Sonntag, 18. Oktober 2009, 12:53 Uhr

Wer wird der deutsche Pim Fortuyn?

Der Fall Thilo Sarrazin wird langsam interessant. Nicht Thilo Sarrazin selbst, sondern das, was er ausgelöst hat. Sarrazin selbst ist ein Berufsprovokateur, der den Finger zwar häufig in die richtige Wunde legt, aber gleichzeitig Salz und Pfeffer hineinschüttet, bis es eitert. Über seine wirre Mischung aus arroganter, elitärer und rassistischer Gesellschaftsanalyse ist eigentlich alles gesagt. Sarrazin glaubt offenbar, man könne sich eine Gesellschaft basteln, wenn man die aus seiner Sicht Unnützen  abweist und nur die Nützlichen in sie hineinlässt. Und wer entscheidet über nützlich oder unnütz? Wer Sarrazins Analyse weiterdenkt, landet dann schnell bei nazistischem Gedankengut. Da hat der Zentralrat der Juden recht.

Spannender ist das, was er ausgelöst hat, wer ihn im Namen der Meinungsfreiheit verteidigt. Das reicht von der FAZ bis BILD, von ganz rechts bis zu Hans-Olaf Henkel und Edmund Stoiber – unter Beifall der Jungen Union. Ausgerechnet der Noch-Sozialdemokrat Sarrazin ist zum Kristallisationspunkt für die gesellschaftlichen Ängste der Konservativen geworden, für diejenigen, die sich in der heutigen CDU/CSU nicht mehr wiederfinden. Offensichtlich gibt es rechts von der CDU Angela Merkels eine größere Lücke, als bisher gedacht. 

Die Modernisierung und kulturelle Öffnung der CDU unter Merkel (und auch der CSU unter Seehofer) lässt Wähler zurück, die politisch heimatlos geworden sind. Diese heimatlosen Rechtskonservativen gab es schon immer. Mal scharten sie sich um Möllemann, der aus der FDP eine Haider-Partei machen wollte, mal um Alexander von Stahl, den ehemaligen Generalbundesanwalt. Aber unter Merkel reicht diese Heimatlosigkeit bis tief in die konservativen Wählerschichten der CDU. Diese Wähler sind am 27. September zu Hause geblieben. Diese schweigende Minderheit sehnt sich nach Idolen, nach Führungsfiguren, die „endlich einmal die Wahrheit sagen“, die all das aussprechen, was nach der political correctness nicht mehr ausgesprochen werden darf. Und so wurde Sarrazin ihr Held: Wenigstens einer, der noch Mut hat.

Diese heimatlosen Wähler sind bisher für Angela Merkel nicht gefährlich. Denn mehr als zu Hause bleiben können sie nicht. Denn sie würden nie NPD wählen, die ist ihnen zu unfein und pöbelhaft. Aber sie sind auf der Suche. Wenn es einen prominenten Politiker gäbe, der sich an die Spitze einer demokratischen Partei rechts von der CDU stellen würde, wenn es diese Kristallisationsfigur gäbe, dann würde diese neue konservative Partei auch schnell entstehen. Und sie würde auch Erfolg haben, denn Angela Merkel hat gerade im Wahlkampf 2009 wieder deutlich gemacht, dass sie diese Klientel nicht bedienen will und kann. Sie ist kein Strauß und kein Stoiber, die es immer wieder verstanden hatten, den rechten Rand zu integrieren.

Es könnte also in den nächsten Jahren wirklich spannend werden. Aus dem neuen Fünf-Parteien-System kann auch ein Sechs-Parteien-System werden. Andere Länder haben es vorgemacht. Wer wird der deutsche Pim Fortuyn?

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32 Kommentare

1) bosch, Sonntag, 18. Oktober 2009, 13:21 Uhr

Ein Richter-Schill-Typ auf Bundesebene? In Hamburg konnte er auf Anhieb 20 % der Wähler mobilisieren – und Herr von Beust war sich nicht zu fein, sich von ihm zum Bürgermeister machen zu lassen.

2) Christian, Sonntag, 18. Oktober 2009, 13:25 Uhr

Bei der Aufzählung fehlt noch Ronald Schill.
Bzgl. der Neugründung: Wie wäre es mit Friedrich Merz?

