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Samstag, 31. Oktober 2009, 13:54 Uhr

Tschüss, Bodo Ramelow!

Es gilt, mit einem Mythos aufzuräumen. Der Mythos lautete, Bodo Ramelow, der Chef der Linkspartei in Thüringen, sei einer der begabtesten Strategen der “Linken”, berufen zu Höherem, eigentlich sei er der richtige Vorsitzende der gesamten Partei. Diesen Mythos hat Bodo Ramelow selbst so gründlich zerstört, wie es kein politischer Gegner gekonnt hätte.

Erst platzte wegen seines unprofessionellen und intriganten Verhaltens die geplante Koalition mit der SPD, weil er hinter dem Rücken von SPD-Chef Matschie einen neuen SPD-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten suchte und dabei ausgerechnet bei der Politik-Amateurin Gesine Schwan sondierte. Und dann verschaffte er der neuen CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht bei ihrer Wahl mindestens sieben Stimmen aus den Reihen der oppositionellen FDP und der Grünen – ein  taktischer Super-GAU. Seine Gegenkandidatur, die eine völlige Fehleinschätzung seiner Chancen und Beliebtheit offenbarte, machte aus dem Wahldesaster im ersten und zweiten Wahlgang noch einen Triumph für Lieberknecht.

Den Namen Bodo Ramelow wird man sich nicht länger merken müssen.

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29 Kommentare

1) dissenter, Samstag, 31. Oktober 2009, 14:38 Uhr

Ich bezweifle, dass er sich eine realistische Chance ausgerechnet hat, gewählt zu werden.
Ansonsten gebe ich Ihnen aber Recht. Wenn Christine (nicht Christiane) Lieberknecht im dritten Wahlgang nur mit einer relativen Mehrheit und nicht mit der absoluten Mehrheit ihrer mittelgroßen Koalition gewählt worden wäre, hätte sie als Königin ohne Land gleich wieder zurücktreten können. Von den dann vermutlich folgenden Neuwahlen hätten Ramelow und die Linkspartei nur profitieren können.

2) Odin, Samstag, 31. Oktober 2009, 14:53 Uhr

Früher oder später wäre Frau Lieberknecht ohnehin durchgewunken worden. Was anderes stellt eine temporäre Stimmenverweigerung der mehrheitsfähigen regierenden Koalition dar als eine politische Ohrfeige? Ohrfeige für einen zu sozialendemokratischen Koalitionsvertrag womöglich (seitens der CDU) oder dafür, dass Herr Matschie nicht mit der Linken koalieren wollte (seitens einiger SPD’ler).
Womöglich wollte Ramelow durch seine provozierende Kandidatur nur das Prozedere abkürzen und ja.. wie er sagte Polarisieren.

Gruß.

3) Nrwbasti, Samstag, 31. Oktober 2009, 14:56 Uhr

Hallo Herr Spreng,
Ihr Auftritt bei Frau Illner und die gesante Sendungen war sehr interessant und lebendig.

Zu Ihrem heutigen Beitrag kann ich mich nur zustimmend äußern. Ich persönlich hätte mir zwar auch lieber eine andere politische Konstellation gewünscht, da der Wählerwille sagen sollte, dass die CDU in die Opposition zu gehen hat, aber wieso Herr Ramelow dann im dritten Wahlgang angetreten ist, habe ich auch nicht verstanden.

Ohne diesen Antritt, wäre Frau Lieberknecht eventuell gar nicht gewählt worden. Wie kommen Sie aber darauf, dass die FDP und die Grünen aber dann für Frau Lieberknecht gestimmt haben? Sie hätten sich auch enthalten können.

Einerseits haben diese verdeckten und geheimen Wahlen ihren Charme, weil jeder Abgeordnete seinem Gewissen folgen könnte, andererseits wäre es wohl das Ende für viele stabile Regierungskonstellationen.

Ihnen ein angenehmes Wochenende

P.S. Noch eine Anregung: Interessant wäre es, wenn Sie nach etwa 24 Stunden auf all die Kommentare noch einmal zusammenfassen antworten/reagieren würden, denn so ließe sich manches klarstellen oder/und beantworten.

4) Captain, Samstag, 31. Oktober 2009, 15:23 Uhr

Ich habe nicht die Insider-Informationen wie sie, und ich hielt auch die Aufstellung Ramelows als Gegenkandidat im dritten Wahlgang für unglücklich, aber wissen Sie was Ramelow damit wirklich bezweckt hat? Vielleicht wollte er ja nur wissen, wie viele Abgeordneten links der Mitte gegen ihn gestimmt hätten, wenn eine Rot-Rot-Grüne Koalition versucht worden wäre? Ich glaube da wird hier zu kurzsichtig das Ganze betrachtet.

