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Neuer Job für Steinbrück?

Peer Steinbrück ist eine so hochtourige Politikmaschine, dass man sich gar nicht vorstellen kann, was der Mann nach dem 27. September macht, falls er sein Ministeramt verlieren sollte. Jetzt zeichnet sich ab, dass auf Steinbrück nach der Bundestagswahl eine neue spannende Aufgabe warten könnte: Spitzenkandidat der SPD für die nordrhein-westfälische Landtagswahl im Mai 2010. Denn die bisherige Gegenspielerin von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Hannelore Kraft, ist gerade dabei, ihre Spitzenkandidatur zu verspielen.

Katalysator ihres Absturzes könnte der Blog „Ruhrbarone [1]“ des Bottroper Journalisten David Schraven sein. Er fand heraus, dass Frau Kraft den Lebenslauf auf ihrer Homepage in einem nicht unwesentlichen Punkt geschönt hat. Sie verschwieg (was sie bis 2006 nicht getan hatte), dass sie 1989 bis 2001 als Unternehmensberaterin und Projektleiterin bei der umstrittenden Firma Zenit GmbH gearbeitet hat, die in einen Skandal um die Verschwendung von Fördergeldern verstrickt war. Frau Kraft erklärte jetzt scheinbar blauäugig, sie habe diesen Hinweis nur deshalb gekürzt, weil der Text auf ihrer Homepage einfach zu lang gewesen sei. Zu lang? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Und dann machte Hannelore Kraft einen Fehler, den Politiker in Unkenntnis, wie die Medienmechanismen funktionieren, immer wieder begehen. Sie klagte auf Unterlassung, weil Schraven sie mit dem Förderskandal in Verbindung gebracht habe. Denn Schraven hatte geschrieben:“Warum ist aber der Hinweis auf die Zenit GmbH verschwunden? Nun, vielleicht liegt es daran, dass die Zenit GmbH in einen der großen NRW-Förderskandale verwickelt war, in dessen Verlauf vor zwei Jahren auch die Rolle von Hannelore Kraft kritisch hinterfragt wurde“.

Die Unterlassungsklage machte aus der Notiz erst einen richtigen Fall mit bundesweiten Schlagzeilen. Ein klassischer Rohrkrepierer. So ging es 2002 auch einem prominenteren SPD-Politiker. Gerhard Schröder klagte 2002 gegen die Behauptung, er töne seine Haare und machte damit aus der jugendlich-frischen Farbe seiner Haare erst ein schlagzeilenträchtigen Fall.

Aber Politiker lernen eben nichts aus den Erfahrungen ihrer Parteifreunde. Für Kraft sind die Negativ-Schlagzeilen deshalb besonders unangenehm, weil sie ohnehin wegen Erfolglosigkeit als Spitzenkandidatin in der Kritik steht. Und da ist es kein Wunder, dass in der NRW-SPD hinter vorgehaltener Hand immer häufiger der Name Peer Steinbrück fällt. Ab 28. September könnte er Zeit haben, seinem Landesverband aus der Patsche zu helfen und zum zweiten Duell gegen Jürgen Rüttgers antreten.