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Mittwoch, 12. August 2009, 14:38 Uhr

Für die Harten der Harten

1999 hat sie ihn vom CDU-Ehrenvorsitz gestürzt, zehn Jahre später pilgert Angela Merkel zum Altkanzler nach Oggersheim, um sich bei Mozzarella und Tomaten den Wahlkampfsegen des “Alten” zu holen. Warum macht sie das? Es sind zwei Gründe:

1. Angela Merkel hat`s nötig. Sie sendet damit eine Botschaft an den harten Kern der CDU-Kernwähler, der mit ihr unzufrieden ist : ich bin eine von euch, ich bin tatsächlich auch CDU-Vorsitzende und ich stehe in der Tradition der CDU und ihrer großen Kanzler. Bitte geht für mich zur Wahl! 

2. Der Besuch ist ein Teil ihrer historisch eingefärbten nationalen Kampagne: Kohl-Besuch, Fahrt im Sonderzug auf Konrad Adenauers Spuren, Schwarz-Rot-Gold auf den Plakaten, Einheitsfeiern. Da kommt noch mehr. Merkel glaubt offenbar, mit nationalen Tönen, mit dem Rückgriff auf deutsche Geschichte, punkten zu können.

Allerdings sind die Kohl-Fotos schon bei CDU-Randwählern und erst recht bei Wechselwählern zwischen CDU und FDP kontraproduktiv. Die Erinnerung an Kohls Spendenaffäre und die lähmende Endphase seiner Kanzlerschaft ist bei diesen Wählern mindestens genauso wach wie die Erinnerung an den “Einheitskanzler”.

Und auch für die Kohl-Fotos gilt: Wähler wählen Zukunft und keine Vergangenheit.

Lesen Sie dazu auch die Anekdote “Keine Fotos mit Kohl

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

12 Kommentare

Spandauer, Mittwoch, 12. August 2009, 15:56 Uhr

Zitat: “Wähler wählen Zukunft und keine Vergangenheit”

Hahaha, selten so gelacht!

Wer wird/wurde bisher denn gewählt?
Der mit den schönsten Versprechungen!

Ich erinnere nur an die nette Aussage von Schröder aus dem Jahr 2005: “Mit uns gibt es keine Merkelsteuer” (sprich Mehrwertsteuererhöhung). Das hat damals der SPD sicher einiges an Stimmen gebracht.
Frau Merkel hat 2005 einen Wahlkampf mit “Zumutungen”, z.B. der Ankündigung zur Erhöhung der Mwst geführt. Das hat wahrscheinlich zum schlechten Abschneiden der CDU damals geführt.

DSB, Mittwoch, 12. August 2009, 17:46 Uhr

@Spandauer: Die Beispiel bestätigen die These aber statt sie zu wiederlegen. Die Schröder-SPD war halt immer gut darin, den Leuten Hoffnungen auf die Zukunft zu machen – und sie die vergangenen Jahre der SPD-Herrschaft vergessen zu lassen. Motto: “Wir haben verstanden!” – jetzt wird alles besser. Offenbar wählt die Mehrheit der Deutschen lieber die “Partei der Hoffnung” (und sei die Erfüllung der Wahlversprechen noch so unwahrscheinlich) als die “Partei der bitteren Pille”. Diese Lehre aus dem Wahlkampf 2005 haben sich in diesem Jahr offenbar alle Parteien zu Herzen genommen. Man könnte also sagen: Wir bekommen den Wahlkampf, den wir verdienen.

Spandauer, Donnerstag, 13. August 2009, 07:33 Uhr

@DSB:Stimme zu, dass wir den Wahlkampf bekommen, den wir verdienen.

Allerdings sehe ich das mit dem “Zukunft wählen” eben anders als Sie und Herr Spreng. Die CDU hat in den 80er (1987?) schlicht plakatiert “Weiter so!”. Die Wähler wählen eben nicht “Zukunft” sondern einerseits Vergangenheit (“mit dem X oder der Y ging es uns gut, dann wird es wohl in den nächsten Jahren so sein, siehe 16 Jahre Kohl) oder wie Sie richtig bemerkten andererseits “Hoffnungen” (“Wält uns und es gibt 2020 Vollbeschäftigung”). Das hat m.E. aber nichts mit “Zukunft” zu tun.
Unter Zukunft verstehe ich ein realistisches Programm wie es weitergehen soll, z.B. was ist mit der Staatsverschuldung etc..