3) Erich von Halacz, Sonntag, 18. Oktober 2009, 13:34 Uhr

Ein deutscher Pim Fortuyn ? Wissen Sie noch, wie das Leben dieses Herrn endete ? Also ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich möchte nicht von einem militanten Veganer und Tierrechtler ermordet werden. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen in Deutschland gibt, die sich so etwas wünschen würden. (Muss ja kein militanter Veganer oder Tierrechtler sein, aber es gibt ja leider genug andere gewaltbereite Menschen, die zu etwas in der Lage wären.)
Und was mit Parteien passiert, die nur auf eine einzelne Person ausgerichtet sind (die dann irgendwann einfach nicht mehr „da sind“ (warum auch immer: z.B. Rückzug aus der Politk, Todesfall etc.)), hat man auch sehr gut bei der Partei von Herrn Fortuyn gesehen : Nach Streit, Parteiaustritten der gesamten Fraktion und anderen Querelen löste sich die Partei 2007 selbst auf.

4) Andreas, Sonntag, 18. Oktober 2009, 14:17 Uhr

Tut sich da nicht ein viel größeres Loch an ganz anderer Stelle
im Parteiensystem auf? In Deutschland gibt es keine größere
gemäßigt-demokratische europa-skeptische Partei, vergleichbar
der britischen UKIP, oder vielleicht auch der französischen MPF.
Und Europaskepsis hat gerade Hochkonjunktur.

5) riccardo, Sonntag, 18. Oktober 2009, 15:02 Uhr

Sehr richtig @bosch, aber der Fall Schill blieb folgenlos, weil Schill das Charisma fehlte. Außerdem waren seine Wähler mitnichten nur heimatlose Rechtskonservative, sondern zum großen Teil ehemalige SPD-Wähler, die der atemberaubenden Realitätsverweigerung der damaligen Regierung nicht mehr folgen konnten. Da Pim Fortuyn´s politisches Wirken fast ausschließlich der Bekämpfung des Islam und der Überfremdung in Holland galt, käme es für die Frage ob ein deutscher Pim Fortuyn auftreten könnte ebenfalls darauf an, ob die deutsche Bevölkerung die Zunahme des islamischen Einflusses in Deutschland hinzunehmen bereit ist oder nicht. Ich glaube also im Gegensatz zu M.Spreng nicht daran, dass nur eine kulturelle Öffnung der CDU zum Auftauchen eines derartigen Phänomens führen könnte. Da muss schon mehr passieren.

6) Andi, Sonntag, 18. Oktober 2009, 16:06 Uhr

@ Andreas:
Was ist denn eine „gemäßigt-demokratische“ Partei?

@riccardo:
Schill fehlte vor allem das Personal, und genau das ist die riesengrosse Hürde bei einer Neugründung: Man braucht eine ganze Reihe fähiger Leute, um aus einem Personenkult eine (auch und gerade vom Wähler) ernstzunehmende politische Kraft oder gar die von Herrn Spreng angesprochene sechste (im Parlament siebte) Partei im Spektrum zu machen. Wenn ausser dem Volkstribun nur Nulpen antreten, reicht es bestenfalls für einen kurzlebigen Überraschungserfolg wie eben in HH. (Man darf allerdings gespannt sein, wie sich das mit der NPD in Sachsen weiterhin entwickelt.)

Die Grünen konnten auf ein sehr weitreichendes Konglomerat verschiedener Unzufriedenheiten von Umweltschutz über mehr oder weniger radikalen Pazifismus bis hin zu latenter Utopiesucht stützen; bei der PDS/Linkspartei gab es im Osten eine etablierte Personal- und Organisationsstruktur und im Westen einen regen Zufluss von erfahrenen Gewerkschaftern und Ex-Sozis. Beides – eine breite gesellschaftliche Grundströmung und personelle Aderlässe aus bestehenden Parteien – kann ich bezüglich des Integrationsthemas bislang nicht erkennen. Zudem ist auf rechter Seite die Wählerschaft Experimenten deutlich weniger zugeneigt als auf der linken Seite, wo das ja allmählich schon zur Folklore wird.

Ich stimme Herrn Spreng aber ausdrücklich zu, dass sich in der CDU allmählich eine Blase der Unzufriedenheit mit Merkel und der gefühlten Heimatlosigkeit innerhalb der Partei aufbaut, die irgendwann auf eher unschöne Weise platzen wird. Ich glaube aber nicht, dass das in eine neue Partei mündet. Ich rechne eher damit, dass es entweder in drei (wenn’s schlecht läuft) oder spätestens in fünf/sechs Jahren passieren wird, wenn Merkel eine Nachfolgedebatte nicht mehr verhindern kann.

