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Samstag, 14. November 2009, 13:28 Uhr

Ein neuer Gabriel?

Jetzt also Sigmar Gabriel, der neunte SPD-Vorsitzende seit Willy Brandt. Gewählt mit einem triumphalen Ergebnis von 94,2 Prozent. Weil er eine gute (bisweilen sehr gute) Rede gehalten hat, weil er einen Vortrauensvorschuss bekam – und aus Verzweiflung, weil er die letzte Kugel im Lauf einer 20-Prozent-Partei war. Und weil er im Wahlkampf als einziger prominenter SPD-Mann kampagnenfähig war.

Noch vor wenigen Jahren wurde Gabriel verlacht als Pop-Beauftragter. Jetzt steht er in großen Schuhen, aber die SPD ist ja auch kleiner geworden. Und er wurde – ausgekungelt wieder einmal im Hinterzimmer – nur deshalb Partei- statt Fraktionschef, weil Frank-Walter Steinmeier dieses Amt am Abend des Wahldesasters handstreichartig ergriffen hatte.

Aber reicht eine gute Rede aus, um in die Schuhe zu passen – auch charakterlich? Ich erinnere mich an eine Talkshow, in der wir beide nebeneinander saßen. Jedes Mal, wenn uns die Kamera nicht zeigte, signalisierte Gabriel mir durch Gesten, Lachen und Bemerkungen, dass ich das, was er gerade gesagt hatte, nicht so ernst nehmen soll. Show gehört halt auch zur Politik. Dass sich Politiker vor der Kamera maikäferhaft aufblasen, um danach wieder die Luft herauszulassen. Aber ist so einer ein Vorbild, ein Hoffnungsträger?

Derselbe Gabriel hat noch im Wahlkampf 2009 versucht, Journalisten auf die völlig absurde Geschichte zu heben, zwei in Grundremmingen atomar verstrahlte Arbeiter seien im Salzstock Asse verscharrt worden. Kann so einer die SPD aus dem Jammertal führen? Gehören dazu nicht auch Prinzipien, Grundüberzeugungen, eine Haltung? Und das schöne alte Wort Seriosität? 

Wer aber Westerwelle zubilligt, dass er nicht mehr der Spaßpolitiker von 2002 ist, der den von Jürgen Möllemann betriebenen Versuch tolerierte, aus der FDP eine Haider-Partei zu machen, der muss auch Gabriel zubilligen, ein anderer zu sein  (oder zu werden), dass er gereift ist. Aber Skepsis ist angebracht.

Deshalb steht Gabriel jetzt vor einer doppelten Herausforderung: er muss beweisen, dass er wirklich ein anderer geworden ist, und dass er nicht nur eine verzweifelte Partei zu Beifallstürmen hinreissen kann, sondern auch Wähler. Dazu gehört eine Haltung nicht nach Tagesopportunität, die sich glaubhaft auf die Wähler überträgt, dazu gehört lange, harte und entbehrungsreiche Arbeit, dazu gehören Rückschläge und vor allem Demut. Demut vor der Aufgabe, Demut vor den Mitgliedern, Demut vor den Wählern. Ob Gabriel das schafft?

Zu wünschen ist es der SPD, denn danach käme der Absturz zur 15-Prozent-Partei. Und die schwarz-gelbe Regierung, das zeigen schon die ersten Wochen, braucht eine starke und glaubwürdige Opposition. Das kann nur die SPD sein.

