wie lange hält die Liebe?

Horst Seehofer barst wochenlang vor Stolz, wenn über seine Entdeckung sprach, den politischen Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg. Er sah den neuen Wirtschaftsminister wechselweise schon als bayerischen Ministerpräsidenten (natürlich nach ihm) und als CDU/CSU-Kanzlerkandidaten in zehn Jahren. Inzwischen ist Seehofer merklich ruhiger geworden. Denn die große politische Liebe der beiden ist harten Belastungsproben ausgesetzt und das politische Berlin beobachtet mit Spannung, wie lange sie noch hält. Denn zu Guttenberg ist nicht länger der “Kleine” von Seehofer, sondern hat begonnen, sich von seinem Entdecker und Förderer zu emanzipieren.

Es begann mit Arcandor: Seehofer für die staatliche Rettung, zu Guttenberg dagegen. Dann ging es um die Bürgschaft für Quelle (die von Anfang an verloren gewesen wäre): Seehofer öffnete die Staatskasse, zu Guttenberg war mehr als skeptisch, dasselbe auch in Berlin zu tun. Die ablehnende Entscheidung des interministeriellen Ausschusses der Bundesregierung bestätigt seine Position.

Bei Arcandor und Quelle konnte man – wenn man böse will – noch vermuten, die beiden trieben ein abgekartetes Spiel. Beim dritten Konflikt aber geht es um Parteipolitik, also um das für die meisten Politiker eigentlich Wichtige, nämlich um die Frage, ob die CDU/CSU in ihrem Wahlprogramm einen Termin für die versprochenen Steuersenkungen festschreiben soll oder nicht. Seehofer will wider alle finanzielle Vernunft einen solchen Termin festlegen, zu Guttenberg ist dagegen und lobte die Schwesterpartei CDU: “Es war ein sehr kluger Schritt der Union, in das Wahlprogramm keine konkreten Jahreszahlen zu schreiben”. Das ist für CSU-Verhältnisse fast schon eine Revolte.

Da nabelt sich einer vom Vater ab – und zwar deutlich. Jetzt wird es spannend, wer sich in dem Konflikt durchsetzt. Denn Väter haben gelegentlich die unangenehme Eigenschaft, Kinder nur so lange toll zu finden, solange sie tun, was man ihnen sagt (“Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst…”). Mal sehen, ob zu Guttenberg die Abnabelung vom politischen Ziehvater schafft. Das wird seine eigentliche Bewährungsprobe. Schafft er es, sich von Seehofer zu emanzipieren, dann hat er das Zeug zu einem wirklich ganz Großen.

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8 Kommentare

1) Duke Bosvelt, Mittwoch, 24. Juni 2009, 20:35 Uhr

Ich sehe die Situation eigentlich recht gelassen. Seehofer ist aus der Europawahl, zu Guttenberg aus der Opel/Arcandor Debatte gestärkt hervorgegangen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die “Meinungsverschiedenheiten” im Zusammenhang mit den Staatshilfen für Quelle nicht abgesprochen waren. Es steht der CSU gut zu Gesicht, das Meinungsspektrum zu den geplanten Steuersenkungen prominent abzubilden, auch um Terrain gegenüber dem FDP-Populismus schneller Steuersenkungen zu verteidigen. Der Wähler weiss somit, dass eine Steuersenkung in der CSU fest eingeplant ist, sobald sich dies realistischerweise – etwa im nächsten Aufschwung – umsetzen lässt. Dieser innerparteiliche Diskussionsprozess wirkt allemal realitätsnäher als die altbackenen neoliberalen Westerwelle-Parolen. Und in der Wirtschaftskrise verlangt der Wähler Problemlösungskompetenz, keine Ideologie.

2) s.maur, Mittwoch, 24. Juni 2009, 21:24 Uhr

mit vater-sohn-abnabelung hat das nichts zu tun, finde ich, sondern ganz einfach mit dem ersten gebot: rampensau seehofer duldet keine götter neben sich. hoffentlich gibt zu guttenberg gas!

