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Freitag, 24. Juli 2009, 18:16 Uhr

Armer Guttenberg!

Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg ist zu beglückwünschen und zu bedauern. Zu beglückwünschen ist der Wirtschaftsminister, weil er es in nur fünf Monaten geschafft hat, an die Spitze der Beliebtheitsskala deutscher Politiker zu stürmen – vor Angela Merkel und weit vor seinem Entdecker Horst Seehofer. Zu bedauern ist der CSU-Politiker, weil das jetzt natürlich noch mehr Neider auf den Plan ruft. So schnell so hoch – da kann die Luft nur dünner werden. Das Mittelmaß der deutschen Politik jault auf und schmiedet Rachepläne. ihn wieder vom Gipfel herunterzuzerren. Das lassen die Söders der Politik einem Newcomer nicht durchgehen.

Jahrelang galt in der deutschen Politik Management by Champignon: Wer den Kopf zu früh und zu weit herausstreckt, dem wird er abgeschlagen. Und dann kommt ein – geistig und materiell – unabhängiger Kopf aus Franken und stellt das ganze Parteiensystem auf den Kopf, aus dessen Ochsentour bisher keiner so herauskam, wie er als hoffnungsvoller junger Mann hineingegangen war. Viele, die als Idealisten angefangen haben, kommen aus diesem System als Zyniker heraus. Zu Guttenberg widerlegt mit seinem rasanten Aufstieg, den es in dieser Form in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben hat, alle Urteile – und Vorurteile – über das deutsche Parteiensystem.

Zu Guttenbergs Spitzenplatz demonstriert, wie groß die Sehnsucht der Wähler nach jungen, frischen Gesichtern ist, nach Politikern, die noch Prinzipien haben und diese auch öffentlich klar vertreten, nach Politikern, die so handeln, wie sie reden. Sein Aufstieg ist auch eine Menetekel für die Kanzlerin. Er zeigt gnadenlos die Schwächen Angela Merkels auf: ihre Profillosigkeit, ihre Art, sich nicht festzulegen, die Probleme auszusitzen. Zu Guttenberg ist das Gegenbild zur Kanzlerin – und genau darin liegt auch die Gefahr. Kanzler oder Kanzlerinnen wollen keine fremden Götter neben sich haben. Jetzt werden die Fallen aufgestellt, in denen sich spätestens nach der Wahl zu Guttenberg verfangen soll.

Glücklicher zu Guttenberg, armer zu Guttenberg!

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag vom 24.06.2009 “Guttenberg & Seehofer – wie lange hält die Liebe?

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15 Kommentare

1) JG, Freitag, 24. Juli 2009, 18:56 Uhr

Ihre – dem momentanen Medien-Mainstream folgende – Guttenberg-Begeisterung in Ehren. Aber: Welche sensationellen Leistungen hat denn der Herr Nachwuchsminister bisher vollbracht – außer eine Rolle in dem üblichen “Good cop, bad cop”-Theater zu spielen, mit dem sich die Politikerdarsteller einerseits Aufmerksamkeit sichern, andererseits möglichst breite Wählerschichten bedienen? Also: Bist du für Staatskneteverteilen, bin ich dagegen. Am Ende geht das Geld natürlich trotzdem raus, denn mit Geldausgeben sichert man sich mehr Stimmen als mit Geldnichtausgeben, und für Subventionsabbau und knallharte Kürzungen sind selbstverständlich immer alle – solange es nicht sie betrifft. Weshalb der “Subventionsabbau” ungefähr so erfolgreich ist wie der “Bürokratieabbau”.

Im Fall Guttenberg bleibt abzuwarten, ob und wann das geschätzte Publikum, das sich natürlich auch gern blenden läßt (bei öden Inszenierungen ist man für jeden interessanten Moment dankbar), die Schaumschlägerei durchschaut.

2) Hanno Zulla, Freitag, 24. Juli 2009, 19:02 Uhr

So beeindruckt bin ich von ihm nicht. Wie er und seine Frau geholfen haben, die von seiner Kabinettskollegin gewünschten Internetsperren gegen jede Kritik durchzusetzen, das war mehr als nur filzig. Siehe auch http://www.danisch.de/blog/2009/03/27/ist-jetzt-zu-guttenberg-wirtschaftsminister-oder-seine-frau/

3) Rheinländer, Freitag, 24. Juli 2009, 20:05 Uhr

Ich hatte bei Guttenberg immer den Eindruck, dass er bei Opel-Verhandlungen der einzige war, der Verstanden hat, wie die Amis Poker spielen. Ich glaube nur durch Ihn und seine Insolvenz-Geschichte haben gewisse Rädchen wieder angefangen sich zu drehen.