7) Peter, Sonntag, 18. Oktober 2009, 18:03 Uhr

Ihr Kommentar *
Ja, Herr Sarrazin hat sich aufs Glatteis begeben.
Aber, Herr Spreng, da gleich dir direkte Linie zum Nazi zu ziehen, greift etwas kurz und riecht nach der deutschen Betroffenheits-Soße a la Claudia Roth.
Es ist ja nicht weniger faschistoid, die Probleme zu ignoreiren und dem Volk das Maul zu verbieten,
der Presse vorzuschreiben, was sie zu verschweigen hat und der Polizei, wie Verdächtige zu beschreiben sind.
Zwei Seiten einer Medaille, oder? Wir leiden ja grad unter dieser anderen Art „arroganter, elitärer und rassistischer Gesellschaftsanalyse“, die das Volk nur noch als Umfrage-Statisterie benutzt und als Tapete für abgedroschene Multi-Kulti-Demagogie.

8) jmeier, Sonntag, 18. Oktober 2009, 18:16 Uhr

„Sarrazin glaubt offenbar, man könne sich eine Gesellschaft basteln, wenn man die aus seiner Sicht Unnützen abweist und nur die Nützlichen in sie hineinlässt. Und wer entscheidet über nützlich oder unnütz?“

Hier tun Sie so, als ob Sarrazin nach seinen persönlichen Vorlieben über nützlich und unnütz urteilt. Meinen sie wirklich? Schauen Sie sich bei Gelegenheit das Interview an. Sie müssen zugeben, dass die Probleme ernstzunehmen sind, die Sarrazin benennt.

„Wer Sarrazins Analyse weiterdenkt, landet dann schnell bei nazistischem Gedankengut.“

Hier erwecken Sie den Eindruck, dass Nazi-Gedanken die logische Konsequenz von Sarrazins Analysen sind. Die eigentliche Konsequenz ist aber, dass wir eine intelligentere Integrationspolitik brauchen. Sarrazin macht ein paar Vorschläge, die mit den Ideen der Nazis rein gar nichts zu tun haben. Was sie machen ist „die Hitlerkarte spielen“. Nicht sehr überzeugend in diesem Fall.

9) marcpool, Sonntag, 18. Oktober 2009, 18:24 Uhr

Es wird nicht so ohne Weiteres passieren. Aber innerhalb der CDU “ brodelt “ es schon an einigen Ecken und Kanten, nachdem die Stimmen der christlichen Partei auch nicht gewachsen sind. Trotz eines erheblichen Kanzlerinnen Bonus. Wie schnell Menschen die Seite wechseln koennen, haben wir vor allem in Bayern gesehen. Hier waren es die “ Freien Wähler “ die besonders dazu beigetragen haben das es zu mächtigen Stimmenverschiebungen kam . Und die CSU auch nachher nch so tat das das ja eigentlich ihre Wähler seien, und wieder zurückkommen der Bundestagswahl. Aber Denkste ! Und dies ist in der Tat spannend. Denn so wie es aussieht wird auch diese neue Koalition nicht dieses Spektrum bedienen.
Missfelder koennte auch so ein Kandidat sein , der wenn es ihm zu “ bunt “ wird evtl. solche Gedanken voran trägt, und mit schon verprellten wie Merz etc. koennte der Zwist nach aussen gelegt werden- also mit einer neuen Splitterung. Nachdem sich Frau Merkel augenscheinlich auch nicht aus ihrer “ mitte “ bewegt, wird der Unmut auch dadurch nicht besser, das man auf die Macht verweisen kann. Was einen Olaf Henkel angeht – so würde ich ihm empfehlen jetzt mal in seine Rente zu gehen und auch dort zu bleiben . Und die Fernsehsender sollten mal aufhören immer wieder dieselben Meinungen in Talk shows anzubieten. Eines scheint ja wohl jetzt eher sicher- Westerwelle werden wir nicht mehr sehr häufig sehen . Und das ist auch gut so !

10) Andreas, Sonntag, 18. Oktober 2009, 19:23 Uhr

Pardon, „gemäßigt-demokratisch“ ist natürlich Quatsch.
Das bekommt man, wenn man via UKIP an „gemäßigt-konservativ“
denken muss, aber eigentlich „Partei nahe der Mitte“ schreiben will 😉
Also vielleicht „gemäßigte, demokratische Partei“.

