Donnerstag, 11. März 2010, 13:04 Uhr

Böser Bube

Karl Theodor zu Guttenberg ist nicht nur der nette Junge, für den ihn die übergroße Mehrheit der Wähler hält, sondern hinter seiner freundlich-verbindlichen Fassade verbirgt sich auch ein böser Bube. Deshalb wird die Kundus-Affäre um den Bombenangriff auf den Tanklastzug in Afghanistan immer mehr auch zu einer Guttenberg-Affäre. Und das nicht nur wegen seiner jüngsten Äußerungen zur Entlassung von Generalinspekteur Schneiderhan und Staatsekretär Wichert, denen er plötzlich nicht mehr vorwirft, ihm wichtige Dokumente vorenthalten und unterschlagen zu haben.

Die Kundus-Affäre ist schon seit dem ersten Statement des Verteidigungsministers zur Bombardierung auch eine Guttenberg-Affäre. Ohne Not, voreilig und schlecht informiert, stellte er die Verantwortlichen um Oberst Klein von jeder Schuld am Tod unschuldiger Zivilisten frei, indem er die Bomben als „militärisch angemessen“ und geradezu zwingend bezeichnete. Dies war zumindest fahrlässig, aber zu Guttenberg wollte sich schon in seinen ersten Amtstagen als Soldatenminister profilieren, der sich vorbehaltlos hinter seine Truppe stellt. Mit ein bisschen mehr Aktenstudium hätte er schon damals nicht zu dieser Einschätzung kommen dürfen.

Und wie das so ist, aus dem ersten Fehler entsteht eine Kette weiterer Fehler. Denn zu Guttenberg muss schon am Tag nach diesem Freibrief geahnt haben, dass dieser Fehler ihn die schöne Karriere kosten kann. Aber wie davon wieder herunterkommen? Da kam die Indiskretion der geheimen Feldjäger-Berichte gelegen, die ein angeblich völlig neues Licht auf die Bombardierung warfen. Sie warfen aber in Wirklichkeit nur ein völlig neues Licht auf die voreiligen Äußerungen des Ministers. Um davon abzulenken, musste schon ein starkes Theaterstück inszeniert werden, nämlich die Entlassung von Schneiderhan und Wichert. Und um diese zu begründen, musste zu Guttenberg sich selbst als Opfer inszenieren – als betrogenen und hintergangenen Minister.

Jetzt soll davon plötzlich keine Rede mehr sein. Er habe nie den Eindruck gehabt, das Schneiderhan und Wichert vorsätzlich und böswillig gehandelt hätten. Hintergehen ohne Vorsatz gibt es aber nicht.

Zu Guttenberg hat sich in der Kundus-Affäre schon zweimal selbst korrigiert. Langsam aber sicher kommt die Untersuchung seines Verhaltens wieder zu ihrem Ursprung zurück, zu seiner ersten fahrlässigen Fehleinschätzung. Und dann würde sich auch lohnen, noch einmal darüber nachzudenken, wie denn die Feldjäger-Berichte an die Bild-Zeitung geraten sind – mit der alten Frage: cui bono?

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29 Kommentare

1) Dierk, Donnerstag, 11. März 2010, 13:52 Uhr

Ich denke mal, dass es sehr gute Gründe gibt, Stabsoffizieren die Strategie zu überlassen, während Uffz einfache Soldaten anschreien dürfen oder Tabletts tragen.

Und nein, ich möchte damit nicht sagen, dass nur langgediente Offiziere Verteidigungsminister werden sollen, im Gegenteil, es handelt sich um einen politischen Posten, der besser von zivilen Diplomaten besetzt wird.