Ähnliches hatten wir beim amerikanischen Wirtschaftsminister Snow (Vorgänger von “Goldman Sachs Mann” Paulson): “Fred and Fannie are not too big to fail” !!!! Nachdem Bush 04 wiedergewählt wurde war der Schnee geschmolzen und man hat den Goldman Paulson hingesetzt. Witzig ist, das Goldman und JP die einzigen sind die überlebt haben – das ist aber ein anderes Thema.

Mal schaun, ob Guttenberg nächstes mal noch mitspielen darf :-)

Gruß aus dem schönen Düsseldorf,
Wir haben übrigens Kirmes am Rhein :-)
Rheinländer

4) kairos, Freitag, 24. Juli 2009, 20:49 Uhr

Ihr Kommentar *

Die Frage nach den “tatsächlichen” Leistungen des KT zu Guttenberg ist verständlich & logisch, Sie relativiert sich allerdings wenn man selbigen Maßstab an andere, langgediente Politiker stellt. Gehen wir doch die Liste der Minister mal kurz im Stillen durch…. wer oder was bleibt da übrig?
………..
Also außer Peer dem Widerborstigen werden wir keinen vermissen. Im Gegenteil:

Danke, Ulla, für den den sozialistischen Einheitstarif und die kommende Kostenexplosion!
Danke, Olaf, für die aberwitzige Rentengarantie sponsored by next generation!
Danke, Ursula, aber allein mit noch mehr Kohle werden aus den Kevins & Mandys auch keine Nobelpreisträger!

Geben wir dem Baron aus Bayern also die Gelegenheit, seine Worte auch in Taten um zu setzen… für die bisherige performance: Respekt!

5) kairos, Freitag, 24. Juli 2009, 23:49 Uhr

Ihr Kommentar *
Kleiner Nachtrag:
Was hat eigentlich Barack Obama vor seiner Präsidentschaft geleistet – z.B. während seiner dreijährigen Tätigkeit als Senator für Illinois? Kann da irgendjemand spontan eine Antwort liefern?!?
Oder hat jemand diese Leistungen mal hinterfragt? Wurde nicht im Gegenteil im Wahlkampf permanent sein Charisma und seine Eloquenz gefeiert?!?
Ohne zwischen den beiden Politikern irgendeine Parallele ziehen zu wollen, aber das Guttenberg-bashing scheint mir doch oftmals als typisch deutsch – als Schaumschläger wurde meines Wissens zumindestens Barack Obama nie bezeichnet…

6) Chronist, Samstag, 25. Juli 2009, 12:49 Uhr

Der Minister, der aus dem Nichts kam?
Nachdem es inzwischen normal ist, das Popbands zusammengecastet werden, macht dieser Trend so scheint es auch vor Ministern nicht halt. Inklusive Platz 1 in den Charts.
Nur der Castingprozess läuft noch nicht medial aufbereitet:

Das Guttenberg-Dossier
http://www.zeitgeist-online.de/special24.html

7) Duke Bosvelt, Samstag, 25. Juli 2009, 14:36 Uhr

Ich halte das Phänomen Guttenberg vor allem für einen Medienhype, der den folgerichtigen demoskopischen Resultaten vorausging.

So sind beispielsweise die kritischen Recherchen von Panorama über die Wirtschaftskompetenzen von Herrn Guttenberg nicht in die allgemeine Medienbeurteilung von zu Guttenberg eingeflossen. http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/panoramaguttenberg100.html

Ebenso wenig das professorale Urteile des seit der Krise wohl meistgefragtesten deutschen Ökonomen Rudolf Hickel
http://www.saarbreaker.com/2009/02/krise-und-kompetenz

Mich verwundert die Kritiklosigkeit des Herrn Spreng an dieser Stelle.

