Bonn und die Mafia
Die beliebteste Politiker-Kantine in Bonn war die “Cäcilienhöhe” – das Restaurant von Bruno, einem schlauen, gemütlichen, beleibten Italiener, der den Politikern das Gefühl gab, bei ihm zu Hause zu sein. An manchen Abenden saßen hier das halbe Kabinett und die Spitzen der Opposition. Und mit einigen – wie Hans Jochen Vogel – war der sympathische Bruno auch befreundet.
Wie fast alle italienischen Restaurants war auch das von Bruno nicht sicher vor der Mafia. Eines abends kreuzten vier Männer auf der Cäcilienhöhe auf, die auch schon äußerlich dem Mafia-Klischee entsprachen, setzten sich an einen Tisch und fingen schon nach kurzer Zeit mit lautstarken Beschwerden an, pöbelten die Bedienung an und drohten so, die anderen Gäste zu vertreiben. Der klassische Auftakt für eine Schutzgelderpressung. Bruno, der immer an einem kleinen Tisch mitten im Restaurant saß, sah sich das eine Weile an, ging dann an den Tisch und forderte die vier auf, zu gehen.
Als die mutmaßlichen Schutzgelderpresser darauf noch lauter und unangenehmer wurden, sagte er:”Ich habe unter meinem Tisch einen Alarmknopf mit direktem Draht zum BKA. Der wurde aus Sicherheitsgründen installiert, weil hier so viele Spitzenpolitiker verkehren. Wenn ich den drücke, ist in Minuten das ganze Lokal von Polizei umstellt”. Sofort räumten die vier Mafiosi das Restaurant und wurden nie mehr gesehen.
Den Alarmknopf hat es übrigens nie gegeben.
Als ein Kollege erpresst werden sollte, gingen fast alle italienischen Wirte in Bonn – darunter auch Bruno – mit Baseballschlägern bewaffnet zum Treffpunkt der Geldübergabe auf einem Parkplatz. Angesichts dieser Übermacht zogen es die Mafiosi vor, nicht mehr zu erscheinen.