11) ansi_c, Sonntag, 18. Oktober 2009, 20:42 Uhr

Ich stimme Ihrer Analyse der Folgen der aktuellen CDU/CSU Politik überwiegend zu. Ich denke ebenfalls, dass ein breiter Teil der Unions- bzw. jetzt Nichtwähler den Linksruck und die Mutlosigkeit in der Union bedauern.
Sie haben die Rolle der FDP in diesem Zusammenhang nicht erwähnt. Befreit man sich vom Lagerdenken und beschränkt die von Ihnen genannten Folgen auf folgende Ursache: Das Einerlei der Politik und den fehlenden Mut Wahrheiten auszusprechen und offensichtliche Systemanomalien (z.B. die Institutionen GEZ oder die Kassenärztliche Vereinigung) ohne Rücksicht auf etablierte Kasten anzugehen. Dann könnte man einen Teil der Zustimmung der FDP auf eben diese enttäuschten Erwartungen zurückführen. Bleibt nun auch die FDP in Regierungsverantwortung konsequente Schritte schuldig, werden wir bei der nächsten BTW starke Verwerfungen sehen.
Die Rechten Parteien bleiben unwählbar. Aber jeder halbwegs charismatische, gerne auch ein Politik-Newcomer, der glaubhaft vermitteln kann nicht schon Parteioberen oder Lobbyisten verpflichtet zu sein, wird durchstarten.

Dann hat die Union ihre „DIE LINKE“ wahrscheinlich unter anderem Namen. 😉

@Andreas: Ich kann in diesen Tagen keine gesteigerte Europaskepsis wahrnehmen.

12) Klaus Klausen, Sonntag, 18. Oktober 2009, 22:43 Uhr

Ich finde diesen Nazi-Vergleich unerträglich. Da werden einmal Ross und Reiter genannt, aber das ist alles viel zu konkret und wird als Diffamierung ausgegeben. Eine klare, offene Analyse ist jedoch notwendig, um auch handeln zu können. Und es besteht schon der Eindruck, dass nichts passiert – gefühlt? tatsächlich?. Es ist ja auch unmöglich, ein ordentliches Integrationsangebot bereitzustellen, wenn es ja kaum ein Integrationsproblem gibt. Ein paar Aspekte dazu:
In anderen Einwanderungsländern (z.B. USA, Australien) gibt ein Scoring-System, wo genau definiert ist, welche Qualifikationen und Fähigkeiten gebraucht werden, da fehlen. In Deutschland nicht.
Es gibt einen großen Komplex an Sozialarbeitern, Jugendarbeitern, etc., die sich rührend und liebevoll, aber ohne Erfolg um das nicht vorhandene Problem kümmern.
Und der Staat kann es ‚besser‘: Wenn ich daran denke, bis zu welchem Detaillierungsgrad das Finanzamt Einblick in meine private Lebensführung nimmt, kann ich nicht glauben, dass es Parall-Gesellschaften geben kann.
Also bewusst verschwiegen von Gutmenschen und solchen, die davon leben, und solchen Politikern, die solch schwierige Themen nicht angehen wollen (wahrscheinlich auch, weil sie sofort die Nazi-Keule trifft)
Und natürlich nervt mich als Angestellten im Einkommensspitzensteuersatzbereich eine Gesamt-Steuerquote von <60%, wenn dann das Geld mit Füllhörnern ausgeschüttet wird. Keiner hat Probleme mit z.B. 40.000 schlecht integrierten Japanern in Düsseldorf, aber viele sehen 40.000 schlecht integrierte Türken kritisch – weil letztere eben zum Großteil von den Sozialsystemen leben. Und niemand würde auf die Idee kommen wegen der Sozialhilfe in die USA einzuwandern…

Ich finde die inhaltliche Integrationsdebatte gut und richtig – egal unter welchem Label

13) Pat, Montag, 19. Oktober 2009, 08:19 Uhr

Hm, etwas besseres als eine populistische Rechtspartei analog zur populistischen Linkspartei mit der auch niemand koalieren will, könnte SPD und Grünen nicht passieren, denn eine solche Entwicklung würde das konservative Lager insgesamt nachhaltig schwächen, und hierbei vermutlich die sozialen Kräfte stärken. Aber dass vergleichbares passiert, bezweifle ich. Eher wird die Piratenpartei sechste Kraft, die hat jedoch von sämtlichen politischen Lagern abgezwackt, darunter auch vom konservativen.