Auch die vielbeschworene politisch-inhaltliche Geradlinigkeit von Herrn Guttenberg lässt zu wünschen übrig: sowohl bei Opel als auch bei Quelle ist der Wirtschaftsminister umgekippt. Klar ist so viel: Die Bürger wünschen sich in den Unwägbarkeiten der Wirtschaftskrise Orientierung und Halt, dem gibt Guttenberg mit seiner neoliberalen Grundüberzeugung reichlich Nahrung und kann sich auf ein jahrelang vorherrschendes politisches Diskursklima berufen, das sich in Guttenbergs Quintessenz “so viel Markt wie möglich – so viel Staat die nötig” zusammenfasst. Diese Leitlinie ist simpel und vertraut. Wahltaktisch ist dies überaus geschickt, aber Taktik ersetzt nicht Kompetenz. Man darf nicht vergessen, dass Guttenberg vor allem ein Tribut Seehofers an die Franken-CSU nach der Abkanzelung von Ministerpräsident Beckstein war. Fachlich wäre es vernünftiger gewesen, einen profilierten und fähigen Wirtschaftspolitiker aus den Reihen der CDU, etwa Laurenz Meyer, diesen Posten zu überlassen.

8) Wolf-Dieter, Samstag, 25. Juli 2009, 15:31 Uhr

Armer Guttenberg? Mir bricht das Herz.

– Zitat –
Und dann kommt ein – geistig und materiell – unabhängiger Kopf aus Franken und stellt das ganze Parteiensystem auf den Kopf
– Zitat Ende –

Dass er finanziell unabhängig ist, ist evident. Aber geistig auch? Siehe das “Guttenberg-Dossier”:

http://www.zeitgeist-online.de/special24.html

Also eigentlich nicht. (Hab mir die Freiheit genommen und das auf meinem Blog ganz kurz angerrissen: http://home.arcor.de/wolf-dieter.busch/html/Blog/2009_Einzelseiten/Juli0/Das_GuttenbergDossier.htm

Die “Ochsentour”, in der sich einer in der Politik hochschleimem muss — aus meiner Sicht als Regierungsopfer: geschenkt, Herr Spreng. — Generell, die ganze Methaphorik mit den Göttern & Co — mich interessiert nicht die Persönlichkeit, ebenso wenig wie sein preisgekröntes Haargel. Mich interessiert die ausgeführte Politik. Von innen. Capis?

“Armer Guttenberg” — meine Güte!

9) baugut.blog.de, Samstag, 25. Juli 2009, 18:47 Uhr

Zu Guttenberg ist sich ja bewusst, dass er momentan nur auf einer Woge unserer hektischen Stimmungsdemokratie reitet. Ich glaube ihm, dass er innerlich völlig unabhängig ist, was ihn gegen Neider ebenso immun macht wie die Lebenserfahrung, die er als wohlhabender Adeliger sicherlich schon in jungen Jahren gesammelt hat. Freuen wir uns über diesen außergewöhnlichen Politiker!

10) JG, Samstag, 25. Juli 2009, 21:39 Uhr

@ kairos:

Ihre Skepsis gegenüber den politischen Leistungen Obamas vor seinem Einzug ins Weiße Haus ist berechtigt. Aber schauen wir uns kurz an, was er in den sechs Monaten seither geleistet hat: Zum Beispiel seine Reformpolitik in diversen Verordnungen, wie wir sagen würden, umgesetzt, die er ohne Zustimmung des Kongresses erlassen konnte. Projekte wie die Gesundheitsreform versucht er mit Hochdruck durch das schwerfällige System der US-Bundespolitik zu drücken. Er bemüht sich – bei wachsendem Widerwillen der Republikaner, bei denen manche ihr Heil in weiterer Polarisierung suchen – um eine Entspannung des politischen Klimas. Er hat in Windeseile wenigstens einen Teil des enormen Scherbenhaufens gekittet, den acht in jeder Hinsicht desaströse Jahre neo-konservativer Herrschaft hinterlassen haben, und das weltweite Ansehen der USA deutlich verbessert. Er scheint sogar der erste US-Präsident seit langem zu sein, der sich im endlosen Nahostkonflikt als ehrlicher Vermittler versucht, der allen Streithähnen klarmacht, daß sie für Frieden Kompromisse schließen und von ihren Maximalforderungen abrüclen müssen. Und ganz nebenher wäre da ja auch noch eine immense Wirtschaftskrise – bei bereits vorher monströsem Haushaltsdefizit – zu bewältigen, die ebenfalls von rechten Besserwissern provoziert wurde. Für sechs Monate eine ganz ordentliche Bilanz, mal sehen, wie sich der Mann weiter schlägt. Und Guttenberg?

