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Sonntag, 26. Juli 2009, 18:28 Uhr

Das Ende der TV-Duelle

Jetzt hat also auch Frank Walter Steinmeier seine Katherina Reiche. Manuela Schwesig heißt die junge Politikerin aus dem Osten, die Steinmeiers betagter Mannschaft jugendliche Frische verleihen soll. Auch sie soll, wie Katharina Reiche 2002 bei Edmund Stoiber, das Aushängeschild für eine moderne Familienpolitik sein und für mediale Aufmerksamkeit sorgen. Ob das reicht, um der eingeschlafenen Steinmeier-Kampagne neun Wochen vor der Wahl noch Schwung zu geben?

Zum gefühlten zehnten Mal hat Steinmeier jetzt angekündigt, endlich den Wahlkampf zu eröffnen. Es wird auch Zeit. Die Wahllokale werden nicht extra für Steinmeier länger geöffnet. Seine Ankündigungen, endlich loszulegen, wirken inzwischen so einschläfernd wie seine bisher einzige knapp formulierte Wahlkampfbotschaft, die er gebetsmühlenhaft wiederholt:”Ich kann es und ich will es”. Er meint damit sein berufliches Karriereziel Kanzler. Von ihm ist er aber seit dem Auseinderbrechen der großen Koalition in Schleswig-Holstein weiter entfernt denn je. Denn Ralf Stegner plant einen scharfen Konfrontationswahlkampf gegen Schwarz-Gelb. Das bleibt bundespolitisch nicht ohne Folgen.

Gelb war bisher die Hoffungsfarbe der Bundes-SPD. Geht diese – nie wirklich vorhandene Machtoption – endgültig verloren, dann ist Steinmeier kein Kanzlerkandidat mehr – oder nur noch mit derselben Berechtigung wie Guido Westerwelle 2002. Steinmeier ist in Wirklichkeit nur noch der Spitzenkandidat der SPD. Und auch er kann die verbliebenen SPD-Wähler nur noch mit einem scharfen Wahlkampf gegen Schwarz-Gelb an die Urne bringen.

Damit hat sich eigentlich auch das Kanzlerduell erledigt. Das TV-Duell machte nur so lange Sinn, so lange zwei Spitzenkandidaten gegeneinander antreten, die beide die – zumindest theoretische – Chance haben, Kanzler zu werden. Aber ohne Linkspartei (die will er nicht) und ohne FDP (die kriegt er nicht) gibt es keinen Kanzler Steinmeier. Mit derselben Berechtigung kann auch Guido Westerwelle ein TV-Duell mit Angela Merkel verlangen oder die Grünen könnten es fordern, wenn sie denn einen Spitzenkandidaten hätten.

Im Zeitalter schrumpfender Volksparteien und immer stärkerer “kleiner” Parteien geht die kurze Ära der TV-Duelle (2002 bis 2009) ohnehin ihrem Ende engegen. 2013 wird die gute, alte Elefantenrunde wiederkommen. Die Fernsehsender sollten nicht trauern. Die Einschaltquoten 2009 beim “Duell der hängenden Mundwinkel” werden ohnehin geringer sein als 2002 und 2005.

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag vom 21.06.2009 “Steinmeier muss Strategie ändern

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6 Kommentare

1) robin, Sonntag, 26. Juli 2009, 19:34 Uhr

Ja, die Ära der TV-Duelle könnte wirklich zuende gehen. Ob aber tatsächlich die Elefantenrunden (viel Streit, wenig Zeit) zurückkommen, erscheint fraglich. Hoffentlich gelingt es, effizientere Formate des politischen Streits zu entwickeln. Die Post-TV-Ära stellt ja zumindest die technische Infrastruktur dafür bereit.

