Als Reporter (noch) Reporter waren
In grauer Vorzeit, als “Der Spiegel” seine Enthüllungskompetenz noch nicht an die “Süddeutsche” abgegeben hatte, gab es in Bonn ein legendäres, manche meinen, ein berüchtigtes Reporter-Duo: Dirk Koch und Klaus Wirtgen vom “Spiegel”. Sie waren die Treppenterrier der Bonner Politik, scheuten weder Selbstverleugnung noch Tricks, um an ihre Geschichte zu kommen. Wer sie zur Vordertür rauswarf, musste damit rechnen, dass sie zur Hintertür wieder hereinkamen. Ihre Rollenverteilung war klar in “good guy, bad guy”.
Wie die beiden arbeiteten, konnte ich 1976 erleben. Sie brauchten unbedingt ein Statement von Franz-Josef Strauß zu einer Geschichte, was dieser schon mehrmals abgelehnt hatte. Also fuhren sie uneingeladen zu Richard Stücklens 60. Geburtstag nach Weißenburg. Erwartungsgemäß wurden sie am Eingang abgewiesen. Daraufhin baten sie darum, Stücklen wenigstens ihr Geburtstagsgeschenk überreichen zu dürfen – eine handgeschnitzte Madonna, die sie für 1.500 Mark gekauft hatten. Der CSU-Politiker war darüber so gerührt, dass er die ungebetenen Gäste doch noch zu seiner Party bat, worauf sich Koch und Wirtgen sofort zu Strauß an den Tisch setzten und ihn mit ihren Fragen bombardierten.
Nach wenigen Minuten wurde es Strauß zu viel und er forderte Stücklen nachdrücklich auf, die beiden rauszuwerfen – was dann auch geschah. Aber sie hatten ihr Statement.