DSB, Donnerstag, 13. August 2009, 09:34 Uhr

@Spandauer: Ein klares “Jein” dazu von meiner Seite. Die Vergangenheit gibt natürlich schon Aufschluss darüber, inwieweit einem politischen Akteur Vertrauen in seine Ehrlichkeit und Kompetenz entgegengebracht werden kann, dass er die Probleme der Zukunft zu lösen vermag. Wer in der Vergangenheit sich als unehrlich erwiesen oder bei der Umsetzung von Politiken versagt hat, kann nicht damit rechnen, dass man ihm für die Zukunft irgendetwas zutraut. Die Vergangenheit ist unser Maßstab für die Vertrauenswürdigkeit eines Akteurs – aber auch eine Partei oder Person, der man Vertrauen entgegenbringt, muss in einem Wahlkampf natürlich Lösungen für die Aufgaben der Zukunft vorweisen können, denn dafür wird sie – um auf die These von Herrn Spreng zurückzukommen – am Ende gewählt.

A.Cieslawski, Donnerstag, 13. August 2009, 10:52 Uhr

Die Wähler entscheiden sich für jene Partei, der sie die größte Kompetenz zutrauen… oder für das kleinere Übel erachten, je nachdem. Dass die Christdemokraten vor vier Jahren ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis erzielen konnten lag weniger an den angekündigten Einschnitten als vielmehr am Wahlkampftalent Schröder, der geschickt die schwache Flanke der CDU/CSU (Stichwort Kirchhof) auszunutzen wusste und das bürgerliche Lager seit Ankündigung der Neuwahlen vor sich herzutreiben wusste. Aus diesem Fehler hat Merkel gelernt. Sie bietet heuer der SPD keinerlei Angriffsfläche und entzieht sich geschickt und demonstrativ jedem Wahlkampfgetöse. Ihr Wandeln auf historischen Spuren sowie die peinliche Ankündigung einer überflüssigen aber prestigträchtigen Mond-Mission unterstreicht diese Haltung geradezu. Sie spricht damit das (national)-konservative Lager an und überlässt der SPD freimütig die Themenhoheit “für die Mitte”, die sich ohnehin schon gegen eine weitere Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten entschieden hat. Zu oft und zu plump wurden in den letzten Jahren Wahlversprechen gebrochen. Zudem werden der SPD so ziemlich alle Fehlentwicklungen der letzten elf Jahre zulasten gelegt (Hartz IV, gescheiterte Gesundheits- und Bildungsreformen, Einschnitte in den Bürgerrechten, Afghanistan-Mandat, Deregulierung des Finanzmarktes etc.), so dass sich niemand mehr für die Partei erwärmen kann oder möchte – erst recht nicht in einer Krise, die große Existenzängste in der Mittelschicht schürt. Dann besinnt sich der zitternde Wähler doch lieber auf die alten Werte und hofft, dass sich unter den einstigen Architekten des Wirtschaftswunders doch noch einer findet, der “blühende Landschaften” daherzaubert. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wolf-Dieter, Donnerstag, 13. August 2009, 16:18 Uhr

Dürfte ich evtl. eine Bitte äußern? Bitte ändern Sie Ihre Empfehlung an Merkel ab in “möglichst viele Kohl-Merkel-Fotos”.

Es geht mir ums Ergebnis (also bei der Wahl im September). Mich würde jeder Minusprozentpunkt bei denen freuen. Und Sie würden es, wie ich Sie einschätze, sowieso sportlich nehmen.

Falls sie das Merkel nicht sowieso schon lange gefressen haben.

Paula, Montag, 17. August 2009, 09:54 Uhr

Ihr Kommentar *@Spanndauer
“ich erinnere an die nette Aussage von Schröder: “Mit uns wird es keine MwSt-Erhöhung geben.”

Was werfen Sie denn Schröder vor? Nachdem die SPD die Bundestagswahl knapp verloren hat (Die Wähler haben der SPD keine Mehrheit zur Verhinderung der Merkelsteuer gegeben) und klar war, dass es eine große Koalition geben wird, hat sich Schröder zurückgezogen. Mit Schröder hat es keine Merkelsteuer gegeben.

Frau Merkel hat dann die Mehrwertsteuererhöhung nicht wie im Wahlkampf gesagt um 2 %, sondern um 3 % erhöht. Allerdings hat die SPD durch ihr “gutes” Ergebnis verhindert, dass aus dem Atomausstieg ausgestiegen wurde, eine Kopfpauschale in der Gesundheit durchgesetzt, Arbeitnehmerrechte weiter abgebaut wurden. Zudem wollte Merkel bis wenige Wochen vor der Wahl 2005 ja auch die Einkommenssteuer senken und auch dies wurde von der Union nicht umgesetzt.

