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Sieben Sekunden zu wenig

Werbeagenturen haben es in Wahlkämpfen schwer. Die einen verstehen nichts von Politik, die anderen fühlen sich mit ihrer Kreativität eingeschnürt in ein enges Korsett politischer Vorgaben. Das Ergebnis sind meist halbherzige, uninspirierte Kampagnen, mit denen am Ende weder Agentur noch Partei zufrieden sind. Und die Parteien beschäftigen häufig zwei Agenturen, was in der Regel nicht zu doppelter Kreativität, sondern nur zu Rivalitäten und zur gegenseitigen Behinderung führt.

So war es auch 2002 und ich war für Edmund Stoibers Kampagne der Dompteur. Das Ergebnis war ein grafisch sehr gut gelöstes Plakat in Form eines Triptychons von zwei Stoiber-Köpfen und seinen Händen mit dem Slogan „Spröde. Kantig. Unverschämt erfolgreich“. Nicht schlecht, wer aber die Selbsteinschätzung von Politikern kennt, der wusste, dass Stoiber dies nie akzeptieren würde. Er hielt sich für einen Volkstribun, nicht für spröde. Nach langen Diskussionen einigten wir uns auf einen Kompromiß: „Kantig. Echt. Erfolgreich.“

Ein besonders Ärgernis war der TV-Spot Stoiber/Merkel, der einen ganzen Tag lang mit ungeheurem Aufwand, dutzenden von Statisten von einem superteuren Star-Regisseur gedreht wurde. Er kostete (neben aufwendiger weiterer Aufnahmen) rund eine Million.

Als dann Stoiber seinen Text über die Schlußsequenz sprechen sollte, stellte sich heraus, dass am Ende des Spots sieben Sekunden fehlten. Kein Problem, dachte ich, nachdem mit so viel Aufwand gedreht worden war. Ein großer Irrtum: von der Schlußszene, bei der Merkel und Stoiber durch die Kurhalle von Bad Tölz schwebten, gab es keinen einzigen zusätzlichen Meter. Auch mein einziger Tobsuchtsanfall im Wahlkampf konnte daran nichts ändern. Der Regisseur war mit seinem Werk zufrieden gewesen, die Interessen des Auftraggebers waren ihm gleichgültig.