2) Christian, Donnerstag, 11. März 2010, 13:55 Uhr

Dass zu Guttenberg kein Heiliger sondern ein klassischer Karrierepolitiker mit ausgeprägtem Hang zur Selbstinszenierung ist, konnte jedem aufmerksamen Beobachter doch schon lange klar sein, spätestens mit seiner Ernennung zum Wirtschaftsminister, als er im Tagesthemen-Interview zur Begründung seiner wirtschaftlichen Kompetenz mit einer Geschäftsführertätigkeit im „elterlichen Unternehmen“ prahlte, die es nie gegeben hat.

Die eigentlich spannende Frage ist doch: Warum haben ihn die Mainstream-Medien solange in den Himmel gehoben? Warum hat der Stern eine Titelgeschichte mit zG gemacht, die aussah, als wär der Stern eine Wahlkampfbroschüre der CSU? All die, die sich jetzt über ihn das Maul zerreißen (Sie ausgenommen), haben ihm doch vorher kritiklos zugejubelt -vielleicht auch, weil es die Wahlchancen der erwünschten schwarz-gelbe Regierung befördert hat?

3) Christian Soeder, Donnerstag, 11. März 2010, 15:53 Uhr

Guttenberg ist ein klassischer Blender. Ein geschickter Blender, aber eben nicht mehr.

4) M.M., Donnerstag, 11. März 2010, 16:12 Uhr

Die Medien brauchten eine Zeit lang einen neuen Vorturner, um ihre Nachrichten besser verkaufen zu können. Ekelhaft!

5) Doktor Hong, Donnerstag, 11. März 2010, 16:18 Uhr

Ich erinnere mich noch sehr gut an Guttenbergs Auftritt bei Star-Interviewer Beckmann. Als es um die Bombardierung ging, erinnerten Mimik, Gestik und Tonfall des edlen Herrn sehr an einen Studenten im Kolloquium, der das Skript nicht gelesen hat und behauptet, der Hund habe es gefressen. Guttenberg wurde etwas kleinlaut und behauptete dann mit etwas vollerem Brustton, seine führenden Beamten und Generäle hätten ihm die Akten vorenthalten, und dass es ja wohl nicht anginge, mit einem Minister so umzuspringen.

Es gab ja auf einschlägigen Seiten diesbezüglich diverse Verschwörungstheorien. Mein Eindruck war, dass der gute Guttenberg schlicht seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wider besseres Wissen herumgetönt hat, und hinterher einen „oh scheiße“-Augenblick hatte, dem Schneiderhan und Wichert dann zum Opfer fielen. Das ist natürlich pure Spekulation meinerseits. Im wirklichen Berlin sind alle Menschen perfekt, machen nie Fehler und sind stets übermenschlich dem Staate zu Diensten.

Die Tatsache, dass Schneiderhan im Nachhinein Gutenberg der Lüge geziehen hat, macht die vage Spekulation, dass der Herr Minister schlicht seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, nicht gerade unwahrscheinlicher.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,667367,00.html
http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-12/kundus-schneiderhan-guttenberg

Es spricht allerdings für ein gesundes Verhältnis zur Macht, andere Menschen für seine Fehler verantwortlich zu machen, ihre Karrieren zu zerstören und sich selbst aus der Verantwortung zu stehlen. (Dies ist ganz allgemein gesagt, ohne Bezug auf spezielle Personen). Macchiavelli wäre stolz!

6) armer Moldavier, Donnerstag, 11. März 2010, 16:21 Uhr

Es soll Leute geben, die glauben in der Politik Geld verdienen zu können.
Es soll Leute geben, die wissen, dass man erst nach der Politik verdient.
Es soll Leute geben, die sind durch die Gnade der Geburt reich.

Es soll Leute geben die übertrieben eitel (Narzißmus) sind.

Ich kenne solches Klientel nicht.

Sind sicher nur Gerüchte von Sozialneidern.

*feix*

7) Doktor Hong, Donnerstag, 11. März 2010, 16:34 Uhr

Was die Frage des cui bono angeht – was denken Sie denn, Herr Spreng? Darf man über so etwas öffentlich spekulieren?