Frau Merkel hat für ihre Kanzlerschaft einen ganzen Parteitag (Leipzig) vom Tisch gewischt, dass die SPD bei der MWST-Erhöhung mitmacht, wenn sie den Finanzmninster stellt, muss nicht wirklich verwundern, allerdings hat die SPD wahrscheinlich die Propagandafähigkeit der MWSt. -Erhöhung unterschätzt. Frau Merkel wird komischerweise ja auch von Ihnen nicht vorgeworfen, dass das Leipziger Programm ganz schnell in der Schublade verschwunden ist.

Spandauer, Dienstag, 18. August 2009, 08:42 Uhr

@Paula
Zitat “hat sich Schröder zurückgezogen”. Sie haben die “Elefantenrunde” nach der Wahl gesehen oder schon vergessen, was Hr. Schröder damals verlauten ließ: “Fr. Merkel wird nie Kanzler”. Auch wieder so ein Versprechen. Hr. Schröder hat sich nicht “zurückgezogen”, sondern sich nach diesen Aussagen selbst unmöglich gemacht.

Das es mit Schröder keine Mehrwertsteuererhöhung gegeben hätte, wag ich mal ganz stark zu bezweifeln. Die Erhöhung der Mwst um 3 % statt um 2 % war der typische Kompromis der Großen Koalition, den die SPD übrings mitgetragen hat.

Die Umstellung der Einkommensteuer, Modell Kirchhof, oder wie der von Ihnen so verehrte Hr. Schröder ihn genannt hat “Prof. aus Heidelberg”, ist ein sehr weit führendes Thema, welches vom eigentlichen Topic des Beitrags von Hr. Spreng weg führt.

Ob und was ich Fr. Merkel vorwerfe, könne Sie verehrte Paula wohl nicht wissen. Das ursprüngliche Thema war”Wähler wählen Zukunft und keine Vergangenheit”, darauf hin habe ich zwei Beispiele (Schröder und Merkel) angeführt, die meines Erachten dem entgegen stehen. Aber trauern Sie ruhig Hr. Schröder nach, oder machen Sie hier weiter Wahlkampf für die SPD, mich stört das nicht.

Paula, Mittwoch, 19. August 2009, 09:54 Uhr

Ihr Kommentar *@Spandauer
Tatsache ist und daran können Sie mit Ihren “hätte” nichts ändern, dass Schröder bei der Abstimmung über die Mehrwertsteuern kein Mandat mehr hatte und somit dieser auch nicht zugestimmt hat.

Und mit Verlaub es war Herr Kirchhof mit seiner 0,7 % Sekretärin mit 1,35 Kindern (oder so ähnlich) der sich zum “Prof. aus Heidelberg” gemacht hat. Normale Menschen reden nicht in dieser Art und Schröder hat lediglich aufgegriffen, was die Bevölkerung gedacht hat.

Übrigens dies war mein 1. Beitrag in diesem Forum, dass dies Sie so aufregt, wundert mich schon. Hatte ich doch lediglich darauf hingewiesen, dass die “Wahlsiegerin” ebenfalls nicht alle ihre Punkte aus dem Wahlkampf umgesetzt hat.

Spandauer, Donnerstag, 20. August 2009, 07:31 Uhr

@Paula:
Ihr “Beitrag” (richtigweiser Kommentar, Hr. Spreng Beitrag, die wir hier kommentieren dürfen) hat mich sicherlich nicht aufgeregt, sondern lediglich zu einer Antwort veranlasst.
Eigentlich sind wir schon deutlich off-topic aber:
- wie Hr. Schröder abgestimmt hätte weiß ich nicht, ich denke mal Sie auch nicht
- schön, dass Sie wissen wie “normale Menschen” reden…
- nicht alle Punkte umsetzen vs. Zentrale Aussage “keine Mwst-Erhöhung” spricht für sich…

Spandauer, Donnerstag, 20. August 2009, 11:32 Uhr

muss nattürlich heißen :Hr. Spreng schreibt Beiträge

Paula, Freitag, 21. August 2009, 21:31 Uhr

Ihr Kommentar *Entschuldigen Sie bitte, selbstverständlich schreibe ich keine Beiträge, ich kommentiere nur.

Was “off-topic” bedeutet, weiß ich leider nicht.

Es geht nicht darum wie Schröder abgestimmt hätte, er hat nicht abgestimmt.
Immer dumm, wenn man von sich auf andere schließt, aber weder ich noch sonst jemand den ich kenne redet so. Aber es gibt nette Beiträge bei extra3 vom NDR mit 0,4.
Die Union hat die Wahl gewonnen und dies war auch eine ihrer zentralen Wahlkampfaussagen und Sie sehen der Ausstieg aus dem Ausstieg bei der Kernenergie wurde nicht gemacht auch eine Kernaussage der Union. Bis wenige Wochen vor der Wahl, wollte die Union um beim Beispiel Kichhof zu bleiben ja auch noch die Steuen senken.

Wie ist Ihre Meinung?

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