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Montag, 10. August 2009, 19:58 Uhr

Die spinnen, die Ossis?

Die spinnen, die Ossis, hätte Angela Merkel denken können, wenn sie nicht selbst eine wäre. Ein solches Urteil wäre sicher auch bösartig und ungerecht, aber ein paar spinnen offenbar schon. Vera Lengsfeld von der CDU zum Beispiel, die – natürlich ohne Merkels Erlaubnis – mit einem Plakat in ihren aussichtslosen Wahlkampf gegen Christian Ströbele zieht, das Merkel und sie mit üppigen Dekoltees und dem Slogan “Wir haben mehr zu bieten” zeigt. Sie wandelt damit auf den Spuren des ostdeutschen Ex-SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Krüger (heute Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung), der 1994 auf Plakaten gleich ganz nackt und mit dem Slogan “Eine ehrliche Haut” warb.

Angela Merkel dürfte über ihre Parteifreundin doppelt verärgert sein, denn das Busenplakat überwogte die Vorstellung der offiziellen CDU-Plakate. Über die gibt es allerdings nicht viel zu sagen, außer das sie optisch ganz gefällig, inhaltlich eher unauffällig sind. Und es ist schon bitter, wenn man aus Gründen des  Parteiproporzes und, um den Konkurrenten keine Angriffsflächen zu bieten, auch mit Franz Josef Jung und Annette Schavan werben muss.

Frank Walter Steinmeier bat zur selben Zeit um “Fairness” für Ulla Schmidt und verlangte ein Ende der Debatte um die Dienstwagenaffäre. Ganz so einfach ist es nicht. Hätte die Ministerin nicht in letzter Minute die Kurve gekriegt und ihren Spanien-Urlaub – bis auf 72 Kilometer – komplett privat abgerechnet, dann wäre das Urteil des Bundesrechnungshofes sicher negativ ausgefallen. Denn vor Tisch hörten sich Ulla Schmidts Einlassungen noch anders an: Das steht mir zu, ich hatte dienstliche Termine, der Dienstwagen ist mein fahrendes Büro.

Gerade noch mal davongekommen – das wäre ein faires Urteil. Den Rest entscheiden die Wähler am 27. September.

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19 Kommentare

1) Klaus Klausen, Dienstag, 11. August 2009, 01:03 Uhr

Ich finde dieses Vorgehen und Bewertung unglaublich absurd. JETZT, nachdem das ganze 2 Wochen durch die Presse gezerrt wurde, bezahlt Fr. Schmidt doch noch selbst. Mann stelle sich das bei Steuerhinterziehung vor: “Ich wollte mal schauen ob ich damit durchkomme (So wie ich seit Jahren damit durchkomme (so wie ich auch glaube, es steht mir zu)) falls nicht, bezahl ich schnell nach.” Das ist nicht das Ende des Skandälchens, damit fängt er erst an!

Zur Beklopptheit (Sorry für diesen Ausdruck) des/der CDU-Plakatedesigner(in) kann man eigentlich nichts hinzufügen. Zumal Fr. Merkel vor 4 Jahren sehr erfolgreich das Mann vs. Frau – Thema ausgespart hat. Aber wie es so schon heisst – jetzt kann die CDU die Wahl eigentlich nur noch durch eigene Fehler verlieren – Voilá – der Einstieg ist geglückt.

2) Michael Schäfer, Dienstag, 11. August 2009, 08:38 Uhr

Meine lieben KommentatorINNen,

ich muss doch sehr um Respekt gegenüber unseren prallen Politikerinnen titten – äh – bitten.
Wenn sie nichts anderes transportieren könne, natürlich intelektuell gemeint, sollen sie sich eben mit ihren Brüsten brüsten. Immerhin lassen die die Augen mancher Männer anschwellen (hab ich was vergessen?!).
Ausserdem ist das in der Afganistan-Diskussion topaktuell – lieber zwei Schwellkörper (Augen), als einen Marschflugkörper.

CDU – Christliche Doppel-D Union

Noch Fragen?

