Wie ein Herr unter die Räder kam
Hermann Otto Solms gehört zu besten und ehrenwertesten Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Der FDP-Politiker, der sich nie mit seinem Prinzen-Titel schmückte, hatte mit seinen 68 Jahren nur noch einen politischen Traum. Er wollte Finanzminister werden, nicht um sich mit dem Ministertitel zu schmücken, sondern um seine Steuerreform, die Stufenreform, umzusetzen. Dafür wäre er auch bereit gewesen, nach zwei Jahren das Amt wieder aufzugeben. Er war sich sicher, das sein Traum bei Schwarz-Gelb in Erfüllung ginge, denn er hatte die Zusage von Guido Westerwelle.
Bekanntermaßen ist es anders gekommen: er wurde nicht Finanzminister und auch die Stufenreform steht zwar im Koalitionsvertrag, politisch aber in den Sternen. Solms wurde deshalb nicht Finanzminister, weil Westerwelle weder um das Ministerium noch für Solms gekämpft hatte. Dem Parteichef war Rainer Brüderle im Wirtschaftsministerium wichtiger. Denn Brüderle stellt immer noch einen innerparteilichen Machtfaktor dar, während Solms ein sachorientierter Einzelkämpfer ist, von dem Westerwelle glaubt, dass er auf ihn keine Rücksicht mehr nehmen muss. So ist das in der Politik.
Solms, ein wirklicher Herr, bleibt dennoch loyal. Aber er weinte, als sein Traum platzte. Nur einen kleinen Protest erlaubte er sich: er wollte Westerwelles Blumenstrauß nicht haben.