Kann es sein, dass Guttenbergs kometenhafter Aufstieg in der Union gewissen Platzhirschen ein wenig zu schnell ging?

In meinem Bekanntenkreis sagen schon viele: „Der Guttenberg wird noch Bundeskanzler, pass mal auf!“

8) W.B., Donnerstag, 11. März 2010, 16:41 Uhr

> Guttenberg ist ein klassischer Blender. Ein geschickter Blender […]

Das Problem ist doch viel mehr,dass die Bühne für solcherart Selbstinszenierungen in den Medien allzu bereitwillig überhaupt geboten wird. Und nicht nur das, sondern durch servile Hofberichterstattung ‚über den Herrn Baron‘ flankiert wurde – und wird.

Journalismus als vierte Gewalt im Staate? Vorstellungen von früher. Vierte Gewalt DES Staates trifft zu.

9) m.spreng, Donnerstag, 11. März 2010, 17:34 Uhr

QDoctor Hong

Dürfen darf man Die Frage „cui bono?“ hat schon häufig auf die richtige Spur geführt – natürlich nicht immer und in jedem Fall.

10) Bakunin, Donnerstag, 11. März 2010, 19:05 Uhr

Ach herrje! Von Guttenberg mag Fehler gemacht haben, wie sie jedem Lehrling im neuen Métier unterlaufen. Aber ist das denn so schlimm? Immerhin hat er seinen Soldaten, die dort auch für uns ihre Haut zu Markte tragen, die Treue gehalten und ist nicht, wie manche deutsche Verteidigungsminister vor ihm, als erster desertiert.
Ist es denn so schwer zu begreifen, dass in einem asymmetrischen Krieg, wo Zivilisten in wallenden Gewändern übergangslos (ohne die Klamotten zu wechseln) vom friedlichen Bauern zum kompromisslosen Kombattanten mutieren … dass dort binnen Sekunden Entscheidungen getroffen werden müssen, die einem Oberst ebenso misslingen können wie einem einfachen Soldaten? Noch dazu bei Nacht & Nebel? Dass jede ortsfremde Truppe, wie schon in Vietnam leidvoll gelernt wurde, einem Gegner unterlegen ist, der das heimische Terrain kennt, dessen Gegebenheiten taktisch zu nutzen weiß und mit Nadelstichen auch in Unterzahl wirksam agieren kann?
Das modische Guttenberg-Bashing ist billig und opportunistisch, Herr Spreng. Der Mann hat die Tanklaster-Affaire von seinem glücklosen Vorgänger Jung geerbt; nicht sie, sondern höchstens eine etwas patscherte Krisen-PR ist ihm anzulasten. Der fesche und gescheite Adelige ist eines der größten Nachwuchstalente der Republik; es ist bezeichnend, dass die Journaille sich nicht entblödet, daran zu mäkeln, dass er sich zu benehmen, zu kleiden und verständlich zu artikulieren weiß.
Wir sollten ihn in Ruhe was werden lassen. Unter den graugesichtigen, angepassten und weichgespülten Lemuren unserer politischen Kleinkunstbühne ist er etwas Besonderes.
Sogar meine Teenie-Kinder lieben ihn, und das will was heißen.

11) vera, Donnerstag, 11. März 2010, 19:15 Uhr

och, herr spreng, wir haben doch gerade westewelle. lassen wir den zu guttenberg doch noch in ruhe, dann haben wir wenigstens was in petto.

12) Christian Soeder, Donnerstag, 11. März 2010, 21:14 Uhr

„Sogar meine Teenie-Kinder lieben ihn, und das will was heißen.“ Was für ein Argument. Wahnsinn! Donald Duck for Bundeskanzler!

13) mac4ever, Donnerstag, 11. März 2010, 21:43 Uhr

@Bakunin

Danke für Ihre Richtigstellung der Verhältnisse in Bezug auf das Kunduz-Bombardement. Das sehe ich genau so. Zivile Opfer sind in diesem asymmetrischen Krieg vorprogrammiert und werden von der Gegenseite als Druckmittel bewußt provoziert.