Gruß,
Michael Schäfer

3) Fabian Hage, Dienstag, 11. August 2009, 09:37 Uhr

Franz (!) Walter Steinmeier? Ich dachte immer, der Mann heißt Frank Walter Steinmeier. Natürlich hat Frau Schmidt moralisch fragwürdig gehandelt und deshalb von der Presse und der Öffentlichkeit zu Recht einen auf den Deckel bekommen. Mich wundert nur, daß unser aller Liebling zu Guttenberg nicht das Gleiche widerfährt. Der hat sich den Vorschlag zur Bankenstaatsverwaltung von einer Kanzlei schreiben lassen. Ich vermute mal dies gabs nicht gratis. Auch das ist Verschwendung von Steuergeldern. Aber unser aller Liebling darf das ja. Ist er nicht süß?

4) Wack, Dienstag, 11. August 2009, 10:15 Uhr

Ihr Kommentar *
Sex sells, würde ich sagen, allerdings nicht immer.

Was Ulla Schmidt angeht, bin ich der Meinung, dass die rein juristische Ordnung der Dinge eigentlich nie ernsthaft angezweifelt wurde. Das hat ihr jetzt der Bundesrechnungshof nochmal formal bestätigt. Anders sieht es mit der moralischen Bewertung aus, einen gepanzerten Dienstwagen samt Fahrer (und Sohn) 5.000 Kilometer durch Europa zu scheuchen, um stilgerecht im schweren schwarzen Mercedes ihre Aufwartung machen zu können bei einem Dorfbürgermeister und ein paar auslandsdeutschen Wählern. Einen Wagen für private Zwecke hatte Schmidt ja sehr wohl zusätzlich angemietet.

5) Martin, Dienstag, 11. August 2009, 11:14 Uhr

Ach bitte, das Plakatthema ist doch in drei Tagen wieder vergessen, wenn Merkel das wie üblich einfach totschweigt. Sicher nicht so nett das nicht abzuklären, aber was solls. Ich finde ein künstliches Aufregen darüber viel peinlicher als das Plakat selber.

6) m.spreng, Dienstag, 11. August 2009, 14:08 Uhr

@fabian hage

Frank oder Franz – ist das die Frage? O.K. der Tippfehler ist korrigiert.

7) Patrick F., Dienstag, 11. August 2009, 15:58 Uhr

Lieber Herr Spreng,
von der politischen Relevanz her betrachtet, ist die Sache mit dem Dienstwagen doch nur eine Randnotiz. Warum überbetonen Sie dies dann aber, wo sie doch die richtigen politischen Problembrocken erkannt haben: Mir sind die (sehr günstigen) Possen von Frau Schmidt egal, dass die Minister Jung und Schavan (oder auch Tiefensee) eine miserable Politik betreiben, die uns indirekt ungleich teurer kommt gehört ins Zentrum der Diskussion! Mit Frau Schavan ganz global für Bildungspolitik zu werben, dafür muss man doch wohl schon von einem völlig anderen Stern kommen.
mfg

PS: Sie sitzen näher dran: Man munkelt, Angie sei aus dem Urlaub zurück. Hat sie irgendetwas mitgebracht, eine Idee zum Beispiel?

8) Gundula Hoppenstedt-Krause, Dienstag, 11. August 2009, 17:27 Uhr

Sehr geehrter Herr Schäfer,
ich bin von Ihrem Stammtischniveau entsetzt. Hier werden doch Äpfeln mit Birnen verglichen, oder, um in Ihrem Sprachductus zu bleiben, Melonen mit Gurken!
Ein Schlag ins Gesicht der Frauenbewegung und des Gender-Mainstreamings, wenn Sie mich fragen. Aber das tun Sie natürlich nicht, da Sie lieber den ganzen Tag an der Kreuzung Warschauer/Karl-Marx-Allee stehen und die Plakate von Frau Lengsfeld anglotzen.

