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Freitag, 26. Juni 2009, 07:55 Uhr

Sagenhaft

Wenn SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier glaubt, etwas zu sagen zu haben, dann sagt er, dass er etwas sagt. Das hörte sich bei “Maybrit Illner” wieder so an, dass er fast jetzt zweiten Satz einleitete mit “Deshalb sage ich” oder “Ich sage deshalb”, statt einfach gleich zu sagen, was er meint und denkt.  Dies ist mehr als eine lästige Floskel, es zeigt eine merkwürdige innere Distanz zu dem, was uns der SPD-Politiker sagen will.

Und Steinmeier folgte dem alten Rat, man müsse die zentrale Botschaft so oft wiederholen, bis sie den Journalisten zum Hals heraushängt. Erst dann sei sie bei den Wählern angekommen. Deshalb sagte Steinmeier bei Illner gefühlte hundert Mal, dass durch die Agenda 2010 zwei Millionen Menschen wieder Arbeit gefünden hätten. Das werden wir von ihm im Wahlkampf noch oft hören. Bis es wahrscheinlich den Zuhörern und Zuschauern zum Hals heraushängt.

Angela Merkel hat übrigens auch eine störende Lieblingfloskel. Sie lautet: “Ich werde Sorge dafür tragen, dass…”. Sorge tragen, statt einfach etwas zu tun oder zu lassen.

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14 Kommentare

1) Tueksta, Freitag, 26. Juni 2009, 11:45 Uhr

Die üblichen rhetorischen Tricks, um sich Denkpausen zu erschleichen.

Weitere Methoden von F-W sind:
“, auch das möchte ich gleich eingangs sagen,”
“, das habe ich Herrn XY gesagt”
“, auch das darf ich hier im XY Haus sagen”
“Ich glaube, ich kann für uns XY sprechen, wenn ich sage:”
“Ich bin davon überzeugt:”

Er macht sich damit selbst zur Institution, und kann distanziert von sich selbst sprechen.

Interessant ist aber auch, dass er den unterschied zwischen “dass” und “das” nicht kennt:

“Sollten die iranische und nordkoreanische Nuklearkrise nicht gelöst werden, dass muss ich leider prognostizieren, droht mit Ablauf des nächsten Jahrzehnts erneut ein nuklearer Wettlauf.”

hä?

2) Henning, Freitag, 26. Juni 2009, 12:06 Uhr

Ich glaube fast, dass jeder, der so viel redet (reden muss) wie Steinmeier und Merkel sich fast automatisch solche Floskeln aneignet. In Joschkas Reden auf den Marktplätzen kam immer wieder “und da kann ich nur sagen” vor. Merkt man normal gar nicht unbedingt, aber wenn’s einem einmal aufgefallen ist, hört man’s immer wieder.

3) Michael Schäfer, Freitag, 26. Juni 2009, 12:46 Uhr

Ich kenne keinen Politiker, der nicht einen riesigen Pool an Phrasendresch-Bausteinen, Bläh-Satzbauten und Dauer-Floskeln beherrscht, von Laberkrämpfen ganz zu schweigen.

Ich hoffe, ich irre mich, wenn ich sage, Sie, Herr Spreng, mit Ihrer langen Politikerfahrung, wissen das nicht.

4) Duke Bosvelt, Freitag, 26. Juni 2009, 13:12 Uhr

Noch eine störende Merkel-Lieblingsfloskel: “Ich werde meinen Beitrag dazu leisten”.

Die SPD übt sich einmal wieder in selbstbeweihräuchender Beschwörung, um die tiefsitzenden innerparteilichen Konflikte zu überspielen. Wenn man die arbeitsmarktpolitische Faktenlage nüchtern betrachtet, “entgegen allen Propagandaäußerungen der Wirtschaft, der Regierung und mancher Zeitungen, haben wir heute keinen Fortschritt.” (O-Ton: Heiner Geißler)
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/Vorschau-Dateien/abbIV92.gif

Der Politologe Prof. Joachim Raschke erkannte zutreffend, dass Frank-Walter Steinmeier inhaltlich am Rande seiner Partei stehe und seinen Zuspruch eher von Seiten der CDU/FDP-Wähler als aus den eigenen Reihen bezieht. Hinzu kommt die an anderer Stelle thematisierte Unlogik, einen Wahlkampf gegen die Inhalte der FDP betreiben zu wollen und diese gleichzeitig als Koalitionspartner einzuplanen.