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21 Kommentare

1) Thomas Lange, Samstag, 14. November 2009, 14:30 Uhr

Lieber Herr Spreng,

ich hätte Herrn Gabriel ein solches Ergebnis nicht zugetraut? Sie? Es sind nicht die 99% von Platzeck, aber wesentlich mehr als das Ergebnis einer Andrea Nahles – diese wurde abgestraft, Gabriel verschont. Auch ich habe Herrn Gabriel nicht für die Optimalbesetzung gehalten, gibt es doch andere in der SPD, die eher für einen Neuanfang stehen würden als der (abgewählte) Schröder-Nachfolger Niedersachsens und Umweltminister der Großen Koalition. Dennoch, das menschliche Wachsen sei jedem vergönnt. Und wenn sich ein Guido Westerwelle mit seinem Widerstand gegen Erika Steinbach mit der kompletten CSU anlegt, dann hat das meinen Respekt. Nicht weil ich seine politische Denke für Gut halte, sondern weil es schön zu sehen ist, wie Menschen mit neuen politischen Realitäten umgehen. Gegenbeispiele gibt es zu hauf, Lafontaine hat als Finanzminister gekniffen vor dem was sich ihm darbot, Rainer Brüderle machte bei seinen bisherigen Auftritten als Wirtschaftsminister keine gute Figur, zu sehr verhaftet scheint er im früheren Oppositionsstil. Insgesamt wirkt der koalitionsinterne Streit um Steuersenkungen wie das Zusammenprallen von Anspruch und Möglichkeit.
Aber auch Gabriel wird weiter reifen und wachsen, es geht immerhin darum aus der SPD wieder eine Volkspartei zu machen – und Volkspartei heisst vor allen Dingen auch, auf die Wähler zu hören und das bestmöglich mit dem sich bietenden politischen Spielraum abzugleichen. Die drängendsten Themen der Basis sind scheinbar die Rente mit 67 und die Agenda 2010. Auch wenn er sie nicht revidieren will, immerhin darf in der SPD wieder drüber gesprochen werden. Ein guter Anfang.

2) Rolf Frager, Samstag, 14. November 2009, 14:32 Uhr

Die Linke ist die einzige wahre Oppositzionspartei.Sie würden ehr für einen afrikanischen Dorfrat stimmen,als für das Wohl der Mehrheit unseres Volkes.Deshalb Ihr Haß auf die Linke.

3) dissenter, Samstag, 14. November 2009, 15:43 Uhr

“Wer aber Westerwelle zubilligt, dass er nicht mehr der Spaßpolitiker von 2002 ist, der den von Jürgen Möllemann betriebenen Versuch tolerierte, aus der FDP eine Haider-Partei zu machen, der muss auch Gabriel zubilligen, ein anderer zu sein (oder zu werden), dass er gereift ist.”

Ich bestreite das. Einen Politiker, der sich vor zwei Jahren erst als “die Freiheitsstatue dieser Republik” bezeichnete, der Freiheit nicht von Steuerfreiheit unterscheiden kann und dem auch angesichts einer schlingernden Wirtschaft und kollabierender Sozialsysteme nichts, buchstäblich nichts anderes einfällt als “ein einfacheres, niedrigeres und gerechteres Steuersystem”, dem gestehe ich weder Seriosität noch Reife zu.

4) W.B., Samstag, 14. November 2009, 16:00 Uhr

> Und die schwarz-gelbe Regierung, das zeigen schon die ersten Wochen, braucht eine starke und glaubwürdige Opposition.
Wohl wahr …

> Das kann nur die SPD sein.
… so glaubwürdig man als Partei sein kann, wenn in die eigene Regierungszeit jene Entscheidungen fallen, die die heutige Situation – nicht nur in der eigenen Partei, sondern auch im Land und in der Gesellschaft – (mit-)verursacht haben. Stichworte Deregulierung, Privatisierungen, um nur mal zwei zu nennen.

5) Erika, Samstag, 14. November 2009, 16:55 Uhr

Ein wirklich ausgezeichnete Rede von Gabriel mit einer guten Definition von der Mitte.

Was die menschlichen Schwächen von Herrn Gabriel angeht, sollten wir ein wenig großzügig sein. Immerhin ertragen wir auch eine Kanzlerin die in ander Funktion gegen die Strafe aus der Parteispendenaffäre mit dem Argument geklagt hat: ” In dem Gesetz würde zwar stehen, dass man einen Rechenschaftsbericht abgeben müsse, aber nicht, dass der Rechenschaftsbericht auch stimmen müsse.” Da ist für mich die Vorbildfunktion viel stärker eingeschränkt, als bei einem “aufgeblasenen Maikäfer”.

6) riccardo, Samstag, 14. November 2009, 16:58 Uhr

Nun, wenn man gnadenlosen Opportunismus als Hauptkriterium für einen derartigen Posten betrachtet, ist Gabriel sicher der Richtige. Er ähnelt darin seinem Vorbild Schröder, dessen Mimik und Rhethorik er 1:1 übernommen hat. Die Intrigantin Nahles hat ein ähnliches Charakterprofil vorzuweisen, auch wenn bei ihr der Schröder-Faktor etwas anders ausgeprägt ist. Ein sauberes Paar, das seine Haupinteressen darin sehen wird, dem jeweils anderen ein Bein zu stellen. Das Ende wird banal wie immer sein, ein neuer Vorsitzender muss her, der dann die SPD abwickeln darf. Diese SPD braucht keiner mehr, die Linkspartei wird sie ersetzen und das ist auch gut so.

