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Sonntag, 31. Januar 2010, 17:27 Uhr

Die Rohwedder-Verwechslung

Zu den peinlichsten Geschichten, die ich in meiner Zeit bei BILD erlebt habe, gehört die Rohwedder-Verwechslung. Und die ging so:

1975 erreichte das Bonner BILD-Büro täglich eine Flut von Wünschen aus der Hamburger Zentrale, Statements von Politikern für Prominenten-Umfragen zu besorgen. Dabei wurden die absurdesten und intimsten Fragen gestellt. Sie reichten von ”Haben Sie ihren Kindern schon einmal eine Ohrfeige gegeben?” über “Fangen Sie beim Rasieren auf der linken oder rechten Gesichtshälfte an?” bis zu “Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Partner Sie betrügt?”.

Das führte dazu, dass kein Redakteur mehr bereit war, sich mit mit solchen Fragen bei den Politikern lächerlich zu machen. Deshalb beauftragte der damalige Büroleiter die Sekretärin mit der Umfrage zum Thema “Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Partner Sie betrügt?”. Er gab ihr dafür eine Liste mit Namen, auf der auch “Rohwedder” stand.

Detlev-Karsten Rohwedder, späterer Treuhand-Chef, der 1991 von der RAF ermordet wurde, war damals Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, und die Sekretärin sollte seine Frau befragen. Das machte sie auch, aber sie rief bei der Frau von Kurt Rohwedder an, damals Fotograf bei BILD. Diese reagierte auch wunschgemäß und sagte, ihr Mann bräuchte sich überhaupt nicht mehr blicken lassen, wenn er sie betrüge. Hinterher sagte die Sekretärin, sie habe sich auch gewundert, warum sie die Ehefrau des Fotografen befragen sollte, aber Auftrag sei Auftrag.

Diese Stellungnahme erschien am nächsten Tag in BILD als Statement von Hergard 
Rohwedder, der Frau der Staatssekretärs. Es kostete eine Berichtigung, eine Entschuldigung und einen großen Blumenstrauß, um den peinlichen Fehler wenigstens einigermaßen auszubügeln.

Wenig Freude hat auch der Fotograf, von dem seine Frau abends wissen wollte, was es zu bedeuten habe, dass sie von der BILD-Sekretärin gefragt worden sei, wie sie auf einen Seitensprung ihres Mannes reagieren würde. Denn sie vermutete, die Frage habe einen realen Hintergrund.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

16 Kommentare

1) haju, Montag, 01. Februar 2010, 11:30 Uhr

wie geeeeeil…xD

2) Nuck Chorris, Mittwoch, 03. Februar 2010, 09:48 Uhr

Peinlich peinlich…

3) Jeeves, Mittwoch, 03. Februar 2010, 10:28 Uhr

Haben Sie während Ihrer Zeit bei dem Lügenblatt tatsächlich nichts Schlimmeres erfahren als diese nett zu lesende Petitesse?

4) docmed, Mittwoch, 03. Februar 2010, 14:40 Uhr

Hammergeschichte! Blumenstrauß! Entschuldigung! Das ist der pure Wahnsinn. Verrückte Medienwelt, eben.

5) MS, Mittwoch, 03. Februar 2010, 15:41 Uhr

Hauptsache der Fotograf ist wieder heil aus der Sache rausgekommen und musste nicht auf der Couch schlafen :-)

6) s5p, Mittwoch, 03. Februar 2010, 17:42 Uhr

Die Frage: “Haben Sie ihren Kindern schon einmal eine Ohrfeige gegeben?” finde ich gar nicht so intim oder absurd. Was an der “Rohwedder-Verwechslung” so peinlich sein soll erschließt sich mir auch nicht.

7) Dirk Burchard, Mittwoch, 03. Februar 2010, 21:35 Uhr

Ja, schrecklich peinlicher Verböldungs-Journalismus. Noch peinlicher ist nur die Behauptung, Rohwedder sei von der RAF ermordet worden, was die Bundesanwaltschaft bis heute nicht bewiesen und wozu sie lediglich behauptet hat, sie habe Genspuren von Wolfgang Grams am Tatort gefunden, der als Kriegsdienstverweigerer kaum in der Lage gewesen sein dürfte, Rohwedder mit der Präzision eines Scharfschützen zu erschießen. Man könnte Michael Buback fragen zur Qualität der Ermittlungsarbeit der Bundesanwaltschaft oder Traudl Herrhausen, die angeblich auch an die Ermordung ihres Gatten durch die Stasi und weniger die RAF-Legende glauben soll. Aber wozu sich mit investigativem Journalismus quälen, wenn man “aus Berlin” die Diskurse mit opportunistischen Legenden in Anekdoten vollmüllen kann…

8) m.spreng, Mittwoch, 03. Februar 2010, 22:44 Uhr

@Dirk Buchard

Ich habe nicht behauptet, dass Grams der Tätter war. Am Tatort war aber ein Bekennerschreiben des RAF-Kommandos Ulrich Wessel.