14) Wolfgang Schäfer, Montag, 19. Oktober 2009, 08:37 Uhr

Ihr Kommentar *“Sarrazin glaubt offenbar, man könne sich eine Gesellschaft basteln, wenn man die aus seiner Sicht Unnützen abweist und nur die Nützlichen in sie hineinlässt. Und wer entscheidet über nützlich oder unnütz?“

Ist Herrn Spreng wirklich unbekannt, daß die klassischen Einwanderungsländer wie z.B. die USA oder Neuseeland sehrwohl eine Selektion vornehmen? Diese Länder lassen selbstverständlich nur die für sie nützlichen Einwanderer ins Land – zumindest nur solche, die ihnen nicht zur Last fallen.

Zum Nazivergleich: einfach indiskutabel!

15) Beatrix Wüstenfeld, Montag, 19. Oktober 2009, 09:34 Uhr

Interesseante Gedanken hier. Aber eine rechtsnationale Partei sehe ich momentan nicht im Entstehen. Eher scheint mir, dass die Mitte sich nach einer glaubwürdigen und engagierten Alternative zu den verwässerten Volksparteien CDU und SPD sehnt. Diese Mitte füllt zur Zeit die FDP aus, die sich jedoch binner kurzer Zeit als marketinggetriebene Luftblase entzaubern wird. In diese Lücke werden dann eher die FREIEN WÄHLER springen, die einer bürgerlichen Klientel eine neue Vision bieten können: unabhängige Köpfe ohne Seilschaftengeruch, sachbezogene Politik ohne ideologische Scheuklappen und bürgernahes Abklopfen jeden Gesetzesvorhabens.

Bei den bundesweit verankerten und in Bayern bereits mit 10,2 Prozent zur drittstärksten Kraft avancierten FREIEN WÄHLERN schlummern Kräfte, die ohne umstürzlerische Radikalität eine Neuformierung des Parteienspektrums einleiten könnten – hin zu mehr Volksbeteiligung und Wahrung der Bürgerrechte. Es ist sogar denkbar, dass die FREIEN WÄHLER zu Allianzen mit Piraten- und Rentnerparteien finden – gut 20 Prozent Stimmanteil würde ich so einer Formation schon zubilligen und erwarten, dass sie sich dauerhaft in unserem politischen System festsetzt.

Siehe auch http://www.Freie-Waehler-Deutschland.de oder http://www.FreieWaehler-HH.de.

16) Janissary, Montag, 19. Oktober 2009, 09:48 Uhr

Anstatt mit Sachargumenten zu hantieren holen Sie die Nazikeule der Alt-68er-Generation heraus.
Man muss sich doch fragen was an dem was Sarrazin sagt falsch ist.
Tipp: Gehen Sie mal (wenn Sie Zeit haben) zum Sozialamt in sozialen Brennpunkte wie
Berlin-Neukölln, Berlin-Kreuzberg, Köln-Mühlheim, Hamburg-Wilhelmsburg, Hamburg-Altona usw.
Das ist die derzeitige realität. Wenn Sie können empfehle ich Ihnen auch die Gefängnisse dieser Republik zu besuchen um zu sehen wer und welche Bevölkerungsgruppen dominieren.
Kurzum: Die Integrationspolitik bzw. der Multikultitraum sind kläglich gescheitert

17) Roland, Montag, 19. Oktober 2009, 09:58 Uhr

Ihr Kommentar *
Lieber Herr Spreng!
Was soll der blöde Nazivergleich! jeder Staat der Welt selktiert seine Einwanderer- außer Deutschland!
Warum auch nicht?
Übrigens wollte Sarrazin (übrigens ein Nachfahre muslimischer Emigranten aus Spanien nach Frankreich, die dann als Hugenotten nach Berlin kamen, jede Menge vietnamesischer und jüdischer Emigranten ins Land holen!

Warum müssen wir aber Islamisten, Frauen- und Schwulen- und Judenhassende Zuwanderer ins Land holen, die zu 90% von Sozialkassen leben werden?

18) Wack, Montag, 19. Oktober 2009, 12:33 Uhr

Ihr Kommentar *
Sorry, Wolfgang Schäfer, Deutschland hat auch schon mal eine Selektion vorgenommen. Und die reicht bis ans Ende der Tage.