In Bezug auf zG bin ich eher neutral, ich mag ihn nicht verurteilen, natürlich macht er Fehler, was auch angesichts der Diskussion, die offenbar von lauter privaten Militärspezialisten und ausgewiesenen Militärstrategen geführt wird, die alle unmittelbar dabei waren und es offenbar viel besser hinbekommen hätten, nicht verwundert.

14) Frederik, Donnerstag, 11. März 2010, 21:57 Uhr

Es gibt einfach,wie es in Deutschland häufig zu beoabachten ist, zu viele Minisister die einfach keine Minister sein sollten und auch nicht sein dürften.Manche wechseln ihre Ministerämter wie andere ihre Unterhosen.Anscheinend haben wir nur Superminister die einfach alles können^^. Du bist Deutschland.OleOle!!!

15) dissenter, Freitag, 12. März 2010, 09:57 Uhr

@Bakunin
Meiner Überzeugung nach krankt unser Land auch daran, dass Leute das Sagen haben, die wenig Ahnung haben von der Materie, für die sie zuständig sind, und noch weniger Verantwortungsgefühl für das Gemeinwohl, auf das sie verpflichtet sind, sich aber für Elite halten, weil sie „sich zu benehmen, zu kleiden und verständlich zu artikulieren“ wissen (und gerne auch einem entsprechenden Elternhaus des Geld- oder neuerdings wieder des Erbadels entstammen).

„Wir sollten ihn (Guttenberg) in Ruhe was werden lassen.“ Warum? Ich sehe nichts, was ihn mehr als andere qualifizierte.

16) ChrisGERDef, Freitag, 12. März 2010, 10:38 Uhr

Jetzt mal alle gemeinsam Hand auf’s Herz… aber nicht zur Nationalhymne:
Wir alle konnten doch gar nicht abwarten, endlich zu erfahren, was in Kunduz wirklich passiert ist!
Wer von uns hätte denn einen Minister akzeptiert, der eben erst in aller (erforderlichen) Gründlichkeit geprüft und nichts gesagt hätte? Wir hätten ihm alle Vertuschung und Zeitschinderei vorgeworfen – allen voran die Medien!
Wer von uns kann denn – selbst bei Kenntnis aller Fakten – wirklich nachvollziehen, wie sich die Situation in dieser Nacht in Kunduz für Herrn Oberst Klein dargestellt hat?
Wer von uns wünscht sich nicht, dass Politiker immer die Wahrheit sagen? Aber wer von uns glaubt wirklich, dass die dann noch eine politische Karriere hätten (oder überhaupt jemals so weit gekommen wären) und wer vons uns würde sie dann selbst noch Wählen?
Wahrheit ist nun einmal unangenehm und Wahrheit tut weh! Wenn wir wollen, dass Politiker stets die Wahrheit sagen, dann müssen wir das auch goutieren und nicht zur nächsten Wahl abstrafen oder schon vergessen haben! Wir müssen auszerdem damit rechnen, dass uns nicht gefällt was man uns sagt und dass man uns gewisse Dinge nicht (sofort) sagt, weil gerade in Bezug auf Sicherheit im In- und Ausland Wahrheit und Offenheit auch Menschenleben kosten kann!
Das entschuldigt nicht jedes Verhalten und jeden Politiker, aber man sollte sich über das im klaren sein, was man fordert, wenn man das oben beschriebene Verhalten kritisiert!

17) CB, Freitag, 12. März 2010, 12:21 Uhr

Letztendlich wird zG den grössten Nutzen aus diesen Vorgängen ziehen, er wird lernen, vor allem daraus, dass er seine Hausaufgaben nicht korrekt und rechtzeitig gemacht hat. „Böser Bube“, „Blender“, lassen wir doch mal die Kirche im Dorf. Dieser Mann ist eine Bereicherung in dem grossen Haufen von Profallas und Kauders. Und wenn wir uns in sein Alter versetzen, wer sitzt da nicht im Glaskasten. Bitte den Ball etwas flach halten, Herr Spreng.