5) Ballmann, Samstag, 31. Oktober 2009, 15:28 Uhr

Ihr Kommentar *Absicht, Herr Spreng, das war pure Absicht.
Ramelow wollte, dass Lieberknecht MPin wird. Deshalb hat er erst den Schwan aus dem Hut gezaubert und dann höchst selbst kandidiert

6) Ormus, Samstag, 31. Oktober 2009, 15:43 Uhr

Stimmt, genauso wie man sich den Namen Wolfgang Schäuble seit dem Jahr 2000 nicht länger merken muss, denn jemand, der eine 100.000 DM Spende “verloren” hat, der hat ja wohl seinen politischen Ruf für immer gründlich zerstört.

7) Bredenberg, Samstag, 31. Oktober 2009, 16:01 Uhr

Ist einem Politiker etwas geglückt, schwärmt sein Hofstaat von einer strategischen Meisterleistung. Ist einem Politiker etwas missglückt, betrauert sein Hofstaat die wenig inhaltsbezogene Politik der Gegner, die leider ganz und gar auf billige Strategie gesetzt hätten. – Was Ramelow betrifft: Zu früh verabschiedet. Auch die Glücklosen sind in der Regel nach einiger Zeit wieder da.

8) m.spreng, Samstag, 31. Oktober 2009, 16:14 Uhr

@Nrwbasti

Lieberknecht kann nur von Abgeordneten der FDP und/oder der Grünen mitgewählt worden sein, sonst hätte sie keine 55 Stimmen bekommen.

9) Dierk, Samstag, 31. Oktober 2009, 18:19 Uhr

Herr Ramelow wollte keine großartige Scharade durchführen, die uns Nicht-Politikern undurchsichtig bleiben muss. Das war keine strategische oder taktische Kandidatur, sondern pures Ego-Streichelen. Möglicherweise war er auch dämlich genug, zu glauben, die SPD [oder CDU?] Verweigerer würden ihn im Dritten wählen – und möglicherweise noch die GRÜNEN. Obwohl ich nicht glauben kann, dass irgendjemand außer einem klinischen Geistesgestörten so nicht denken könnte.

10) marcpool, Samstag, 31. Oktober 2009, 20:54 Uhr

Richtig – ganz richtig Herr Spreng. – Aber wer hat denn Lieberknecht in den vorherigen Abstimmungen nicht gewählt ? Waren es die eigenen ” Mannen” ? Die , die sich noch um Althaus scharen ? Die – die jetzt keinen Posten erhalten haben – oder verloren haben ? Oder die von der SPD die den Weg doch nicht gehen wollten ? Diese Koaltion wird es wohl noch zu spüren kriegen , das sie sich im Ernstfall nicht auf ihre Mehrheit verlassen kann? Was Ramelow angeht- so kann man nur sagen wer so doof ist , den sollte man auch nicht daran hindern . Jeder blamiert sich selbst so gut er kann. Hierfür hat er jetzt die Charts gestürmt – direkt auf Platz 1 , gleich dahinter steht sein Parteifreund Oskar. Er konnte sich ja auch wieder einmal nicht zurückhalten und blieb der konstituierenden Sitzung des Bundestages fern – schändlich ! Denn es gab ja auch wohl Wähler die ihn in den Bundestag gewählt haben – aber nicht um Urlaub zu machen sondern anwesend . Damit macht sich die Linke eher parlamentsfremd. Wenig demokratisch .

11) dissenter, Samstag, 31. Oktober 2009, 22:39 Uhr

@marcpool:
Schändlich, parlamentsfremd, wenig demokratisch. Nach allem, was man lesen kann, hat er einfach Urlaub gemacht. Warum schimpfen eigentlich die, die sich von Lafontaine sowieso nicht vertreten fühlen, darüber, dass er sie nicht vertritt?

12) dieudonne, Samstag, 31. Oktober 2009, 22:43 Uhr

Ihr Kommentar *

Ich glaube, Ramelows Motiv war, einfach diese letzte Chance nicht auslassen zu wollen. Jetzt ist er politisch gescheitert und sitzt als Loser in Thüringen fest. Ohne Einfluss in Berlin.
Einziges Argument, ihn noch zu Talkshows einzuladen, ist sein Redetalent.