9) ls, Donnerstag, 04. Februar 2010, 00:51 Uhr

@m.spreng

Entschuldigung, aber ein Bekennerschreiben ist schnell verfasst.

10) M. Müller, Donnerstag, 04. Februar 2010, 17:56 Uhr

@ M. Spreng:

Das Problem mit Bekennerschreiben besteht darin, daß die Urheber eindeutig identifiziert werden müssen. Sonst ergibt das keinen Sinn, weil sich einerseits Trittbrettfahrer eine Tat aneignen könnten, andererseits Anschläge unter falschen Flagge durchgeführt und Ermittler auf eine falsche Spur geschickt werden können.

Kurz gesagt, Bekennerschreiben müssen authentisch sein. Nicht nur bei diesem Mord blieb das Bundeskriminalamt den handfesten Beweis über die Urheberschaft schuldig.

11) hathol, Freitag, 05. Februar 2010, 13:01 Uhr

Ich möchte echt wissen was ihr habt? Ist eine nette Anekdote, die die “Qualität” der Arbeit von BILD veranschaulicht (und meiner Ansicht nach so einiges erklärt … Recherche by Sekretärin, hallelujah).
Sich jetzt daran Aufzuhängen, ob Rohwedder von der RAF oder jemand anderem ermordet wurde ist, pardonnez moi, korinthenkackerei und zielt schlussendlich nur darauf ab, hier unnötig Terz zu veranstalten. Aber hey, was schreib ich eigentlich … don’t feed the trolls …

12) suki11, Montag, 22. Februar 2010, 15:36 Uhr

War/Ist Ihnen das nicht peinlich bei einem Blatt gearbeitet zu haben, das mit solchen Schmieren-Geschichten arbeitet.

Alleine auf die Idee zu kommen, solche Fragen zu stellen und damit am besten noch die Frauen von Politikern zu belästigen, nur um damit ne Schlagzeile zu generieren, macht einen doch fassungslos.

Peinlich ist nicht die Verwechslung, sonder überhaupt solche Fragen zu stellen, um ne Schlagzeile zu generieren – egal an wen!

13) m.spreng, Montag, 22. Februar 2010, 15:47 Uhr

@suki 11

Ich dachte, es gehe aus der Anekdote klar hervor, dass ich nicht nur die Verwechslung, sondern auch die Anfrage peinlich finde und dies auch damals schon so empfunden habe.

14) Alexej Danckwardt, Dienstag, 07. September 2010, 18:20 Uhr

Herr Spreng, eine Frage, wenn Sie gestatten: Hatten Sie auf das Niveau der Bild-Zeitung zu Ihrer Zeit denn überhaupt keinen Einfluss? Hier im Blog erlebt man Sie als einen höchstintelligenten, nachdenklichen Menschen. Nicht ohne Vorurteile, aber mit einer gewissen Scharfsinnigkeit in der Analyse und auch einer zumindest im Ansatz vorhandenen Bereitschaft, eigene Positionen zu überdenken. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass die “Bild” jemals ein differenziertes Bild der Lebenswirklichkeit vermittelt und die Leserschaft zum eigenen Nachdenken angeregt hat. Woran liegt das? Ohne allzu sehr aus dem Nähkästchen zu plaudern, natürlich… Sie tun so, als wären Sie ein kritischer Begleiter der Bild gewesen, aber haben Sie sie denn nicht in genau dem Sinne, den Sie jetzt aufs Korn nehmen, (mit)geprägt???

15) Christian Alexander Tietgen, Freitag, 14. Januar 2011, 09:47 Uhr

Sowas passiert, wenn man die Mächtigen ins Lächerliche ziehen will.

16) Skado, Dienstag, 01. Februar 2011, 11:12 Uhr

In Sachen Mord an Rohwedder steht für mich die Frage , wem nützte es ?
Hat sich Rohwedder zu viel mit den Erhalt von ehemaligen Betrieben der DDR eingesetzt ?
Auch bei Herrhausen sehe ich das ähnlich.
Wer hatte oder hat Interesse , daß die Morde nicht aufgeklärt werden .

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