18) Atalay, Freitag, 12. März 2010, 13:41 Uhr

Wie sagte ein Kabarettist treffend über K.T.: Die gegelte Seite der Macht!

19) marcpool, Freitag, 12. März 2010, 17:54 Uhr

Bin ganz Ihrer Meinung Herr Spreng ! zG tauchte nicht auf mit Kunduz , weil Westerwelle der chaos Mann der Stunde war aus diesem Kabinett. Es erstaunt das viele , auch hier , dem Verteidigungsminister diese gravierenden Fehler nachsehen. Es ging doch nicht darum das die Medien zG unter Druck setzten , sondern es waren die von Jung gemachten Fehler, und keiner – ich zumindest nicht – hätte z.G. getadelt, wenn er damals zunächst diplomatisch “ die vollständige Aufklörung “ hätte abwarten wollen. Er selbst liess sich hinreissen, zu den gemachten Äusserungen . Warum ? Schaut her , was ich für ein toller Mann bin ! Ich sag Euch was richtig ist. Ein paar Tage später zurückrudern – und jetzt ganz und gar gedreht ! Die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand der betroffenen Menschen, kostet Geld. Das dabei auch noch dieselben Menschen ins Unrecht gesetzt werden – und dies wohl auch bleiben werden ( siehe Kiessling, irgendetwas bleibt hängen ) scheint dem edlen Herren ziemlich egal zu sein . Ich möchte jedenfalls nicht, das man ihn in Ruhe was werden lässt, wenn er auf dem Weg eine “ Blutspur“ hinterlässt. Talent ist eine Sache- Könen das andere. Ich kann bisher nicht erkennen, das z.G. “ sein Können “ unter Beweis gestellt hätte weder als Wirtschafts- noch als V-Minister. Den Hut hätte ich gezogen , wenn er diesen Fehler auch zugegeben hätte – ohne zwei Menschen den “ Kopf abzusäbeln “ . Peinlich diese Regierung – einfach nur noch peinlich .

20) Politikverdruss, Freitag, 12. März 2010, 17:58 Uhr

Warum hat der „Böse Bube“ Brigadegeneral Henning Hars nach §50 SG entlassen?

21) Christian, Freitag, 12. März 2010, 18:06 Uhr

@ Bakunin

Sie schreiben:
„Ist es denn so schwer zu begreifen, dass in einem asymmetrischen Krieg, wo Zivilisten in wallenden Gewändern übergangslos (ohne die Klamotten zu wechseln) vom friedlichen Bauern zum kompromisslosen Kombattanten mutieren … dass dort binnen Sekunden Entscheidungen getroffen werden müssen, die einem Oberst ebenso misslingen können wie einem einfachen Soldaten?“

Naja, wenn die amerikanischen Piloten (die den Ort sehen) den Oberst (der ihn nicht sieht) im Funkverkehr mehrfach vor der Bombardierung warnen (weil sie Zweifel haben) und erst nach falschen Auskünften des Oberst das Bombardement durchführen, dann ist das eine unprofessionelle Pflichtverletzung, die eigentlich eine unehrenhafte Entlassung rechtfertigt -mindestens.

Sie schreiben:
„Der fesche und gescheite Adelige ist eines der größten Nachwuchstalente der Republik“

Naja: Wäre er das, hätte er wohl kaum die Offiziere ganz offensichtlich ohne jedes Aktenstudium öffentlich freigesprochen, wovon er sich jetzt mit allerlei Geschichtchen zu distanzieren versucht.

Unser toller Baron hat sich benommen wie ein blutiger Anfänger, der sich vollkommen selbst überschätzt -und das sagt sehr wohl etwas über die Person und ihre Fähigkeiten.