13) JTB, Sonntag, 01. November 2009, 08:48 Uhr

Wer versteht schon die Landespolitik in Thüringen? Nicht, dass das so wichtig wäre. Erst hält die CDU auf Biegen und Brechen an Althaus fest, obwohl eigentlich klar sein müsste, dass der als Politiker und Ministerpräsident nicht mehr geht. Dann könnten SPD und Linke eine Regierung bilden, kommen aber nicht zusammen, weil Herr Matschie zwar unbedingt regieren, aber keinen MP Ramelow haben möchte, dafür lieber widersinnige Forderungen stellt. Nach dem ganzen Theater der letzten Monate ist die mißglückte Wahl der Ministerpräsidentin Lieberknecht wohl nur der krönende Abschluss.

14) Marc, Sonntag, 01. November 2009, 08:54 Uhr

Wie es für Ramelow ausging, war ihm meiner Meinung nach egal. Er konnte nur gewinnen. Denn jetzt kann er jedesmal die schwarz-rote Thüringer Regierung damit ärgern, dass sie ihn, das Feindbild Ramelow, brauchte um handlungsfähig zu sein.

15) Chat Atkins, Sonntag, 01. November 2009, 09:40 Uhr

Man kann der Linken nicht das vorwerfen, woran es allen anderen Parteien auch mangelt.

16) Fyyff, Sonntag, 01. November 2009, 14:28 Uhr

Mit Verlaub, aber die gesamte Stoßrichtung des Artikels ist höchst fragwürdig. Um mal freundlich zu bleiben.
Frau Lieberknecht hätten im dritten Wahlgang auch die 44 Stimmen der ersten zwei Wahlgänge gereicht, weil im dritten Wahlgang die einfach Mehrheit reicht. Oder ums kürzer zu sagen: bei nur einem Kandidat reichen mehr JA- als NEINstimmen. Das mehr als 44 Leute nein sagen wäre doch eher unwahrscheinlich gewesen.
Das man da die Chance nutzt die neue Regierung ein wenig vorzuführen – auch ohne realistische Chance – ist doch nur recht und billig. Das hätte eine CDU-Opposition im umgedrehten Falle vermutlich genauso getan.

Zum anderen Tei: Das der nette Herr Matschie von den intriganten LINKEN quasi gemeuchelt wurde, und folglich gar keine andere Wahl hatte, als alle Wahlversprechen zu verraten und sich in schwarz-rot zu flüchten, ist genau der Quatsch nach dem es klingt – eine leicht durchschaubare Dolchstoßlegende.

17) Hilfe, Montag, 02. November 2009, 03:10 Uhr

@Fyyff: vollste Zustimmung.

Ich weiss nicht, was dieser Beitrag von Herrn Spreng einem sagen soll, ausser das an allem, was in diesem Land passiert, die Linke Schuld ist (siehe Lafontaine und Saarland). Wenn jemand kandidiert und aus einer WAHL tatsaechlich eine WAHL macht und nicht nur eine Bestaetigung muss man solche Beitraege lesen. Vor allem, dass es undemokratisch sein soll… wenn die nur ihrem Gewissen verantwortlichen Abgeordneten tatsaechlich mal waehlen koennen und sollen.

Gruesse

18) m.spreng, Montag, 02. November 2009, 08:34 Uhr

@Hilfe

Von undemokrastisch war keine Rede.

19) Dierk, Montag, 02. November 2009, 09:07 Uhr

@Fyyff

Und Herr Ramelow hat jetzt die schwarz-rote Mehrheit in Thüringen vorgeführt, indem er ihr zu einer mehr als satten Mehrheit verhalf? Wäre es nicht [politisch] besser gewesen, die knappe Mehrheit als rhetorisches Mittel immer wieder einsetzen zu können, quasi den ‘Lacherfolg’ der Koalition?

Ich bleibe dabei, hier wird zu viel reingeheimnist, der Mann wollte sein Ego streicheln und aus.