Ich stimme Sprengs Hinweis auf das Nazi-Gedankengut bei dem genannten Bundesbanker und Sozialdemokraten ausdrücklich zu.

19) Jack, Montag, 19. Oktober 2009, 15:18 Uhr

Herr Spreng, was die Heimatlosigkeit eines Teils echt konservativer Wähler (was immer das genau sein mag) angeht, stimme ich Ihnen zu. Die überfällige Modernisierung der CDU in der Familien- und Ausländerpolitik lässt eine Lücke, die gar nicht unbedingt von einer rechtsradikalen Partei a la Republikaner, DVU o.ä. gefüllt werden müsste. Eher von Konservativen wie Strauß oder Dregger, natürlich in zeitgemäßer Verpackung, und mit Inhalten, die das Lebensgefühl und Weltbild von Konservativen ansprechen. Das könnten Rentner, traditionelle Einverdienerfamilien, ländliche oder kleinstädtische Wählerschichten sein.
Ob die Freien Wähler auf Bundesebene diese Lücke schließen können, bezweifle ich allerdings. Die Partei gibt es ja schon eine ganze Weile. Auf kommunaler Ebene sehr erfolgreich, weil fehlende Programmatik und Kohärenz dort nicht so wichtig sind. Aber auf Bundesebene?
Ich denke, dass der Backlash eher innerhalb der CDU stattfinden wird – nach Angela Merkel oder in ihrer Endphase. Vielleicht zunächst mit einer Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft. Kunststück wird dann sein, bei konservativen Wählern mehr zu gewinnen als in der Mitte verloren geht.

@Roland
Es geht nicht um eine Einwanderungsdebatte, sondern um die vielen Zuwanderer, die bereits hier sind. Sie zu integrieren ist ein Gebot der Klugheit. Denn sie werden bleiben. Dann sollten sie Teil unserer Gesellschaft sein/werden und ihren Beitrag leisten.

20) Die_echte_CSU, Montag, 19. Oktober 2009, 15:24 Uhr

Ihr Kommentar *
Sehr geehrter Herr Spreng,
Ihr Beitrag beweist, dass Sie das Interview von Herrn Sarrazin nie gelesen haben und nach dem Motto verfahren „Meine Vorurteile stehen fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Fakten“. Als CSU-Funktionsträger möchte ich Ihnen auch im zweiten Teil Ihrer Schlussfolgerungen widersprechen: Sie haben zwar recht, es gibt eine schweigende Mehrheit, deren Meinung in diesem Land weder von den etablierten Parteien noch von den Leitmedien aufgegriffen wird. Es geht aber nicht um heimatlose Rechtskonservative, sondern um die Frage, warum fähige Persönlichkeiten in diesem Land von den immer gleichen Meinungsmachern (Springerpresse, Spiegel, ARD/ZDF, ZdJ, Gewerkschaften etc.) reflexartig angegriffen und beruflich vernichtet werden, wenn sie sich wirklich kritisch äußern und von den üblichen Gemeinplätzen abweichen. Unfähige Leute wie Merkel und der Großteil der heutigen Politkaste werden doch von den Medien und durch Kommentare wie den Ihren seit Jahren gezüchtet. Wenn es heute einen deutschen Pim Fortuyn gäbe, wäre er doch schon längst durch Sie und Ihresgleichen zum Abschuss freigegeben worden. Merken Sie eigentlich nicht, dass das wichtige Gut einer freiheitlichen Demokratie, die Meinungsäußerungsfreiheit in diesem Land tatsächlich ebensowenig existiert wie in Ländern, die wir ansonsten immer wieder gerne wegen Menschenrechtsverletzungen kritisieren?

21) m.spreng, Montag, 19. Oktober 2009, 18:17 Uhr

Sarrazin benutzt eine menschenverachtende Sprache („Kopftuchmädchen produzieren“), selektiert nach Religion, Herkunft und angeblichem IQ und stellt die eine Migrantengruppe (aus der Türkei und arabischen Staaten) als minderwertig dar und andere (osteuropäische Juden) als höherwertig. Das geht in die Richtung, über die ich geschrieben habe, und hat mit amerikanischen oder australischen Einwanderungsbestimmungen nichts zu tun. Deshalb habe ich an meinem Beitrag auch nichts zu ändern und schon gar nichts zurückzunehmen.