22) TottiRobotti, Freitag, 12. März 2010, 19:37 Uhr

cdu/csu/fdp ist nicht meine politische heimat, aber man muss doch einfach gestehen,
dass guttenberg der beste und sympathischste nachwuchsschauspielerpolitiker ist
den wir haben. eine generationsauffrischungskur hat die berliner soap dringend gebraucht.

23) cui bono, Freitag, 12. März 2010, 21:01 Uhr

Um nochmal auf das Cui bono zurückzukommen. So wie Sie das schreiben, Herr Spreng, drängt sich noch ein anderer Gedanke auf. Vielleicht hat der „böse Bube“ die Gesichte auch selbst der Zeitung mit den großen Buchstaben gesteckt. Es ist ja nicht so, dass ihn die dort veröffentlichte Geschichte in Bedrängnis gebracht hätte. Vielmehr hat sie ihm doch seinen Befreiungsschlag ermöglicht.

24) W.B., Freitag, 12. März 2010, 21:15 Uhr

Eine wunderbare Platitüdenansammlung teilweise hier in den Kommentaren:

>Der fesche und gescheite Adelige ist eines der größten Nachwuchstalente der Republik […]
kurz: ein Produkt von teilweise geradezu serviler ‚Berichterstattung‘. Die Fakten sehen anders aus.

> […]seinen Soldaten, die dort auch für uns ihre Haut zu Markte tragen [..]
Die meisten Deutschen können im Afghanistaneinsatz der Bundeswehr keinen SInn erkennen.
Ausserdem – was ist denn dort zu sichern? Gibt’s dort nicht mal Erdöl … während China sich in der Zwischenzeit Zugriff auf etliche Erdöl-Lieferanten gesichert hat. Ohne Militäreinsatz.
Die Gefahr eines Terroranschlags, wenn man denn eine solche erkennen will, steigt gerade wegen der deutschen Truppenpräsenz am Hindukusch.
—–

>wir haben doch gerade westewelle
Wenn Politiker ‚eine Gefahr für die Demokratie‘ darin erkennen wollen, dass Vetternwirtschaft und Korruption thematisiert wird (und nicht etwa in Vetternwirtschaft und Korruption selbst), darf dieses Thema auf keinen Fall so schnell von der Leine gelassen werden.

25) JG, Freitag, 12. März 2010, 21:39 Uhr

Herr Guttenberg kann sich gut in den Medien verkaufen. Das ist es. Herausragende weitere Fähigkeiten sind mir an den Herrn bislang noch nicht aufgefallen. Das ist mir ein bißchen wenig, nicht zuletzt nach den Erfahrungen mit dem „Medienkanzler“ Schröder. Und sollte sich der Eindruck bestätigen, daß bei Guttenberg jeder fliegt, der Kritik zu äußern wagt oder womöglich auch nur mehr Ahnung hat als der Herr Minister, so möchte ich letzterem wünschen, daß er möglichst bald seine nach eigenen Angaben so glänzende Karriere in der Privatwirtschaft fortsetzen darf.

26) Elga, Freitag, 12. März 2010, 22:10 Uhr

Die einzige Großtat des Verteidigungsministers besteht in der Feststellung, dass in Afghanistan Krieg ist. Das ist ein Anstoß, bei dem sich sofort die Frage nach dem Grundgesetz stellt.

Nun ist wie am Flughafen Frankfurt auch in Afghanistan gerade Winter und der gemeine Taliban macht ebenfalls erst einmal Winterpause. Das könnte zu der irrigen Annahme führen alles unter Kontrolle zu haben.

Wenn der Baron wirklich Größe hätte, würde er unsere Männer nach Hause holen. In einem Krieg wurde die Ehre Deutschlands schon einmal beschmutzt.

27) Doktor Hong, Samstag, 13. März 2010, 00:32 Uhr

Mir ist es noch nicht aufgefallen, dass Herr Gutenberg dafür kritisiert wird, sich vernünftig zu benehmen, gut zu kleiden und nach Tokio Hotel zum nächsten Teenie-Star zu avancieren.

