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Der Kandidat verschwindet

Frank Walter Steinmeier verschwindet fast in der Menge, so groß ist sein Kompetenzteam. Ein symbolhaftes Bild. Der Kandidat verschwindet. Bei der SPD sind man den Baum vor lauter Wald nicht mehr. Steinmeier umgibt sich mit erfolgreichen und weniger erfolgreichen Ministern (Ulla Schmidt ist schon ganz verschwunden), ein paar halbwegs bekannten Funktionären aus der zweiten Reihe und zwei, drei neuen Gesichtern.

Steinmeiers Teamvorstellung ist eine Aktion, die viel zu spät kommt und in erster Linie dazu dient, alle Flügel der SPD ruhig zu halten und einzubinden. Hier stellt sich die SPD der Vergangenheit mit ein paar wenigen Politikern der Zukunft vor. Und die Zukunftspolitiker der SPD wirken wie ein Beweis dafür, dass diese SPD wenig Zukunft hat. Wirkung auf die Wähler kann der Kandidat davon nicht erwarten.

In der Politik gilt nicht das alte Kaufhausprinzip „Die Masse macht`s“. Weniger und überzeugendere Figuren wären besser gewesen. Aber es fängt schon beim Kandidaten an: Kompetenz kann nur dort durch ein Team verstärkt werden, wo Kompetenz ist. Und genau das ist das Problem: die Wähler sprechen Steinmeier nicht die Kompetenz für das Kanzleramt zu, der Abstand zwischen ihm und Angela Merkel beträgt inzwischen 41 Punkte, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Und wenn der Spitzenkandidat schon nicht zieht, was soll dann noch ein Team bewirken? Die Teamvorstellung der SPD ist eine Demonstration der Ohnmacht, nicht der Stärke.

Es ist schon ärgerlich, wie leicht es die SPD Angela Merkel macht, deren Team – bis auf zu Guttenberg – auch keinen vom Sessel reisst.

P.S. Der größte Witz ist die Berufung von SPD-Generalsekretär Hubertus Heil für neue Medien – eine reine Verlegenheitslösung, weil für ihn kein anderes Fachgebiet mehr übrig war. Das zeigt, wie wenig ernst die SPD das Internet nimmt. Was für Gerhard Schröder die Frauen- und Familienpolitik war, ist für Steinmeier offenbar das Internet: „Gedöns“. So holt die SPD keine Stimme von den Grünen oder der Piratenpartei zurück.