2) JG, Sonntag, 26. Juli 2009, 22:20 Uhr

Herr Spreng, die Grünen haben einen Spitzenkandidaten: Jürgen Trittin. Aber Sie haben natürlich recht: Spitzenkandidat ist der nur pro forma. Dieses Angebot an die “lieben Wählerinnen und Wähler” kann man nur als weiteren Entwicklungsschritt auf dem Wege zu jenem schlechten Politkabarett verstehen, zu dem Politik in Deutschland allmählich mutiert. Allerdings könnte nichts besser verdeutlichen, zu welcher Versammlung müder grauer Herrschaften, deren größte Freude es ist, im Tagestakt alle möglichen Verbote und Vorschriften zu fordern, die einstmals so rebellische, vitale Jugend- und Protestpartei verkommen ist: Das Spitzenpersonal setzt sich zusammen aus abgetakelten Ministern (Trittin, Künast, Höhn) und Leuten, die angesichts der akuten personellen Not politisch reanimiert werden mußten (Özdemir). Als Nachwuchskraft gilt man da wohl, wenn man noch nicht länger als zehn, fünfzehn Jahre bundesweit Aufmerksamkeit erregt hat. “Jung” sind alle unter sechzig. Mal sehen, wann die Grünen genug Pfründe bieten können (und einen Posten, der ihm attraktiv genug erscheint), um Herrn Fischer wieder ins Rennen zu schicken. Oder auch: in ihre dann wohl letzte Schlacht.

3) Björn, Sonntag, 26. Juli 2009, 22:31 Uhr

Ihr Kommentar Sehr richtig was sie schreiben. Ich sehe auch als einzige Chance für eine SPD-Zukunft, dass sie sich zu ihrem “Lager” bekennt. Dann wird sich das mit der Linkspartei über kurz oder lang im großen Rahmen erledigt haben.

Sollte sich die SPD aber noch einmal in eine große Koalition retten wollen, sehe ich (nicht nur bildlich gesprochen) schwarz für die Partei.

4) kuechenkabinett, Montag, 27. Juli 2009, 07:34 Uhr

Man sollte nicht gänzlich vergessen, dass sich die Neigung der Wähler, bei der SPD das Kreuzchen zu setzen, offenbar am Wahltag exponentiell verstärkt. Das haben die letzten Wahlen ziemlich eindringlich gezeigt. Dadurch öffnet sich neben der Großen Koalition zwar keine andere Regierungsoption. Aber es sind in Deutschland ja auch noch nicht alle Regierungsmodelle versucht worden. Eine Machtoption der SPD wäre es auch, schwarz-gelb in eine Minderheitsregierung zu bringen.

5) Andi, Montag, 27. Juli 2009, 13:40 Uhr

Wenn es denn wenigstens mal ein Politiker-Duell gäbe, das den Namen auch verdient! Da waren wir früher schon mal weiter.

6) kairos, Montag, 27. Juli 2009, 23:42 Uhr

Ihr Kommentar *
Handelt es sich beim Fall Steinmeier vieleicht um eine sozialdemokratische Variante des Peter-Prinzips? Zur Erinnerung: nach dem Peter-Prinzip steigt jeder in einer Hierarchie so lange auf, bis er die Stufe erreicht hat, auf der er inkompetent ist. Übertragen auf die SPD heißt das: da wir kaum noch Spitzenpersonal haben aber trotzdem ja gewisse Ämter besetzen müssen, nehmen wir einfach jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist – egal, ob er für die neue Position auch nur halbwegs qualifiziert ist oder nicht. Vor gar nicht allzu langer Zeit haben die Spezialdemokraten das ja schon mal durchexerziert: mit einem bärtigen Mann aus der Provinz, der – nie so richtig angekommen in der großen Hauptstadt – schließlich ein unrühmliches Ende fand, beim großen showdown am Schwielowsee.

Zeitweise musste einem Steinmeier ja richtig leid tun – etwa nach dem Schock bei der Europawahl, als er bei Anne Will gnadenlos gegrillt wurde. Er ist weder eine Rampensau wie Schröder (“Ich will hier rein”) noch ein kühler Taktiker wie unsere Physikerin der Macht. “Sich in die Pflicht nehmen zu lassen “reicht aber eben nicht aus, wenn man Bundeskanzler werden will, oder sagen wir lieber,werden soll…..

Tja, und wer sitzt auf den Bäumen? Andrea, Ralf & Wowi. Sie warten auf den Herbst, warten bis die Blätter fallen und ihre Zeit gekommen ist…

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