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Die Rohwedder-Verwechslung

Zu den peinlichsten Geschichten, die ich in meiner Zeit bei BILD erlebt habe, gehört die Rohwedder-Verwechslung. Und die ging so:

1975 erreichte das Bonner BILD-Büro täglich eine Flut von Wünschen aus der Hamburger Zentrale, Statements von Politikern für Prominenten-Umfragen zu besorgen. Dabei wurden die absurdesten und intimsten Fragen gestellt. Sie reichten von „Haben Sie ihren Kindern schon einmal eine Ohrfeige gegeben?“ über „Fangen Sie beim Rasieren auf der linken oder rechten Gesichtshälfte an?“ bis zu „Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Partner Sie betrügt?“.

Das führte dazu, dass kein Redakteur mehr bereit war, sich mit mit solchen Fragen bei den Politikern lächerlich zu machen. Deshalb beauftragte der damalige Büroleiter die Sekretärin mit der Umfrage zum Thema „Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Partner Sie betrügt?“. Er gab ihr dafür eine Liste mit Namen, auf der auch „Rohwedder“ stand.

Detlev-Karsten Rohwedder, späterer Treuhand-Chef, der 1991 von der RAF ermordet wurde, war damals Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, und die Sekretärin sollte seine Frau befragen. Das machte sie auch, aber sie rief bei der Frau von Kurt Rohwedder an, damals Fotograf bei BILD. Diese reagierte auch wunschgemäß und sagte, ihr Mann bräuchte sich überhaupt nicht mehr blicken lassen, wenn er sie betrüge. Hinterher sagte die Sekretärin, sie habe sich auch gewundert, warum sie die Ehefrau des Fotografen befragen sollte, aber Auftrag sei Auftrag.

Diese Stellungnahme erschien am nächsten Tag in BILD als Statement von Hergard 
Rohwedder, der Frau der Staatssekretärs. Es kostete eine Berichtigung, eine Entschuldigung und einen großen Blumenstrauß, um den peinlichen Fehler wenigstens einigermaßen auszubügeln.

Wenig Freude hat auch der Fotograf, von dem seine Frau abends wissen wollte, was es zu bedeuten habe, dass sie von der BILD-Sekretärin gefragt worden sei, wie sie auf einen Seitensprung ihres Mannes reagieren würde. Denn sie vermutete, die Frage habe einen realen Hintergrund.