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Askese mit Joschka Fischer

Joschka Fischer war, so lange ihm das Essen und Trinken Spaß machte, ein echter Genussmensch. Und daran ließ er auch andere teilhaben. Ich erinnere mich an einen feucht-fröhlichen Abend bei Bruno auf der Bonner Cäcilienhöhe, bei Parteitagen war er gelegentlich erst am nächsten Mittag wieder verhandlungsfähig. Als er sich aber zur Askese entschloss, erwartete er Askese auch von den Journalisten. So bewirtete der grüne Außenminister drei „Spiegel“-Redakteure, die ihn im Urlaub in der Toskana besuchten, mit einem (!) Apfel. Er schnitt ihn in dünne Scheiben, gab einige mikroskopisch kleine Spuren von Peccorino-Käse dazu und glaubte, so ein guter Gastgeber zu sein.

Die „Spiegel“-Kollegen aber hatten noch Glück. Für die zwei Reporter von „Bild am Sonntag“, die ihn in demselben Urlaub zum Interview besuchten, gab es bei 35 Grad im Schatten nur ein Glas Wasser – und das auch nur auf Anforderung.