11) Johann Roth, Sonntag, 26. Juli 2009, 23:29 Uhr

Zu Guttenberg hat vor allem verstanden, daß Bayern und Preußen zusammenarbeiten müssen.
Er ist ein Garant für die Westbindung.
Er ist ein Freund Europas.
Er besitzt know-how aus der Familie, das nicht käuflich ist und das auch an keiner Uni erlernt werden kann.
Er ist der Garant für eine gedeihliche Weiterentwicklung auf sicherem Fundament abseits der Wirren von Chaoten.

12) kairos, Montag, 27. Juli 2009, 01:15 Uhr

Ihr Kommentar *
@JG:
Erstmal meine Achtung vor Ihren Detailkenntnissen der amerikanischen Politik. Allerdings bin ich mir sicher, dass sich die Machtfülle und der Gestaltungsspielraum eines US-Präsidenten nicht mit denen eines deutschen Wirtschaftsministers vergleichen lassen. Aber DAS ist nicht der Punkt, denn auch bin der Meinung, dass Guttenberg seinen großen Leistungsnachweis noch bringen muss.

Es geht vielmehr darum, dass der Mann für gewisse Kreise ein gefundenes Fressen zu sein scheint – ganz einfach, weil er nicht in ihr abstruses Weltbild passt. Da kommt ein Politiker daher, der anders ist als andere, nämlich jung/smart/elegant/prinzipientreu/eloquent und – welche Unverschämtheit – auch noch adelig & reich. DAS kann das linksalternative Spießbürgerlein aber gar nicht verkraften!!!!

Also wird fix alles rausgekramt, was gegen den Mann spricht und in irgendwelchen wirren Pamphleten mit kindischem Unterton (“Gutti”) zusammengemixt, die für sich auch noch den “zeitgeist” reklamieren wollen. In der Zeit Ihrer Niederschrift hätte die Autorin mal lieber ihren Müll runter bringen sollen (obwohl sich beides inhaltlich doch sehr nahe kommt… )

Dei Frage ist: wie genau wird denn bei den anderen Politikern oder Ministern hingeschaut?!? Zur Erinnerung: der Vorgänger im Amt von Guttenberg ist gelernter Müllermeister, die Dame, welche gerade in Spanien um eine S-Klasse erleichtert wurde, ist von Haus aus Lehrerin, gleiches hat der ehemalige Finanzminister Hans Eichel gelernt. Wo, bitte, ist da denn die Qualifikation fürs Amt?!?
Und das Minister mal so mir-nichts-dir-nichts das Ressort wechseln gehört ja auch schon lange zum bundesrepublkanischen Alltag. (Meines Wissens gab es dabei auch keinerlei Umschulungsmaßnahmen….)

Also, nochmal: Mir ist egal ob KT bisher hauptsächlich im Schloßgarten die Rosenbüsche geschnitten oder das transatlantische Bündnis neu erfunden hat: Persönlichkeiten dieses Formates hat die deutsche Politik wirklich bitter notwendig!

13) Janissary, Mittwoch, 29. Juli 2009, 14:55 Uhr

Herr Guttenberg wird durch den Mainstream nach oben gepusht. Diese Berichterstattung der Medien zeigt uns wie die Qualität des kritischen Journalismus den Bach runter gegangen ist. Es reicht gut auszusehen, eine schöne Ehefrau zur Seite zu haben, jung zu sein und ein Zahnpasta-Lächeln zu haben. Schon wird man zum beliebtesten Politiker gemacht. Herr Guttenberg ist erst seit knapp 6 monaten Wirtschaftsminister. Was hat er denn in diesen 6 Monaten grosses geleistet um der beliebteste Politiker des Landes zu werden? Er ist nur dadurch aufgefallen das er für Opel die Insolvenz gefordert hat. Und das als Wirtschaftsminister!

14) Erik, Freitag, 07. August 2009, 15:13 Uhr

Eine interessante Zusammenstellung der Guttenbergschen Vita findet sich hier: http://www.bleib-passiv.de/beitraege/artikel/66-zur-person-karl-theodor-zu-guttenberg.html

15) Friedhelm, Montag, 17. August 2009, 09:54 Uhr

Was müssen wir da schon wieder aus politischen Kreisen hören.
Neben all dem ganzen Unsinn was uns vor den Wahlen dargeboten wird, kommt jetzt
der neue Knüller. Der Herr Guttenberg unser lieber Wirtschaftsminister
was hat er sich nur dabei gedacht sich privaten Expertenrat zu holen.
Statt aus den eigen Reihen zu schöpfen und damit unnötige Steuergelder zu verschwenden.
Natürlich wird auch bei dieser Aktion alles schön unter den Teppich gekehrt.

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