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Warum zieht zu Guttenberg nicht?

Karl Theodor zu Guttenberg ist Deutschlands beliebtester Minister, ihm schlägt eine Woge der Sympathie entgegen, seine Veranstaltungen sind überfüllt, die Bundestagskandidaten der CDU/CSU prügeln sich fast um einen Auftritt zu Guttenbergs in ihrem Wahlkreis. Er steht für die Wiederentdeckung von Prinzipien in der Politik, für geistige Unabhängigkeit, für die Rückkehr marktwirtschaftlichen Denkens in der CDU/CSU. Eigentlich ist alles ganz prima. Jede Partei ist zu beneiden, die einen solchen Shooting-Star in ihren Reihen hat.

Das ist die eine Seite der Medaille, die andere aber ist deutlich glanzloser: Bis heute hat zu Guttenberg offenbar noch keinen einzigen Wähler, der wegen der angeblichen “Sozialdemokratisierung” von der CDU/CSU zur FDP abgewandert ist, zurückholen können. Dabei müssten sie in Scharen zurückkommen. Diese Wähler könnten sich jetzt doch sagen: Wegen zu Guttenberg können wir wieder CDU wählen. Zu Guttenberg müsste die FDP doch entzaubern, teilweise überflüssig machen, sie wieder auf Normalmaß stutzen – ohne millionenfache Stimmspenden von der Union.

Aber nichts dergleichen passiert. Die FDP sonnt sich in den Umfragen unverändert in Werten zwischen 13 und 15 Prozent, die CDU/CSU dümpelt um die 35 Prozent herum. Halten die Wechselwähler, die statt CDU die FDP wählen wollen, den Wirtschaftsminister nur für eine schöne Marketing-Idee, für eine zwar bewunderte Medienfigur, aber nur für die Sahne auf einem für sie ungenießbaren Kuchen?

Warum ist zu Guttenberg zwar beliebt, zieht aber nicht bei den Wählern, für die er erfunden worden ist? Warum werden aus seiner Beliebtheit keine Wählerstimmen? Dafür gibt es nur eine Erklärung: Die Wähler wollen auf Nummer Sicher gehen. Sie glauben offenbar nicht, dass zu Guttenberg relevant für den Kurs der CDU/CSU ist, dass er ihn bestimmen oder auch nur mitbestimmen kann. Sie finden ihn zwar gut, erwarten aber nicht, dass er sich bei Angela Merkel politisch durchsetzen kann. Die Kanzlerin mache doch ohnehin, was sie wolle. Sie steuere heute schon die nächste große Koalition an. Und daran könne zu Guttenberg genauso wenig ändern wie an Merkels Opel-Entscheidung.

Beliebtheit ohne Durchsetzungsmacht – das wäre ein zu dünnes Eis, auf dem zu Guttenberg seine Pirouetten dreht. Da kann einer leicht einbrechen.