Mit empörten Grüßen
Gundula Hoppenstedt-Krause

9) Sigmund, Dienstag, 11. August 2009, 18:43 Uhr

Ihr Kommentar *Also, Herr Spreng, als Ossi möchte ich auf keinem Fall mit der Dame in einen Topf geworfen werden.
Das ist so, als würden alle Araber mit Osama bin Laden gleichgesetzt werden.

10) Jost Kremmler, Dienstag, 11. August 2009, 19:46 Uhr

Frau Lengsfeld hat es offensichtlich sehr nötig. Da waren ja die Fallschirmsprünge von Jürgen Möllemann für Wahlkampfzwecke noch eher anerkennenswert. Die Gesundheitsministerin scheint es auch nötig (finanziell) zu haben. Aber nüchtern betrachtet ist es doch eine lächerliche Kleinigkeit. Die Frage ist doch: Wollen wir wie zu Kohls Zeiten (16 Jahre) von Schwarz-Gelb regiert werden? Hoffentlich nicht! Die neoliberalen Wirtschaftsrezepte haben doch die Finanzkrise erst ermöglicht.

11) kairos, Dienstag, 11. August 2009, 20:12 Uhr

Holla, hier ist ja richtig Feuer unter´ m Dach, sehr schön!

@Michael Schäfer: bitte gehen Sie mal in den Keller und schauen Sie was Ihr Niveau so macht!
@Fabian Hage: können Sie mal kurz “Neid” für mich buchstabieren?
@Wack: Richtig, die Ulla hat einfach nicht gecheckt wie diese Aktion rüberkommt…
@Martin: So wirds kommen! Frage mich nur was die Union für ne Agentur hat, kennt da keiner
corporate communication?
@Patrick F.: Hübsch formulierte Frage zum Schluß!
@Gundula Hoppenstedt-Krause: ein originelles Vexierbild, Respekt….

12) kairos, Mittwoch, 12. August 2009, 07:12 Uhr

@Jost Kremmler: Sie scheinen sich ja sehr gut auszukennen – wie definieren Sie den Neoliberalismus? Sind Sie da eher bei von Hayek oder bei Walter Eucken? Oder reduzieren Sie das ganze auf die Chicago School? Und wie ordnen Sie Karl Popper ein? Bin wirklich sehr gespannt auf Ihre Antwort….

13) Michael Schäfer, Mittwoch, 12. August 2009, 09:46 Uhr

Ich bin wirklich bis ins Mark erschüttert, dass es immer noch Menschen gibt, die keinen Sinn für Humor haben, auch wenn er schlecht ist. :-D

Well, dem Rest scheint es doch zumindest ein Schmunzeln in die Backen gedrückt zu haben – kein Widerspruch ist sogut wie Zustimmung. Wenn Stammtisch, dann richtig.

Nur zur Info: Das hier ist ein Blog – kein Knigge-Support-Manual.

Gruß,
Michael Schäfer

14) Nashwin, Mittwoch, 12. August 2009, 10:26 Uhr

@ kairos
Ja, wenn die Kremmlers dieser Welt den Begriff des Neoliberalismus nicht hätten, was würden Sie dann bloß für alles vermeintlich Böse und Schlechte verwenden? – früher wars die Ketzerei oder der Satanismus, der an allem schuld war, heute ist es das Phantom des Neoliberalismus. Sich mit dem tatsächlichen (historischen) Neoliberalismus auseinanderzusetzen, würde dabei doch nur stören.

Oft genug gipfelt der größte anzunehmende Schwachsinn in der Aussage: “Wir müssen vom Neoliberalismus abkehren – Wir brauchen mehr soziale Marktwirtschaft.”

Zur Sache:
Mich überrascht, dass so ein harmloses Plakat so viel Aufregung verursacht hat. Ich fand’s frech und habe ein wenig geschmunzelt. Aber offensichtlich sind weder Medien noch Politik daran interessiert die wirklichen Themen anzusprechen und stürzen sich daher gerne auf so ein Null-Thema. Überrascht hat mich allerdings die Spießigkeit und latente Frauenfeindlichkeit, die bei der Diskussion bislang zu Tage gefördert wurde.

