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Montag, 28. September 2009, 09:00 Uhr

Als es bei Kohl knirschte

Beziehungen zwischen Spitzenpolitikern und Journalisten leiden an einem prinzipiellen Missverständnis. Politiker verstehen nicht, dass Journalisten auch dann, wenn sie freundlich und vertrauensvoll mit ihnen umgehen, auf der anderen Seite des Tisches sitzen. Dass einen Journalisten der noch so netteste Abend nicht davon abhält, am nächsten Tag kritisch über sie zu schreiben. Politiker glauben stattdessen, sie hätten einen Kombattanten, einen Gefolgsmann gewonnen. Werden sie dann enttäuscht, wird aus dem vermeintlichen Freund ein Feind – was Journalisten ihrerseits nicht verstehen können.

An diesem Mißverständnis scheiterte sowohl meine Beziehung zu Helmut Kohl als auch zu Gerhard Schröder. Bei Kohl war es ganz schlimm. Als ich von BILD zum “Express” wechselte, bat er mich noch zum Vier-Augen-Gespräch, um mir alles Gute zu wünschen. Wenige Monate später aber, als ich im Zusammenhang mit der Wörner/Kießling-Affäre sehr kritische Kommentare auch über den Kanzler schrieb, wurde ich zum Feind, den es mit allen Mitteln zu bekämpfen galt. Ganz schlimm wurde es, als ich auch als Chefredakteur der “Bild am Sonntag” häufiger Kohls Politik und seinen Regierungsstil kritisierte. Er versuchte mehrmals, über seinen Freund Leo Kirch, dem mächtigen Anteilseigner bei Springer, meinen Rauswurf zu erreichen. Kohls Verfolgungswahn ging so weit, dass er “Bild am Sonntag” (immerhin damals 12 Millionen Leser) nur noch dann Interviews geben wollte, wenn ich nicht daran teilnahm. Meine Linie war klar: entweder er akzeptiert den Chefredakteur als Interviewpartner oder wir verzichten auf das Interview. Das hatte mehrere Jahre Funkstille zur Folge,

Im Wahlkampf 1998, als es für ihn immer enger wurde, wollte Kohl aber auf die 12 Millionen Leser nicht länger verzichten und empfing einen Kollegen und mich im Kanzleramt zum Interview. Die Atmosphäre war eisig, er krallte sich sich aus Ärger so sehr an die Stuhllehne, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Und es knirschte immmer so merkwürdig während des Interviews. Es waren nicht seine Zähne, sondern – wie mein Kollege beobachtete – Kohl rieb während des ganzen Interviews die Fersen seiner Schuhe aneinander, um seine unterdrückte Spannung abzubauen.

Die Wahlniederlage hat uns beide dann davor bewahrt, uns wieder treffen zu müssen.

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1 Kommentare

1) Hans Hütt, Mittwoch, 30. September 2009, 12:01 Uhr

Lieber Herr Spreng,

Sie wissen, dass es für Journalisten, die nicht ganz in Acht und Bann getan waren wie Sie, den guten und den schlechten Italiener in Bonn gab. Kohl achtete persönlich darauf, dass diese Abfütterungsabfertigung eingehalten wurde.

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