22) Renate Solidar, Montag, 19. Oktober 2009, 22:14 Uhr

Ihr Kommentar *

Er hat es wieder geschafft. Ablenkung von seiner eigenen Priviligierung, einschlagen auf die „da unten“. Wer geglaubt hat, das es keinen Klassenkampf mehr gibt, er beweist das Gegenteil.
Nun, zumindestens Unterhaltungswert hat er ja, Kabarettisten haben es schwer mit ihm, er ist einfach selbst zu gut.

23) Wack, Dienstag, 20. Oktober 2009, 14:44 Uhr

Ihr Kommentar *

Da hat „die echte CSU“ aber das eigentliche Objekt ihrer Ressentiments, den Zentralrat der Juden, schön versteckt…lol… aber danke für diesen Beitrag, der einen schönen Einblick in das Seelenleben des echt deutschen Konservativismus gewährt.

@Renate Solidar: Volle Zustimmung.

24) m.spreng, Dienstag, 20. Oktober 2009, 15:09 Uhr

@ Wack

Ich gehe davon aus, dass Sie mit der „echten CSU“ nicht mich gemeint haben. Denn gerade diesen von mir angesprochenen Punkt hatte auch der Zentralrat angegriffen.

25) Wack, Dienstag, 20. Oktober 2009, 16:39 Uhr

Ihr Kommentar *
@m.spreng: Nein. Siehe Post „Die_echte_CSU“, Montag, 19.10.2009, 15.24 Uhr. Gruß aus HH

26) Roland, Dienstag, 20. Oktober 2009, 19:56 Uhr

ARD-Magazin überprüft die Fakten und gibt Sarrazin Recht!

http://www.mdr.de/fakt/6786069.html

Lieber Herr Spreng!
Warum sind Vietnamesen (1 Generation hier) schulisch so erheblich besser als Türken (Dritte Generation?) 30% aller türkischen Schüler in berlin schaffen einen Schulabschluss. Und Sarrazin sagte doch, dass die anderen 70% DER TÜRKEN DAS PROBLEM SIND!

27) Thomas Lange, Dienstag, 20. Oktober 2009, 20:21 Uhr

Das Problem eines deutschen Pim Fortuyn oder Jörg Haider oder irgendeinem anderen Rechtspopulisten ist, zurecht, unsere Vergangenheit. Wir können dankbar sein, dass hier in Deutschland erheblich mehr Sensibilität bei diesem Thema an den Tag gelegt als anderswo. Ein „unbeschränkter“ Populist aus dem rechten Lager hätte bei der „Gemütslage“ Vieler in Deutschland eine echte Chance, aber, und das meine ich vollkommen ernst, kommt es zum Glück gar nicht erst soweit, da die Mahner immer sehr schnell reagieren. Siehe den Fall Möllemann.
Durch unsere Geschichte und ein Aussterben von ehemals Altvorderen haben sich auch die Konservativen von der Einwanderungsfrage verabschiedet. Dennoch gilt es wachsam zu sein. Eine populistische Sammlungsbewegung die quasi die Argumentationen des (ebenfalls) Populisten Lafontaine auf den Kopf stellt und ihr die „Ausländerfrage“ hinzufügt, würde in Deutschland ohne die Entlarvung durch die Öffentlichkeit schnell und effektiv Wähler gewinnen. Wie oben erwähnt, wir dürfen dankbar sein für diese Sensibilisierung.

28) Bogi, Mittwoch, 21. Oktober 2009, 11:16 Uhr

Damit wären wir wieder beim Thema: Die deutschen Parteien und der rechtsgerichtete, zum Teil stark braun angehauchte Rand der Gesellschaft.

In aller Regel wird sogar der braune Bodensatz unserer Gesellschaft von den Politikern noch hofiert – da spricht man dann nicht mehr von „Volksverhetzung“ und „Fremdenfeindlichkeit“ (oder gar „Fremdenhass“), sondern relativiert die Ziele dieser Gruppe auf die Floskel „Angst vor Überfremdung“. Damit nimmt man ihnen das Siegel der Gefährlichkeit, lässt sie gar in eine „Opferrolle“ fallen. Unschön ist das.

Die NPD soll ja auch nicht verboten werden, weil man deren Gedankengut verbieten will; die konservativen Parteien stören sich eher daran, dass die NPD ihnen Wähler wegnimmt.

