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Freitag, 06. Februar 2009, 12:23 Uhr

“Heißer Draht” ins Kanzleramt

April 1974, ich war gerade mal 25 Jahre alt und jüngster Korrespondent der “Welt” in Bonn, ging ich mit Willy Brandt auf Wahlkampfreise in Niedersachen. Im Kanzler-Zug traf ich Günter Guillaume, den ich aus meiner Frankfurter Zeit kannte. Er war 1968 Geschäftsführer der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und jetzt Referent von Brandt. Im Sonderzug begossen wir abends unser Wiedersehen mit Kirschwasser. Guillaume, ganz der rechte Sozialdemokrat, beschäftigten zwei Themen besonders: die von ihm gehassten Jusos und die vernachlässigten Alten in der SPD. Den Jusos müsse man endlich “den Kopf abschlagen”. Gemeint war die Juso-Vorsitzende Heidemarie Wieczorek-Zeul, die “rote Heidi”. Und er sagte, die SPD bräuchte undedingt für die von der Partei vernachlässigten älteren Mitglieder eine eigene Arbeitsgemeinschaft, eine SPD-Seniorenvereinigung.

Nachdem ich von der Reise nach Bonn zurückgekommen war, brüstete ich mich ganz stolz damit, ich hätte jetzt einen “heißen Draht” ins Kanzleramt.

Eine Woche später wurde der Kanzler-Spion verhaftet, noch zwei Wochen später trat Willy Brandt zurück.

Bei dieser Reise war übrigens auch die ominöse dänische Journalistin dabei, die später als angebliche Brandt-Geliebte Schlagzeilen machte. Ich erinnere mich an sie: sie war blond, recht attraktiv, rauchte Zigarren und kaute Fingernägel. Nachdem Guillaume spät abends den ziemlich betrunkenen Willy Brandt fürsorglich in sein Abteil gelotst hatte, sagte er wenig später zu der Journalistin: “Der Kanzler hat jetzt Zeit”. Die Dänin verschwand daraufhin für eine halbe Stunde in Brandts Abteil und sagte nach ihrer Rückkehr, das Interview habe geklappt. Was dort wirklich geschah, weiß niemand – außer dem Kanzler-Spion vielleicht. Und der ist seit 1995 tot.

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