20) PeterM, Montag, 02. November 2009, 09:21 Uhr

Ich finde es schon etwas albern dem Ramelow Absichten zuzuschreiben, die Herr Spreng nur vermuten kann. Ramelow ist doch nicht blöde…

21) Bodo Ramelow, Montag, 02. November 2009, 12:39 Uhr

Ihr Kommentar *Tschüss Sprengsatz!
Es gilt, mit einem Mythos aufzuräumen. Der Mythos lautet, Michael H. Spreng sei ein begabter Analytiker, der mit messerscharfen Analysen sogar dem deutschen Wahlvolk Edmund Stoiber als Bundeskanzler erspart hat. Danke! Lieber Michael H. Spreng. Edmund Stoeiber entbürokratisiert ja jetzt Europa in der Geschwindigkeit, in der man zwischen Münchner Hauptbahnhof und Franz Josef Strauss-Airport transrapid fahren kann. Dieses Prinzip Geisterfahrt wird im aktuellen Sprengsatz angewendet. Ohne Analyse und ohne Kenntnis der Thüringer Verfassung wird einfach nur dahin geplogt. Ein Sprengsatz, der allerdings fehlkonstruiert ist, wird eben nur ein Rohrkrepierer. Ein Blick auf meine Homepage oder wenigstens ein Blick in die Thüringer Verfassung hätte Aufklärung über Motivation und über die verfassungsrechtliche Ausgangslage verschafft. Soviel Erhellung schadet aber dem Pseudosprengsatz.
Frau Lieberknecht wäre sowieso im 3. Wahlgang gewählt worden. Schon rein mathematisch wäre es so gewesen. 44 Ja-Stimmen sind eben eine Stimme mehr als die noch übrig gebliebenen 43 Ja-Verweigerer. DIE LINKE wollte im 3. Wahlgang dokumentieren, dass die schwarz-rosa Koalition keine eigene Mehrheit hat und auf die Hilfstruppen der FDP zwingend angewiesen ist. Dies ist mit meiner Kandidatur erfolgreich dokumentiert worden! Zum Schluss sei erwähnt, dass offenbar Herr Spreng hellseherische Fähigkeiten hat. Da ich nie mit Menschen mit SPD-Parteibuch Sondierungsgespräche über eine alternative MP-Kandidatur geführt habe und da ich Sondierungen nur mit der offiziellen Sondierungsgruppe geführt habe, bleibt es das Geheimnis von Herrn Spreng, was er mit “unprofessionellem und intrigantem Verhalten” meinerseits meint. Dass aber Frau Schwan Politik-Amamteurin sei, wie Herr Spreng schreibt, müsste auf Herrn Matschie selbst zurückfallen, da dieser Gesine Schwan unsrerer Thüringer Landtagsfraktion als Bundespräsidentin-Kandidatin dringend anempfohlen hat. Ich persönlich empfinde die Arbeit von Frau Schwan bei der deutsch-polnischen Versöhnung überragend und kann der Arbeit von ihr an der Viadrina nur großes Lob zollen.

Den Namen Bodo Ramelow muss sich Herr Spreng tatsächlich nicht merken, da ich seine analytischen Leistungen für misarabel halte und seine mangelnde Recherche für ein Kennzeichen seiner Arbeit halte.

22) Fyyff, Montag, 02. November 2009, 13:12 Uhr

@Dierk

Natürlich hat Ramelow die schwarzrote Regierung vorgeführt. Und die “staatstragend” handeln wollende FDP gleich dazu.
Nicht nur das er in Zukunft immer sagen kann das die Regierungskoalition erst ihn brauchte um die Wahl noch halbwegs gesittet durch zu bringen, er kann den LINKEN-Wählern auch gleich noch die bigotte Haltung der sogenannten bürgerlichen Parteien beweisen, die sich natürlich angesichts der bösen linken Gefahr selbst aus der Opposition heraus zusammenfinden.

Das Ergebnis des ganzen Kuddelmuddels ist recht eindeutig und von der Frankfurter Rundschau gut umschrieben:
“Wenn alles verloren erscheint, wenn eine demokratische Weihestunde in Peinlichkeit zu versinken droht, dann gibt es eine zuverlässige Rettung: die Linken.”

Besser hätte sich dieser eigentlich rabenschwarze Tag für die Linken, denen ja immer wieder fälschlicherweise mangelndes Demokratieverständnis und ein gespanntes Verhältnis zur Rechtstaatlichkeit unterstellt wird, nicht entwickeln können.

23) m.spreng, Montag, 02. November 2009, 13:25 Uhr

Danke, Herr Ramelow, dass sie die Dinge aus Ihrer Sicht schildern. Es ändert aber nichts daran, dass Frau Lieberknecht ohne Ihre Kandidatur im 3. Wahlgang nur von einer Minderheit des Landtages gewählt worden wäre und sie erst durch Ihre Kandidatur auf 55 Stimmen kam. Diesen Makel des Anfangs haben Sie ihr mit Ihrer Kandidatur erspart. Sie haben Frau Lieberknechts Basis verbreitert, statt sie zu schwächen. Dass Sie “erfolgreich” dokumentiert haben wollen, Frau Lieberknecht sei auf die “Hilfstruppen” der FDP angewiesen, geht an den Wählern spurlos vorbei.