Insofern habe ich, nach langem Suchen, endlich etwas gefunden, dass ich positiv an Frau Merkel finde: Sie hofiert den rechten Rand nicht mehr, stellt „ihre“ CDU weiter nach links. Das ist schlecht für die Stimmanteile der CDU, aber eigentlich gut für diese Gesellschaft.

Jedenfalls wird es spannend werden, wie sich diese Richtung weiterentwickelt. (Und hoffentlich kommt Frau Pauli nicht jetzt auf die Idee, den deutschen Pim zu geben.)

29) Peter, Sonntag, 25. Oktober 2009, 21:27 Uhr

Ihr Kommentar * Vielleicht Roland Koch (wäre mir auch sympatisch)

30) ßadaßing, Donnerstag, 29. Oktober 2009, 13:02 Uhr

Sarrazin hat generell zwei Volksgruppen genannt, von denen er eine im Land haben will und die andere nicht, weil die eine fleißig ist und die andere faul. Wenn das nicht Rassismus ist, was dann?

31) Stoffbux, Montag, 29. März 2010, 16:24 Uhr

Ach ja, der viel beschworene braune Rand…
Man kann es sich leicht machen und diese breite und übrigens sehr heterogene Gruppe einfach als die unangenehmen Ewiggestrigen verschreien.
Die Gruppe ist groß, und das Schöne ist: jeder kann die Schräubchen nach Gutdünken justieren, wie es ihm passt und auf diese Art wahlweise den teufel an die Wand malen oder eben nicht.
Aber Tatsache bleibt: Diese Menschen haben keine politische Heimat. Was tut der Wähler, der die CDU/CSU nicht mehr für konservativ hält, sich von der Jungen Freiheit aber auch nicht belehren lassen möchte?

Er steht abseits und nimmt weiter übel.
Insofern ist die Frage nach einem deutschen Pim Fortuyn überreif.
Wenn wieder Pappkameraden wie Schönhuber oder Schill auftauchen… gut, die sind schnell wieder weg. Aber jemand wie Heinz-Christian Strache – na, schon was anderes.
Aber vielleicht lässt sich Bundes-Angie demnächst ja doch mal zitieren mit einem Satz wie „Rechts von mir ist die Wand.“

32) Peter Christian Nowak, Samstag, 08. Oktober 2011, 15:44 Uhr

Ein paar Anmerkungen zu Hans-Olaf Henkel. Ich finde, der Mann kommt in den Medien nur allzu oft und zu gut weg, wird viel zu viel in Fernsehsendungen protegiert, und…lässt dort zu viel Blödsinn ab.
Der Mann könnte gut und gerne das Schulterhalfter von Sarah Palin abgeben. S. Palin, die schießwütige ehemalige Miss Gouvernor von Alaska und die gerne Tiere abknallt. Die Parallelen zwischen Henkel und Palin sind augenscheinlich. H&P setzen Zentralstaatlichkeit polemisch unter Beschuss, sind gegen jegliche Form von Sozialstaat, sind überhaupt dagegen, dass Steuern gezahlt werden (wie Peter Sloterdijk) und gegen jede Art von Konjunkturprogrammen. Es sei denn, sie kämen ihrer Klientel zugute. Mit solch Wahnsinnsgedanken wird Obama des leibhaftigen Kommunisten und des Teufels verdächtigt, was Sarah Palin schon schon zum Kyrie-eleison antreibt und gerne die Inquisition nach bekanntem Muster einführen würde. In Kreisen der US-Evangelikalen und den noch schlimmeren Kreationisten hebt man in solchen Momenten schon mal die Arme zum Vater Unser hoch und zitiert Bibelstellen. Ob die dann das alles belegen oder für den neoliberalen Ungeist mißbraucht werden…
Natürlich nutzt der Mann die Ängste einer Bevölkerung, die außer Arbeiten, Sparen, Facebook, Heiraten und dem Häuslebauen (und viel Fernreisen) kaum mehr den Horizont weit über den eigenen Tellerrand besitzt. Woher denn auch. Man frage einmal nach dem Unterschied zwischen Kapitalismus und Neoliberalismus. Falls da überhaupt was kommt, wird man überrascht sein, was da kommt.
Der Wirtschafts- und Finanzspezialist Henkel befürwortet die Apartheid des Euro. In Nord und Süd. Wie das gehen soll in Praxis ist allerdings sein Geheimnis. Notfalls würde er auch den Austritt aus dem Euro befürworten. Das kommt gut an in der Bevölkerung. Die Folgen allerdings würden dort nicht so gut ankommen.

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