Sonntag, 20. September 2009, 22:59 Uhr

Wie Ron Sommer stürzte

Mitten in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes 2002 stürzte Ron Sommer. Die Bundesregierung zwang den Telekom-Chef zum Rücktritt. Gerhard Schröder, dessen Wahlchancen zu diesem Zeitpunkt schlecht aussahen, wollte Ballast abwerfen. So kam es dazu:

CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber thematisierte schon 2002 die überhöhten Managergehälter – am Beispiel der Telekom: Es könne nicht sein, dass die Gehälter der Telekom-Vorstandsmitglieder um 90 Prozent steigen, während gleichzeitig die Volksaktie 90 Prozent ihres Wertes verliere. Dies erklärte Stoiber immer wieder in Reden und Interviews. So auch beim BILD-Printduell mit Schröder. Er wollte damit Schröder als obersten „Chef“ des staatlichen Unternehmens (der Bund war noch Hauptanteilseigner) als sozial unsensibel ins Abseits stellen, weil er nichts gegen diese Ungerechtigkeit unternehme. Die Diskussion zwischen den beiden über die Telekom, bei der Schröder keine gute Figur machte, nahm im BILD-Duell fast ein Drittel des Raumes ein.

Es sollte montags veröffentlicht werden, freitags trafen sich die Unterhändler beider Seiten (auf SPD-Seite war Regierungssprecher Bela Anda federführend), um den Text zu autorisieren. Anda warb nachdrücklich dafür, die Passagen ganz zu streichen. Angeblich interessiere das die Leser nicht. Wir gaben keinen Millimeter nach. So war freitags klar, dass die Telekom in dem Printduell, das am Montag erscheinen sollte, einen Schwerpunkt bilden würde. Die Regierungsseite steckte daraufhin dem „Spiegel“ und „Focus“, dass Ron Sommer abgelöst werde. Der „Spiegel“ ging wegen seiner damaligen Nähe zur Telekom nicht darauf ein, „Focus“ meldete aber Ron Sommers Ende vorab.

So war Sommers Schicksal besiegelt, bevor BILD auf den Markt kam. Am 16. Juli 2002 trat er zurück, weil er nicht mehr des Vertrauen des Aufsichtsrates habe.

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