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Stasi und Alkohol

Es heißt, Alkohl löse die Zunge, oder „Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit“. Das stimmt nicht, zumindest nicht im Fall zweier mir bekannter Stasi-Spione. Bei beiden finde ich heute noch faszinierend, dass sie selbst unter dem Einfluss großer Alkoholmengen ihre zweite Identität geheimhalten konnten. Der eine war Günther Guillaume, der Kanzler-Spion. Mit ihm trank ich im 1974 im Wahlkampfsonderzug von Willy Brandt so viel Kirschwasser, dass die Kellner melden mussten: Wir haben keines mehr. Guillaume aber blieb der rechte Sozialdemokrat, der den Jusos den Kopf abschlagen wollte. Oder Diethelm S., langjähriger „Spiegel“-Korrespondent und „BILD“-Büroleiter in Bonn. Er betrank sich auf einem BILD-Sommerfest so sehr, dass er auf allen vieren herumlief und glaubte, er sei ein Hund. Aber auch in diesem Zustand gelang es ihm immer noch, seine zweite Identität zu verbergen.

Also, Vorsicht mit Sprichwörtern, zumindest bei Stasi-Leuten.

Lesen Sie dazu auch meine Anekdote „Heißer Draht ins Kanzleramt [1]