Die Thüringer Verfassung war mir durchaus bekannt. Darin steht aber nicht, dass Sie kandidieren mussten. Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich auch nach Ihren Einlassungen Ihre Entscheidung als schweren strategischen Fehler und als Zeichen von Realitätsverweigerung ansehe.

24) Uli aus Deppendorf, Montag, 02. November 2009, 13:35 Uhr

Nochmal auf Anfang: Fr. Lieberknecht scheiterte in den ersten zwei Wahlgängen daran, daß sie ihre Koalitionsmehrheit (48 Stimmen) nicht auf sich vereinigen konnte – ob Althausfreunde aus der CDU oder Matschiegegner aus der SPD ihr die Gefolgschaft verweigerten, bleibt für immer verborgen. Im dritten Wahlgang hätte ihr die relative Mehrheit der Stimmen genügt – tatsächlich erhielt sie aber nun 55 Stimmen und damit mind. 7 Stimmen aus den Fraktionen der Grünen und der FDP.

Gezeigt hat Ramelow mit seiner Kandidatur folgendes: Weder mit der Fraktion der SPD noch mit der der Grünen ist in Thüringen eine linke Mehrheit möglich. Denn für jeden einzelnen Abweichler aus der CDU oder SPD kam Lieberknecht ein Grüner zu Hilfe, vorraugesetzt die Fraktion der FDP hätte geschlossen für Lieberknecht gestimmt. Das läßt sich im nächsten Wahlkampf herrlich gegen SPD und Grüne verwenden!

Weiterhin hat Ramelow gezeigt, daß auch gegen den Willen des linken Flügels der SPD-Fraktion eine “bürgerliche” Politik möglich ist, denn FDP und Grüne werden auch dann die fehlenden Stimmen großmütig ersetzen.

Ob all das auch Ramelow dazu bewegte, sich zur Wahl zu stellen, bleibt sein Geheimnis. Langfristig gesprochen geht Ramelows Strategie spätestens bei der nächsten Landtgswahl auf, wenn der Bürger sich erinnert, daß weder mit der SPD noch mit den Grünen eine linke Politik möglich ist (siehe hierzu auch das Saarland!).

Es sollte also besser heißen: Tschüss, Christoph Matschie. Tschüss Astrid Rothe-Beinlich.

25) David, Montag, 02. November 2009, 16:14 Uhr

Ich habe von den drei Wahlgängen und Ramelows Kandidatur nur so nebenbei erfahren (da ich gerade von Bayern in meine neue Heimat Erfurt umgezogen bin), aber als Politikstudent macht man sich natürlich Gedanken über den strategischen Sinn einer solchen Aktion.

Mein erster Eindruck war, dass die überraschende Kandidatur Ramelows ein taktisch und psychologisch äußerst geschickter Schachzug war. Absolut nichts deutet darauf hin, dass Ramelow sich wirklich Hoffnungen gemacht hätte (oder gar seine Fähigkeiten und seine Beliebtheit überschätzt hätte – wie Sie schreiben). Im Gegenteil, meiner Meinung nach hat er seine Möglichkeiten sehr richtig eingeschätzt und war mutig genug sie auch zu nutzen: Er konnte die zukünftige Landesregierung vorführen, den desolaten Zustand der SPD publikumswirksam dokumentieren und Lieberknecht einen gehörigen Schreck versetzen. Warum sollte man solch eine Chance verstreichen lassen?

Lieber Herr Spreng, Ihre Analyse hat an meiner spontanen Einschätzung nichts geändert. Vielleicht könnten Sie ja nochmal erklären, wie Sie zu der Meinung kommen, die Aktion hätte Ramelow auch nur in irgend einer Weise geschadet bzw. dass der dritte Wahlgang gar einen “Triumph für Lieberknecht” darstellte?!

Und sollte Herr Ramelow mal eine Praktikantenstelle zu besetzen haben, so würde ich mich übere eine Email freuen ;) . Im Gegensatz zu Herrn Spreng sehe ich hier keinen “Mythos zerstört”, sondern eher die Bestätigung politischen Geschicks. Ich denke, dass man sich den Namen Bodo Ramelow durchaus noch merken sollte.

