Samstag, 15. August 2009, 09:25 Uhr

Sicherheitsrisiko Althaus

In Thüringen redet sich gerade Dieter Althaus um Kopf und Kragen und beweist damit wieder einmal, dass der ärgste Feind des Politikers im Wahlkampf der Politiker selbst sein kann. Das hat schon 1994 Rudolf Scharping mit seiner Verwechslung von brutto und netto bewiesen. Bei Althaus ist es die Abschaffung des Solidaritätszuschlages, der bei einer “Weiterentwicklung der Steuerpolitik auf den Prüfstand kommen kann”. Ein heißes Thema für einen ostdeutschen Ministerpräsidenten im Wahlkampf, denn jeder einigermaßen gute Berater hätte ihm sagen können, dass in der medialen Verkürzung (und beim politischen Gegner) nur die Soli-Abschaffung übrigbleibt und nicht seine Ideen für den Sankt-Nimmerleins-Tag.

Dabei hätte sich Althaus keinen Fehler mehr im Wahlkampf erlauben dürfen, denn er steht laut Umfragen ohnehin nur bei 34 Prozent und könnte sein Amt nur mit einer großen Koalition oder einer Jamaica-Koalition retten. Rot-Rot-Grün hätte allerdings auch nur eine knappe Mehrheit. Aber Althaus arbeitet daran.

Um Althaus selbst wäre es nicht schade, denn seine Vermarktung des von ihm verursachten tödlichen Skiunfall war ekelhaft und abstoßend. Erst bat er die politischen Konkurrenten, den Unfall aus dem Wahlkampf herauszuhalten, dann instrumentalisierte er das tragische Ereignis selbst als Wahlkampfthema. Althaus berichtete öffentlich und ausführlich von seinen Seelenqualen: er bete täglich für die Tote, er habe des Grab des Opfers besucht und sich nach dem Unfall neu in seine Frau verliebt. Die Botschaft für die Wähler: auch er sei ein bedauernswertes Opfer. Das stimmt vielleicht sogar, das hat er anderen aber nicht öffentlich im Wahlkampf zu Werbezwecken mitzuteilen.

Althaus ist inzwischen auch politisch für die CDU ein Sicherheitsrisiko..

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9 Kommentare

1) Martin, Samstag, 15. August 2009, 09:49 Uhr

Ein so grober Fehler kann ja eigentlich nur aus der Verzweiflung heraus geboren sein, oder? Ich habe den thüringer Wahlkampf nicht weiter verfolgt und auch nur einige male gelesen, dass Althaus sich plötzlich zu dem Unfall äußerte, obwohl es aussen vor bleiben sollte. Aber ihm scheinen die Felle davon zu schwimmen, anders kann man sich die aktuelle Sache kaum erklären.

Herr Spreng, hätte man diese Art von Fehler als Berater aus Ihrer Sicht verhindern können? Oder sind solche undurchdachten Schnellschüsse unkontrollierbar?

Generell macht die Union derzeit einige seltsame Pirouetten. Die Mondgeschichte und das Lengsfeldplakat waren sicher eher Kleinigkeiten, jetzt ist aber erstmals Gutti wirklich angreifbar und in Thüringen läuft der Wahlkampf offenbar generell schief. Ohje, wer sagte kürzlich noch die CDU sei problemlos in der Lage sich noch selbst zu schlagen?

2) Martin, Samstag, 15. August 2009, 09:51 Uhr

P.S.: Und den seltsamen Kleinkrieg mit der FDP hab ich sogar noch vergessen..

3) m.spreng, Samstag, 15. August 2009, 11:35 Uhr

@martin

Natürlich können Berater solche Fehler verhindern, denn die Interviews werden autorisiert.

4) shd, Samstag, 15. August 2009, 11:51 Uhr

Vielleicht hat Herr Althaus auch einfach bundespolitische Ambitionen und will sich auf diese Art und Weise bei den Westdeutschen beliebt machen? 🙂

5) EF, Samstag, 15. August 2009, 15:16 Uhr

Hallo Herr Spreng,
bei der Verwechslung von Brutto und Netto gibt es noch ein aktuelleres Beispiel aus dem Jahre 2005…
Viele Grüße

6) Oliver Neukum, Sonntag, 16. August 2009, 14:47 Uhr

Kann man wirklich davon ausgehen, dass heute noch ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Ostförderung und Solidarzuschlag gesehen wird?

7) Thomas B, Montag, 17. August 2009, 18:27 Uhr

Wenn man als Ostdeutscher Ministerpräsident über die Abschaffung des Soli spricht kann man sich doch da keine Freunde machen, oder täusche ich mich?

Der Skiunfall ist eine persönliche Tragödie sowohl für das Opfer und die Familie der selbigen wie auch für Herrn Althaus. Dazu verbietet sich aus meiner Sicht jeder Kommentar oder Beurteilung.

8) Martin, Dienstag, 18. August 2009, 09:25 Uhr

@Thomas B:
Aber Dir ist schon aufgefallen, dass es bisher tatsächlich so gut wie keinen Kommentar dazu gab? Das war auch ok so – wenn aber Althaus nun anfängt mit genau diesem Thema Wahlkampf zu machen und das tut er nach einhelliger Meinung, dann hat ER das zum Thema gemacht und ER um Kommentare dazu gebeten. Damit verbietet sich nichts!

9) marcpool, Sonntag, 30. August 2009, 14:15 Uhr

Herrn Althaus wurde ja ein schweres Schädel-Hirn Trauma bescheinigt ? Ob so oder so- es ist auf jeden Fall unethisch sich jetzt darüber ” soo ” zu äussern. Ich nehme ihm ja ab , das es ihn quält und belastet, aber besser wäre dann gewesen – eine Auszeit einzulegen, und nach einer Phase der Erholung ggfs. in Berlin wieder einzusteigen. Jetzt scheint ihm diese Option auch wegzurutschen – und alles nur wegen der Zügel der Macht. Schuld und Sühne – hier wird sie neu geschrieben .

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