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Kinkels Welt

Nach 11 Jahren Abstinenz besetzt die FDP wieder das Auswärtige Amt – ein Anlass, sich an den bis dahin letzten FDP-Außenminister Klaus Kinkel zu erinnern. Ein ehrenwerter, wenn auch uncharismatischer Mann, sozialisiert als Spitzenbeamter im Gefolge Hans-Dietrich Genschers, dem er früher als Büroleiter diente. Und dem er durch seine Aussage vor dem Guillaume-Untersuchungsausschuss den Kopfe rettete.

Kinkel war auch deshalb Außenminister geworden, weil die FDP das Amt als Erbhof betrachtet. Wie Westerwelle war er ohne große außenpolitische Vorkenntnisse. Kinkel tat sich immer schwer mit der Komplexität internationaler Beziehungen. Deshalb konnte er sie auch rein verbal kaum erklären. Wenn er beim Abendessen über außenpolitische Probleme sprach, versuchte er, sie mit Zeichnungen zu verdeutlichen. Mit groben Strichen malte er dann Länder auf Aktendeckel, Pfeile für Einflussnahmen anderer Länder und große Kreise für Verbündete. Die Skizzen hatten den Charme naiver Bilder, vier davon nahm ich heimlich mit, um später damit einmal „Kinkels Welt“ zu illustrieren. Aber ich verzichtete darauf, weil ich ihn nicht bloßstellen wollte.

Vielleicht aber könnte heute Guido Westerwelle von den Zeichnungen lernen.