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Merkels Achillesferse

Die CDU hatte von Anfang eine Doppel-Strategie für die Bundestagswahl: Angela Merkel gibt die sachliche, ruhige, um Deutschland besorgte Kanzlerin und ab dem 30. August wird aus der zweiten Reihe gegen Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün geholzt. Das Saarland sollte dafür die Steilvorlage liefern, denn schon vor einem Jahr sah es so aus, als sei Peter Müllers Zeit als Ministerpräsident abgelaufen. Deshalb musste er auf Druck von Merkel auch unbedingt vor der Bundestagswahl und zeitnah wählen lassen, damit der Schlussakkord für den 27. September im Saarland gesetzt wird. Sie wird ihm dafür ein schönes Ministerium in einer schwarz-gelben Regierung versprochen haben.

Jetzt aber zeigt die CDU-Strategie ihre Schwächen. Denn in der CDU war man davon ausgegangen, dass Oskar Lafontaines Linkspartei stärker wird als die SPD. Lafontaine – das personifizierte Schreckensbild für die letzten vier Wahlkampfwochen. Das hätte gut gepasst, um die CDU-Stammwähler zu mobilisieren, die bisher von Angela Merkels Wahlkampfvermeidungswahlkampf  noch nicht zur Stimmabgabe abgeholt worden sind. Aber die Politik ist bekanntermaßen kein Wunschkonzert. Das hat schon Helmut Kohl 1998 erleben müssen, als er unbedingt Lafontaine als vermeintlich leichteren Gegenkandidaten haben wollte.

Jetz heißt die mögliche Verkörperung von Rot-Rot-Grün im ersten westlichen Bundesland Heiko Maas. Der freundliche-glatte Genosse ist nicht so leicht zu packen und wie Lafontaine zur Horrorfigur aufzublasen. Der erste Riss in der CDU-Strategie. Der zweite könnte sein, dass die SPD, die bei der Bundestagswahl ohnehin nicht mehr viel zu verlieren hat, sich für Rot-Rot-Grün nicht – wie erwartet – entschuldigt und in die Defensive gerät, sondern die neue Konstellation als Erfolgsmodell zur Wiedererlangung sozialdemokratisch geführter Regierungsmacht offensiv vertritt. Frank Walter Steinmeier argumentiert schon in diese Richtung.

Das wäre der zweite Riss in der CDU-Strategie, der noch verschärft würde, wenn es auch in Thüringen für Rot-Rot-Grün reichen und es zur Regierungsbildung kommen sollte, weil Bodo Ramelow von der „Linken“ so klug ist, auf das Amt des Ministerpräsidenten zu verzichten. Dann gäbe es plötzlich vor der Bundestagswahl zwei neue designierte SPD-Ministerpräsidenten und die schöne CDU-Strategie wäre futsch. Dann müsste Angela Merkel ihre Stammwähler doch noch selbst mobilisieren.