3) Martin, Mittwoch, 24. Juni 2009, 22:11 Uhr

Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell das bei zu Guttenberg alles geht. Er nutzt sein Shooting-Star-Image derzeit gnadenlos aus, evtl. hängt die schwarz-gelbe Mehrheit am Ende sogar von ihm ab… wie er danach den Alltag und das merkelsche Niederdrücken bis zur nächsten Wahl wegsteckt, das wird sehr spannend zu sehen sein.

Bislang jedenfalls macht er alles richtig.

4) Artur, Donnerstag, 25. Juni 2009, 08:58 Uhr

Ich wünsche zu Guttenberg dass er es schafft.

5) Carsten Blöcker, Donnerstag, 25. Juni 2009, 09:39 Uhr

Konflikte nach dem 27.9.09 koennten fuer 3-4 Jahre vermieden werden, wenn zu Guttenberg das Aussenministerium uebernimmt. Nahezu konfliktfreier Job. Westerwelle Wirtschaftsminister und VK. Fuer alle, vor allem fuer Deutschland, die Idealbesetzung. Und 2013 greift zG an, sein Papi kann dann entspannt mit 64 Jahren in den Unruhestand gehen.

6) Michael Schäfer, Donnerstag, 25. Juni 2009, 11:31 Uhr

Horst S: Ka Te, du musst in Berlin unbedingt gegen die Quelle Sanierung sein, damit ich meine 50 plus X in Bayern sicher habe, klar?
Ka Te: Durchaus überzeugend, Chef!
Horst S: Aber du musst so tun, als wäre das nicht abgesprochen, klar?
Ka Te: In der Tat eine sehr gelungene Vorgehensweise, Chef!
Horst S: Und immer mithören, was Merkel und die Steinbeisser so alles aushecken, klar?
Ka Te: Du hast hierzu meine ausdrückliche Unterstützung, Chef!
Horst S: Nach der Wahl bleibst du dann weiter Mein Wirtschaftsminister, klar?
Ka Te: Das ist durchaus eine souveräne Überlegung, Chef!
Horst S: Und spätestens dann machen wir Quelle zu, klar?
Ka Te: Dem kann ich im Übrigen nurwohlwollend zustimmen, Chef!
Horst S: Und wir sind natürlich auch gegen die MwSt Erhöhung, klar?
Ka Te: Absolut kein Dissenz, Chef!
Horst S: Natürlich nur bis nach der Wahl, klar?
Ka Te: Rhetorisch einwandfreie Strategie, Chef!
Horst S: Du weisst ja, wegen der 50 plus X, klar?
Ka Te: Untadelhafte Vorgehensweise, Chef!
Horst S: Abmarsch
Ka Te: Jawoll, Chef, Ich subtrahiere mich in Richtung Berlin, Chef! Tschüss, Chef.

7) kairos, Freitag, 26. Juni 2009, 01:20 Uhr

Ihr Kommentar *
Die weitere “Performance” von KT zu Guttenberg wird sicherlich ganz entscheidend für den Ausgang der Bundestagswahlen sein. Außer dem Wirtschaftsminister gibt es parteienübergreifend überhaupt keine weitere Persönlichkeit, der es gelingen kann, zusätzliche Wählerstimmen für seine Partei zu generieren (dagegen jede Menge Gelegenheiten Wähler zu vergraulen, siehe die aktuelle Steuererhöhungsdiskussion). Da die FDP im guten zweistelligen Bereich landen wird, kommt es am Ende auf die 36% plus/minus X der Union an; wobei eben nur zu Guttenberg für ein echtes “Plus” sorgen kann…

8) Thom, Freitag, 26. Juni 2009, 15:15 Uhr

Zum Glück hat die Bild noch ihren Heiligen für die kommende Wahl gefunden, um das CDU/CSU-Ergebnis hochzufahren. Es wird ja immer so getan, als sei Guttenbergs Wort etwas wert. Woher der seine Wirtschaftskompetenz bezogen hat, ist offenbar: aus den drei Glaubenssätzen der Marktradikalen. Der Scheiterreligion.

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