7) Wolf-Dieter, Samstag, 14. November 2009, 20:05 Uhr

Im Großen und Ganzen kann ich Ihrer Argumentation folgen. Nur im Schlusssatz nicht: zu einer starken und glaubwürdigen Opposition taugt die SPD nicht, sondern allenfalls zu einem Vizekanzlerwahlverein.

Sie fragen nach einer glaubwürdigen Opposition? Und lehnen die Linke a priori ab? (Ich beziehe mich jetzt auf Ihre Antwort im Kommentarbereich Ihres letzten Beitrags, Herr Spreng.)

8) JG, Samstag, 14. November 2009, 21:41 Uhr

Ich glaube, die “allerletzte Kugel im Lauf der SPD” ist Klaus Wowereit, womöglich SPD-Vorsitzender ab 2011 oder 2012. :-)

Aber ist Ihnen ein schönes, meiner Meinung nach bezeichnendes Detail am SPD-Parteitag aufgefallen? Anders als üblich wurde die Stirnwand nicht von einem Slogan geschmückt oder sonst einer mehr oder weniger hübschen, halbwegs werbewirksamen Dekoration. Stattdessen stand dort, “undynamisch” zentriert, einzig der ausgeschriebene Name der Partei. Als hätten die Delegierten daran erinnert werden sollen, was “SPD” eigentlich heißt; wenn die Partei schon nicht mehr zu wissen scheint, was es bedeutet, darin mit vielen ihrer – ehemaligen – Wähler einig.

9) optimist32, Samstag, 14. November 2009, 22:08 Uhr

Ihr Kommentar *
Gabriel ist der entschiedenste Kämpfer gegen die kernenrgie und schreckt dabei auch nicht vor solchen faustdicken Lügen zurück, dass man sie schon wieder für wahr hält. Wenn er sich von seinem Mephisto Trittin abnabelt, hat die SPD eine Chance. Wenn er aber weiter das Geld der Nachkommen mit unsinnigen Winrädern und teuren Fotovoltaikanlagen verpulvert statt wie die Großmächte auf die Kernenergie zu setzen steuert er die SPD ins Abseits. Deutschlands Perspektive ist die Stärkung der europäischen Einheit und die Mitarbeit an europäischen Lösungen für Verkehr, Energie , Bildung und Kataastrophenschutz..

10) Tsetse, Samstag, 14. November 2009, 23:21 Uhr

gestellt und gequält wirken die diversen “neuanfänge” hier wie dort.
schmierig-modrig wie nasses laub.
es ist herbst in deutschland.

11) M.M., Sonntag, 15. November 2009, 00:03 Uhr

Ihr Kommentar *
Die SPD wird sich hinter Gabriel sammeln muessen. Was sonst? Es ist für mich gar kein/e andere/r
mehr in Sichtweite erkennbar! Vielleicht wächst er ja mit seiner Aufgabe noch?
An “CDU Stammtischen” wird Gabriel von anwesenden Frauen in der Regel als schmierig bezeichnet.
Auch das wird er sicher versuchen zu ändern.

12) Duke Bosvelt, Sonntag, 15. November 2009, 02:10 Uhr

Aus meiner Sicht war der Kernpunkt in Gabriels überraschend starken Rede, dass sich die SPD wieder um die Deutungshoheit politischer Prozesse und der damit einhergehenden Definition der politischen Mitte bemühen muss. So wie Heiner Geißler von der Bedeutsamkeit sprach, “Begriffe zu besetzen” und Lafontaine in seiner Grundsatzrede auf dem Cottbusser Parteitag davor warnte, sich der Sprache des politischen Gegners zu bedienen, so muss sich die SPD nun endlich aus jenem neoliberalen Neusprech befreien, welches bis zuletzt sogar von der Parteispitze gepflegt wurde.