15) Martin, Mittwoch, 12. August 2009, 12:41 Uhr

Das Lustige ist doch: So gut wie JEDER den man fragt wird sagen, dass die üblichen Plakate völlig langweilig, gestrig, ja unnötig sind – und ein typisches Beispiel warum sich keiner mehr für Politik begeistert.

Kommt dann aber mal ein etwas anderes Plakat daher, dann wird sofort mit dem Sammeln von (gern auch spiessigen) Gründen begonnen, warum gerade DAS ja nun überhaupt nicht geht. Natürlich transportiert das Plakat von Frau Lengsfeld keine Inhalte, aber das tun doch 95% der restlichen Wahlplakate auch nicht. Und natürlich trifft es nicht den Geschmack von allen 100%, ja aber welches tut das schon?
Und wenn ich hier so durch Tiergarten laufe und mich die längst verstorbenen Flitzpiepen von den MLPD-Plakaten angrinsen… da nehme ich doch zehnmal lieber die Frau Lengsfeld mit ihrer frechen, wenn auch meinetwegen wenig tiefsinnigen Idee.

16) kairos, Mittwoch, 12. August 2009, 20:57 Uhr

@Nashwin:
Danke, Sie sprechen mir wirklich aus der Seele! Manche Zeitgenossen haben wohl noch nicht erkannt, dass die Erde nun doch keine Scheibe ist… und bevor sie sich mit komplexen Zusammenhängen rumärgern, schreien sie lieber lauthals nach dem Scheiterhaufen!

17) Jost Kremmler, Mittwoch, 12. August 2009, 21:16 Uhr

Egal, welcher Richtung des Wirtschaftsliberalismus man anhängt, es kann wohl keinen Zweifel daran geben, dass wir der Finanzwirtschaft Fesseln anlegen müssen, d. h. strenge Regeln setzen, bespielsweise in der Börsenaufsicht etc. Dass die Finanzkrise vermeidbar gewesen wäre, darüber besteht vermutlich Konsens. Eine schwarz-gelbe Koalition ist bei ihrer wirtschaftsfreundlichen Grundeinstellung weder willens noch in der Lage, dem wirtschaftlichen Handeln engere Grenzen zu setzen.
Das Gemeinwohl muss in der sozialen Marktwirtschaft stärker berücksichtigt werden! Einen Zusammenhang zu Satanismus oder Ketzerei kann ich wirklich nicht erkennen.

18) Nashwin, Donnerstag, 13. August 2009, 09:16 Uhr

@ Jost Kremmler

Das sind doch alles nur Schlagworte und Phrasen.
Was ist das Gemeinwohl? Wer legt fest, was dem Gemeinwohl dient und was nicht? Wo ist der all-wissende zentrale Lenker, der das kann?

Und der Finanzwirtschaft legt am besten Fesseln an, indem die staatlich kontrollierten Zentralbanken endlich aufhören, den Zinssatz künstlich niedrig zu halten. Dann hören die durch das billige Geld angefachten Spekulationen von alleine auf.

Mehr Regulation wird nichts helfen. Denn der Regulator ist nicht schlauer als die Regulierten, eher das Gegenteil. Und wie es aussieht, wenn man dem wirtschaftlichen Handeln “enge Grenzen” setzt, konnte man in den kommunistischen und sozialistischen Staaten bestens beobachten.

19) Milo, Donnerstag, 13. August 2009, 12:16 Uhr

Ihr Kommentar *
Ich finde das Plakat von Vera Lengsfeld nicht so skandalös, wie Sie es tun. Ich bin nun wahrlich kein CDU-Wähler und schon gar kein Freund von Frau Lengsfeld. Aber das Plakat finde ich witzig und es sorgt für Aufmerksamkeit. Genau das soll ein Plakat ja auch tun. Wer jetzt auf dem “Busen”-Plakat Inhalte vermisst, der ist bei den offiziellen CDU-Plakaten auch nicht besser dran. Diese sind ebenfalls seicht und ohne echte Botschaft, dafür aber komplett unwitzig. Ich neige daher eher dazu, Frau Lengsfeld für diesen PR-Coup zu gratulieren.

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