26) Dierk, Montag, 02. November 2009, 17:31 Uhr

… und die Mondlandung fand in der Wüste Arizonas statt, JFK wurde von Elvis umgelegt, der zusammen mit John Lennon irgendwo Chemin de Fer spielt.

Kleiner Tipp am Rande: Diese albernen Politk-Emulationen interessieren jenen berühmten Mann [oder die Frau] von der Straße nicht. Das wird nämlich in US-TV-Serien unterhaltsamer gezeigt. Soweit ich mich erinnere, existiert in Thüringen eine Koalition aus Christdemokraten, die klassisch Bürgerlichen, und Sozialdemokraten, die sich ein wenig links von der Mitte wähnen. Die FDP wollte mit der CDU, hätte aber vermutlich nur geringfügige Kleinigkeiten aus dem Weg räumen müssen, mit der SPD zusammen zu regieren.

Genau das wurde bewiesen, es gibt eine bürgerliche Mehrheit in Thüringen, die sich über leicht rechts von der Mitte zu leicht links in der Mitte zieht, dabei selbst ernannte Liberale und Ökos* einschließt. Und keiner will mit den Schmuddelkindern um Klein-Bodo spielen. Schön bewiesen, danke, Jungs.

*Beide übrigens tatsächlich bürgerlich.

27) derBÖSEwolf, Donnerstag, 05. November 2009, 02:39 Uhr

einzelheiten des Spreng-kommentars hin oder her – mag sich drüber streiten, wer will / in zwei dingen stimme ich aber dem fleißigen schreiber Spreng voll zu: / es ist erfreulich, daß man mit dem “mythos Ramelow” aufräumen kann – weil ja wirklich keine ausstrahlung von dieser figur ausgeht / und es ist erfreulich, daß man diesen namen nun vergessen darf //

es tat einerseits immer weh, wenn ein gewerkschaftlicher überläufer zu den kommunisten die verfassung zitiert / man muß es andererseits aber auch “lustig” nehmen, wenn jemand von der angeblichen linken von demokratie spricht / oder ist es “heldenmut vor königsthronen” – die es ja nun nicht mehr gibt? / das kann ja nur eine worthülse sein für eine partei, die ihren mutterboden in der diktatur hat – auch wenn jetzt ein formgerechtes parteiprogramm von demokratie heuchelt //

vorwärts! nicht vergessen! PDS und SED – hat gestern andere noch verfolgt und erschossen / will heute für demokratie und frieden sein / ist gegen den krieg in afghanistan / aber bereit kriege zu unterstützen, die von sozialistischen diktatoren geführt werden //

und direkte demokratie, für die diese linken sind, wäre auch nicht schlecht – in ihrem sinne / denn mit rattenfänger-parolen wird man die masse schon irgendwie ködern können / wie’s bei den neonazis ja leider auch funktioniert //

so, nun haut mal auf mich drauf / wer die wahrheit sagt, wird immer zusammengeschlagen – auch wenn er einundachtzig ist //
wie war das doch? ich liebe euch alle – frei nach Ernst Mielke . . .

28) Robert, Mittwoch, 11. November 2009, 21:16 Uhr

Ist schon schlimm, welche unbewiesenen Theorien hier ein ehemaliger Bild Redakteur verbreiten. haben sie irgendeinen Beweis, für ihre Anti-Ramelow Haltung? Herr Speng, sie sind kein Insider sondern einfach jemand, der sein konservativ verstaubtes Klientel beglücken will.

29) rumtata, Freitag, 13. November 2009, 18:43 Uhr

Ahnungslosigkeit verführt oft zu den entschiedensten Urteilen. Ramelow hat Schwan überhaupt nicht gefragt, ob sie Ministerpräsidentin werden will. Das lässt sich leicht recherchieren, wenn man denn will … Und glauben Sie im Ernst, dass Ramelow damit rechnete, im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden? Dazu hätte er aus der überwiegend mit Matschie-Getreuen besetzten SPD-Fraktion fast alle Stimmen bekommen müssen, wenn auch alle Grünen und Linken für ihn votiert hätten. Zumal die FDP vorher – und das war in allen Fraktionen bekannt – signalisiert hatte, dass sie im Fall der Fälle für Lieberknecht stimmt. Aber wie gesagt: Wer nichts weiß, weiß es oft am besten. Etwas mehr analytische Nüchternheit könnte bestimmt nicht schaden.

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