Die SPD muss rhetorisch und inhaltlich verdeutlichen, weshalb das globale Wirtschaftssystem strukturell gegen die Interessen der demokratischen Mehrheit arbeitet – einschliesslich der Leistungsträger aus den Bereichen der Arbeitnehmer, Angestellten und des Mittelstands! – und deshalb nicht nur das Fundament sozialdemokratischer Politik und ihres Wählerfundus untergräbt, sondern die Demokratie insgesamt als solche bedroht. Auf die Globalisierung der Märkte muss die Globalisierung des Sozialen folgen, der Kapitalismus international gebändigt werden.

Die schwarz-gelbe Klientel- und Schuldenpolitik bietet der SPD im Grunde die Steilvorlage, eine deutliche Alternative zu kommunizieren. Sogar die Mehrheit der Medien scheinen sich angesichts der schwarz-gelben Wachstumswette auf die Zukunft und des sozialdemokratischen Aufbruchs wieder allmählich auf die Seite der SPD zu schlagen. Endlich wird die deutsche Politik wieder kontrovers und vital, dafür schonmal danke an die SPD.

13) vera, Sonntag, 15. November 2009, 02:43 Uhr

Für heute bin ich mal ganz optimistisch (wobei die Aufbruchstimmung nicht unwesentlich mit dem Grad der Verzweiflung der Mitglieder zusammenhängt). Ich fand Gabriel erstaunlich, und der Parteitag, den ich auf Phoenix und twitter (à propos?) verfolgt habe, hat mich in weiten Teilen begeistert. Soviel Vorschuss hat die alte Tante zuletzt von mir bekommen, als wir in den Räumen der Kölner Fraktion einen Sieg feiern konnten… Schau’n mer mal.

14) optimist32, Sonntag, 15. November 2009, 09:23 Uhr

Ihr Kommentar *
Gabriel ist wendig. Er braucht gar nicht von seiner Vorstellung des menschengemachten Erdklimas abrücken. Er muss nur darstellen, dass Leute mit extrem hohen Einkommen bei ihrer standesgemäßen Lebensweise beim Betrieb ihrer Häuser, Verkerhsmittel und der Produktion und dem Transport ihrer Anschaffungen überdurchschnittlich viel CO2 erzeugen. – Bildung und Kunst verbraucht relativ wenig CO2 – viel weniger als shopping in New York.

15) marcpool, Sonntag, 15. November 2009, 17:52 Uhr

Nun erscheint mir S. Gabriel , nicht gerade eine unbestritten, symphatische und charismatische Figur der SPD zu sein . Er scheint eher linkisch, schlau – und den rechten Instinkt zur rechten Zeit zu haben . Die Antrittsrede war in den ersten 60 Minuten sehr stark , die zweiten 60 Minuten hätte er straffen müssen. Aber doch – er hinterliess einen ” Ja ich will das machen ” Eindruck. Die SPD braucht jetzt jemand um den sie sich versammeln koennen. Wer die Nase schon blutig hat, den muss man jetzt nicht auch noch an´s Bein hauen. Dieses Land verdient auch eine SPD die sich einmischt und die den linken Akzent sichtbar , laut und deutlich einbringen kann. Nein – meiner Meinung nach muss sich die SPD nicht ihrer Entscheidungen verstecken , die sie getroffen und mitgetroffen hat. Es ist nur leider so – und das geschieht ja gerade wieder – das die rechtsliberale Koaltion dieses Land fiskalisch mehr schädigt , als es tragen koennte. Wer sich heute über die Atomkraft so äussert wie Kanzlerin und Sohn – der schädigt uns – der schert sich um das Entsorgungsrisiko NULL. Ist eben nur die Macht von Lobbyisten zu befriedigen, die Spendengeber. Die SPD muss sich vorwerfen lassen , das sie handwerkliche Fehler begangen hat, die besonders ihre Wähler nicht verstanden haben. Sie hatte auch nicht die Kraft das vor der Wahl zuzugeben-dank Münterfering. Rhetorik allein genügt nicht. Sie muessen beweisen, das sie verstanden haben . Und nicht nur hersagen , wie Schröder es tat und dann in die riesige Energielobby abzutauchen. Viel mehr regt mich auf und an – das unsere Kanzlerin anscheinend immer noch der Meinung aufgesessen ist, das diese Regierung genauso ” moderiert” werden kann – wie vorher ! Auch die CDU hätte viele Gründe über ihr schlechtestes Ergebnis besser nachzudenken und aufzuarbeiten, als es manch eine ( r ) uns vorleben moechte. Es wird in spätestens 24 Monaten zu heftigen einschneidenden Steuer/Abgaben-erhöhungen kommen müssen, da weder Spielraum heute noch morgen dasein wird. Die Auftritte der FDP im Bundestag ( Regierunbgserklärung ) und auch sonst in den letzten Tagen ist schier unerträglich. Brüderles Auftritt im Bundestag war mehr als antiquiert. Und wo ist da die CDU ? Merkel übernimmt ja den Sprachgebrauch der Liberalen sogar in der Regierungserklärung. Hat die CDU keine Führungseigenschaften ? Kann sie sich nur auf den Sprachgebrauch des jeweils anderen in der Koaltion einlassen ? So, wird es für Merkel und Co sehr eng. Auch sie darf die FDP nicht noch stärker werden lassen, das geht zu Lasten der Union. Und dann wollen wir mal sehen wer noch eine grosse Volkspartei sein kann. Die älteste ist die SPD – und sie muessen die nassen Taschentücher – in die sie reingeweint haben – jetzt wegstecken und sich auf die Stärken besinnen. Opposition ist zwar Mist- aber darin war die SPD immer besser als die heute Regierenden. Wenn Gabriel es schafft die Visionen der Zukunft und deren mgl Antworten besser und schneller zu formulieren als die andere Seite, dann wird auch demokratische linke sozialorientierte Seite wieder besser darstellen koennen. Die SPD muss begreifen, das es nicht nur die Arbeiterschaft gibt, sondern die Gesellschaft schon lange andere grosse wichtige Akzentschiebungen ausweist. Das haben sie schlichtweg verschlafen. Der Wecker hat am 27.9.2009 geläutet – also nicht umdrehen und weiterschlafen sondern ” raus aus den Federn” und Klarheit lügenfrei unters Volk bringen.