Mich hat es bei seiner Einführung in die Ministerialgesellschaft baronisch, ja gar königlich amüsiert, dass mit seiner Wirtschaftserfahrung geprahlt wurde, worauf sich besagte Guttenberg GmbH auf ihrer Webseite offiziell vom neuen Bundeswirtschaftsminister distanzierte und kundgab, dass er NICHT dort beschäftigt gewesen sei. Das nur am Rande.

Jedenfalls wunderte ich mich ein wenig über den Medienwirbel, bis ich ihn dann doch mal im Fernsehen sah. Und es ist in der Tat so: Er kommt unglaublich gut rüber, hat ein staatsmännisches Auftreten und dazu noch einen richtigen Feger als Partnerin. Das muss man ihm lassen, das hat er wirklich drauf.

Nun, auch Helmut Schmidt weiß sich zu benehmen, gut zu kleiden und hat auch heute noch ein staatsmännisches Auftreten. Allerdings kommt bei ihm noch massive Substanz in puncto Intelligenz sowie philosophischer, historischer und ökonomischer Bildung dazu. Dieser Mann war auch mal Verteidigungsminister und kennt zudem den Krieg aus eigener Erfahrung. Kurzum, ein Politiker (wenn auch a.D.), den man tatsächlich für voll nehmen kann, wenn er etwas sagt.

Das sind möglicherweise die Standards, an denem man sich bei der Auswahl von Bundeskanzlern orientieren könnte. (Außer vielleicht die Kriegserfahrung, da Deutschland sich erst seit kurzem wieder an militärischen Auseinandersetzungen beteiligt.)

Dem einen oder anderen Mitkommentator könnte man evtl. die Lektüre von Kapitel 3 aus Malcolm Gladwells „Blink“ ans Herz legen: „The Warren Harding Error: Why We Fall for Tall, Dark and Handsome Men“.

Was die asymmetrische Kriegsführung angeht: Darum geht es gar nicht in der Kolumne, und niemand hier maßt sich in irgendeiner Weise an zu beurteilen, ob Oberst Klein richtig oder falsch gehandelt hat, ohne die Fakten wirklich zu kennen. Darum geht es auch nicht. Der Punkt ist, dass Gutenberg das evtl. auch nicht hätte tun sollen und dass es wohl jemanden gab, der ihn deswegen auflaufen lassen wollte. Thema ist die politische Ränke, und das hat Herr Spreng mal wieder pointiert herausgearbeitet. Weiter so!

28) Dierke, Montag, 15. März 2010, 12:27 Uhr

Die Minister – leider auch zu Guttenberg – sind zu oft in den vielen nichtssagenden und mittelmäßigen Talkshows. Da bleibt für eine vernünftige Arbeit im Parlament und am Schreibtisch keine Zeit. Meiner Meinung nach ist diese ständige Medienpräsenz in Verbindung mit der nächsten Wahl die Hauptursache für die schlechten Ergebnisse, die dieses – seit Jahren schon – ebenfalls schlechte politische Personal abliefert.

29) öfchtzchen, Montag, 15. März 2010, 18:03 Uhr

„Ach herrje! Von Guttenberg mag Fehler gemacht haben, wie sie jedem Lehrling im neuen Métier unterlaufen. Aber ist das denn so schlimm? Immerhin hat er seinen Soldaten, die dort auch für uns ihre Haut zu Markte tragen, die Treue gehalten und ist nicht, wie manche deutsche Verteidigungsminister vor ihm, als erster desertiert.“

Und ich dachte immer, dass es der Job des Verteidigungsministers sei im Sinne des ganzen Volkes zu agieren und nicht um jeden Preis Fehlverhalten seiner Offiziere zu decken (was Sie hier euphemistisch als „Treue halten“ bezeichnen). Wieder was gelernt…..

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