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Arme Politikerfrauen

Die Frauen der meisten Spitzenpolitiker sind nicht zu beneiden. Während sich die Männer in Berlin (früher in Bonn) selbstverwirklichen, sitzen sie in der Provinz, kümmern sich um die KInder und warten darauf, dass ihre Ehemänner endlich nach Hause kommen und ein bisschen Zeit für sie haben.  Dehalb stehen viele der Politik, der Hauptstadt und der Karriere ihrer Männer skeptisch und argwöhnisch gegenüber. Ich erinnere mich an zwei typische Begebenheiten.

Die eine bei einem Interview mit Helmut Kohl am Wolfgangsee, wo er jedes Jahr seinen Sommerurlaub machte. Als er das Zimmer wegen eines Telefonats verlassen musste, nahm Hannelore Kohl meine Hand und klagte: “Immer an den Wolfgangsee, ich will doch mal raus, etwas erleben, etwas von der Welt sehen”. Damit meinte sie keine Staatsbesuche, die sie hasste, sondern sie wollte einfach mal etwas anderes sehen als immer nur Oggersheim und den spießigen Wolfgangsee. Als Kohl ins Zimmer zurückkam, wechselte sie schnell das Thema.

Oder Karin Stoiber. Vier Wochen nach der Wahlniederlage 2002 lud ihr Mann alle Verantwortlichen der Kampagne auf eine bayrische Alm ein. Karin Stoiber, die gegen seine Kanzlerkandidatur war, fragte mich: “Hält denn die rot-grüne Koalition jetzt vier Jahre?” Ich antwortete: “Davon gehe ich aus”. Erleichtert sagte sie “Gottseidank”. Sie hatte Angst, ihr Mann müsse (oder wolle) noch einmal ran und es drohe doch Berlin.