16) Chat Atkins, Montag, 16. November 2009, 09:32 Uhr

An welchen Vorgeschichten liegt es nur, dass ich die Story von den zwei verscharrten Arbeitern in dieser Sickergrube Asse auch nicht mehr für völlig ausgeschlossen halte?

17) Klaus, Montag, 16. November 2009, 16:03 Uhr

Eine glaubwürdige Opposition mit einem Fraktionsvorsitzenden Frank Walter Steinmeier, der die ganzen neoliberalen Schweinereien der Regierungszeit mitgetragen hat ?
Wie soll der die Regierung angreifen ?

18) sf2000, Dienstag, 17. November 2009, 10:05 Uhr

Ihr Kommentar * Die Frage nach der letztem Kugel im Lauf ist garnicht die Entscheidende- die Frage ist, ob in der Basis, die ihn auf dem Parteitag gefeiert hat, auch verstanden hat, als er ihre unersetzliche Rolle bei dem Wiederaufbau skizzierte. In der Tat wird er dabei- das zeigt sich ja hier auch schon wieder in den Kommentaren, vor allem ein Zusammenwachsen der Flügel durchmoderieren müssen, also jener Kräfte, die weiterhin glauben, linke Politik wäre, wenn man mit der Linkspartei koalieren will, und vernünftige Politik wäre, wenn man sich dem Geschwafel der “BWL-Yuppies” anpasst.

Eine eigene Antwort, die klarmacht, daß eine vernünftige Wirtschafts- und Sozialpolitik zusammengehören, einander bedingen, zwei Säulen sind, die nicht gegeneinander abgewogen werden müssen, sondern gemeinsam ein Dach tragen: Die wäre wünschenswert, sowas gibt es nämlich nicht mehr im Parteienspektrum- man kann schon froh sein, wenn nicht ein kompletter Systemwechsel die Vorraussetzung für das Politikangebot ist wie bei Linkspartei und FDP.

Insofern wünsche ich der SPD da völlig unabhängig von ihrem Erfolg als Partei, das sie mit diesem Projekt- wieder- weiterkommt. Und Herrn Gabriel, daß er es ernst genug gemeint hat, um seine nicht unbeträchtliche Kraft dafür voll einzusetzen.