Man kann sich leicht ausmalen, welche Auswirkung dies auf das Mobilisierungspotential der SPD haben wird. Die Gruppe der 2,5mio SPD-Wähler ‘05, die in Wartestellung zur SPD gegangen sind, werden sich umfänglich ihrer Stimme verweigern, großteils gar nicht zur Wahl gehen oder aber bevorzugt Grüne und Linke wählen. Einen Vorgeschmack auf die Begeisterungsfähigkeit der SPD-Basis gegenüber der Parteiführung hat Hubertus Heil bereits gegeben.
http://www.youtube.com/watch?v=ZKQ_1cWKOHk

5) Thom, Freitag, 26. Juni 2009, 15:10 Uhr

“Deshalb sage ich” ist doch einfach die scheinlogische (“deshalb”) Paraphrase der Bibelformel “Ich aber sage euch”. Die ist übrigens nicht einfach “nervig”, sondern ziemlich stark. Aber von solchen Kleinigkeiten lernt man bei der BAMS sicher nichts.

6) m.spreng, Freitag, 26. Juni 2009, 15:18 Uhr

@thom
Wenn dies das Motiv wäre, dann wäre es nicht stark, sondern anmaßend. Und das mit der BamS, so hoffe ich, ist normalerweise unter Ihrem Niveau.

7) kairos, Freitag, 26. Juni 2009, 20:01 Uhr

Ihr Kommentar *
Oha. jetzt wird hier schon die heilige Schrift in eine politische Diskussion eingebracht – ich bin mir wirklich nicht sicher, ob das angemessen und/oder zielführend ist.
…..
Moment, ich bin mir doch sicher: DEFINITIV NEIN!
Zum Inhalt: Über Politikerfloskeln kann man sicher lange lamentieren, Fakt ist doch, dass FW Steinmeier weder eine rhetorische Granate noch ein Volkstribun ist. Das macht ihn wahrlich zu keinem schlechten Menschen; es ist nur in der jetzigen Situation für die SPD fatal: da sie mit Ihren Inhalten kaum noch einen Wähler vom Hocker haut, bräuchte es schon eine echte Rampensau wie den “Basta-Kanzler” oder wenigstens einen Sympathieträger à la Guttenberg um bei der Sonntagsfrage aus den unteren Zwanzigern raus zu kommen….nur – woher nehmen und nicht stehlen….?!?

8) Thom, Freitag, 26. Juni 2009, 23:14 Uhr

Das “stark” ist hier im Sinne einer Sprachwissenschaft und keineswegs als Eloge zu verstehen. “Ich aber sage euch” ist eine Formel, die sich eben nicht einfach weglassen läßt, die nicht einfach “lästig” ist. Im biblischen Sinne ist es eine Abkehr vom Dogmatismus. Wer es anmaßend nennt, kehrt zum Dogmatismus zurück. Und wenn man drüber schreibt, sollte man wenigstens erkennen, wo’s herkommt. Das würde ich schon sagen.

9) Dirk, Samstag, 27. Juni 2009, 00:58 Uhr

Im ZDF-Interview hatte Steinmeier jedenfalls öfters geschmunzelt. Er war lockerer drauf. Ob es Fatalismus ist?

10) m.spreng, Samstag, 27. Juni 2009, 09:04 Uhr

@thom

Es nimmt kein Ende. Jetzt will ein Linker auch noch einen alten katholischen Pfadfinder über die Bibel belehren.

11) hnswrst, Montag, 29. Juni 2009, 13:10 Uhr

achso, stoiber mit seinem “äääh(m)” ist die analogie zum teekessel, bei dem die heisse luft pfeifend entweicht.

12) Ein Mensch, Dienstag, 30. Juni 2009, 10:33 Uhr

Ich will nicht ausschliessen, dass der Autor inhaltlich recht hat. “Ich sage” ist allerdings auch eine regionale Floskel. So heisst es in manchen Regionen Norddeutschlands oft “So, ich sach tschüss”. Weiss nicht, ob das in Detmold auch üblich ist. “Ich werde Sorge tragen” ist dagegen doch ehrlich. Man tut es nicht selbst, sondern man delegiert und sorgt so dafür, dass es jemand tut.

13) Katya, Donnerstag, 16. Juli 2009, 15:43 Uhr

:)

14) Thomas B, Donnerstag, 16. Juli 2009, 15:58 Uhr

Trotz der vielleicht berechtigten Kritik an Steinmeier bin ich der Meinung, dass sich FWS doch stark verbessert hat was seine öffentlichen Auftritte angeht. Gerade bei Illner war das zu merken. Er entwickelt sich. Auch bei Phoenix war er letztens nicht schlecht. Nicht das es der SPD hilft aber ich finde es gut, dass man beim Frank Walter eine Entwicklung sieht.

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