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Wie umsonst ist der Tod?

In der aktuellen Afghanistan-Debatte stört mich ein Wort ganz besonders: “umsonst”. Das entwertete Wort aus der Schnäppchenmarkt-Sprache beherrscht viele der Stellungnahmen nach dem Tod der drei deutschen Soldaten. “Unsere Soldaten sind nicht umsonst gefallen”, sagt Verteidigungsminister zu Guttenberg, “Ihr Tod darf nicht umsonst gewesen sein”, meinen andere. Diese Sätze erinnern in ihrer ganzen politischen Hilfslosigkeit fatal an den Satz: “Umsonst ist nur der Tod und der kostet das Leben”.

Gemeint ist wohl “sinnlos”, der Tod der Soldaten mache, so grausam und endgültig er ist, einen Sinn, er war nicht vergebens. Selbst dann, wenn der Tod nicht sinnlos gewesen sein sollte, setzt diese Rhetorik dennoch einen gefährlichen Kreislauf in Gang: damit 39 Soldaten nicht sinnlos und vergebens gestorben sind, muss weitergekämpft werden, bis immer neue Soldaten “nicht umsonst” sterben. Zumindest bis 2011, denn dann soll der Abzug beginnen. Hat der Sinn des Todes deutscher Soldaten in Afghanistan eine Datumsgrenze?

Und wenn der Tod angeblich einen Sinn hat, dann ist es der Bundesregierung und den Parteien, die den Afghanistan-Einsatz im Parlament tragen, bis heute nicht gelungen, diesen Sinn den Bürgern verständlich zu machen. Wie auch? Weder ist der internationale Terror eingedämmt, noch ist das Land friedlicher geworden, noch hat die Polizei-Ausbildung zu einer funktionierenden Polizeitruppe geführt, noch ist es gelungen, wenigstens einen Hauch von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu implantieren. Im Gegenteil: Wahlfälschung, Korruption, Drogenanbau und Gewaltherrschaft von Warlords haben mehr Konjunktur denn je. Und alle Parteien geben zu, dass der Krieg in Afghanistan ohnehin nicht zu gewinnen ist.

Wenn CDU/CSU, FDP und SPD schon nicht in der Lage sind, aus diesem sinnlosen Krieg auszusteigen, dann sollten sie zumindest “umsonst” aus ihrem Wortschatz verbannen.