19) Peter Hiemann, Dienstag, 17. November 2009, 13:39 Uhr

Mir hat die Rede von Erhard Eppler auf dem SPD Parteitag am besten Gefallen. Er hat an das Godesberger Programm der SPD vor 50 Jahren erinnert. Er sprach von einer Balkenschaukel
auf der zwei Personen mit den Schildern “Gerechtigkeit” und “Freiheit” an gegenüber liegenden
Seiten sitzen. Beide versuchen nach oben zu kommen. Die CDU schreit dabei: “Freiheit statt Sozialismus”, sie Linke schreit: “Soziale Gerechtigkeit statt freie Marktwirtschaft.”
Danach hat Eppler er einen Beschluss des Godesberger Programms zitiert:
“Freiheit und Gerechtigkeit bedingen einander.” Er bemerkte dazu, 1959 habe er
diesem Satz keine Bedeutung beigemessen. Heute aber tendieren die Politiker,
die Balkenschaukel immer häufiger zu benutzen.
Ich hatte bei Gabriel den Eindruck, dass er das Balkenschaukeln nicht mehr mitmacht.

Ich mache mir seit längerer Zeit Gedanken über das Thema “menschliche kulturelle Evolution”.
Bei meinen Überlegungen über eine Analogie von biologischen und kulturellen Prozessen
habe ich versucht, eine Analogie zwischen menschlicher DNA plus Phänotyp (dessen Organe)
und dem menschlichen Gehirn plus gesellschaftlichen Verhaltensweisen herzustellen.
Dazu bedarf es eines Zwischenschritts. Nämlich der Analogie zwischen menschlichen Organen und deren Funktionen fürs Ganze und den menschlichen Organisationen und deren Funktionen für die
Gesellschaft. Dabei bin ich zu einigen Schlussfolgerungen gelangt:
1. Zur Deutungshoheit in der Gesellschaft (für was auch immer) kommt es,
wenn eine neue Sicht auf existierende Umstände überzeugend dargestellt und vermittelt
wird. Das war in der Geschichte (auch der SPD Geschichte) so und gilt auch heute. Das
gilt sogar im negativen Sinn wie im Fall Hitler und Stalin. Das gilt insbesondere auch für
wissenschaftliche Sichtweiten und Methoden. Man nennt dort so was Paradigmenwechsel.
Ein Paradigmenwechsel der Wirtschaftswissenschaft scheint mir überfällig.
2. Wie wäre es mit einer neuen Sicht von Geld und Markt? Der Markt ist keine freie Veranstaltung.
Das Geld schafft sich den Markt. Das Geld wurde nicht nur erfunden, um Tauschhandel zu vereinfachen. Geld hat auch mit der Verteilung von Gerechtigkeit zu tun. Die “unsichtbare Hand” des Marktes zum Wohle aller, ist ein Märchen.
3. Ich sehe in dem Wort Freiheit die vielen Fazetten von Freiheitsgraden. Wenn man das Schlagwort
Freiheit nicht benutzt, sieht man auch besser das Fehlen von Freiheitsgraden.

Ich hoffe, dass es der SPD gelingt, die Deutungshohheit über den Sinn von Geld, Wirtschaft und Freiheitsgrade für alle zu erringen. Die LINKE befindet sich in der Rolle des Rattenfängers von Saarbrücken. Wie wird dieses Märchen in der Krise ausgehen?

20) PeterM, Mittwoch, 18. November 2009, 08:19 Uhr

Ich persönlich warte ja noch auf einen Beitrag zu Erzfeind Lafontaine, seine Erkrankung und die versuchte mediale Vorab-Schlachtung. Herr Spreng, wäre das nicht ein Thema für Sie? :)

Viele Grüsse,
P.M.

21) archilochos, Dienstag, 24. November 2009, 20:39 Uhr

Ihr Kommentar *
Wo bleibt das Thema Nahles ? Ich wünschte der SPD eine starke Opposition zu werden, allein ein äußerst schwaches Kurzinterview mit A.Nahles im Rundfunk konnte meine diesbezüglcihen Zweifel nur sehr vergrößern. Sie brachte es fertig in ca 5 MInuten zunächst mal unhöflich zum Interviewer zu sein – dieAntwort “Quatsch” auf eine gestellte Frage erweckt jetzt nicht den Eindruck hier späche die Vertreterin einer seriösen Partei. Dann brachte sie es gleichfalls zuwege über Frau Steinbach als Frau Steinebach zu reden… Es war sozusagen ein Erstinterview mit ihr im neuen Amt im Bayrischen Rundfunk – ausreichend für eine 15-prozent-Partei aber als Representanz einer ernstzunehmenden politischen Grupeirung absolut unbrauchbar.

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