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BILD ruft, Merkel springt

Jetzt also doch. Angela Merkel nimmt an der Trauerfeier für die drei in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten teil. Erst wollte sie nicht. Dafür sei nach Absprache der Verteidigungsminster zuständig, wie das bürokratenmäßig heißt. Der Hintergrund ist banaler und brutaler: Merkel will nicht mit dem Krieg und den toten Soldaten identifiziert werden. Wenn aber BILD ruft, springt die Kanzlerin. Plötzlich ist ihr das ein “persönliches Anliegen”. Getreu dem Motto ihres Vorgängers Gerhard Schröder. Wichtig seien nur “BILD, BamS und Glotze”.

Und das ging ganz schnell. Morgens fragte BILD “Warum gibt die Kanzlerin den toten Soldaten nicht das letzte Geleit?”, mittags kam die Zusage Merkels. Und das ist in wenigen Monaten schon das zweite mal. Das erste mal war, als BILD sie auf Seite 1 ultimativ aufforderte, die CD mit den Daten der Steuersünder zu kaufen. Das wollte sie erst auch nicht, dann sprang sie. Von heute auf morgen. Dafür wurde sie für ihre Haltung im Griechenland-Streit der EU von BILD mit dem Bild der “eisernen Kanzlerin” und dem Vergleich mit Otto von Bismarck belohnt.

Gegen BILD spricht das nicht: große und plakative Schlagzeilen, Kampagnen-Überschriften sind ihr Geschäft. Aber dass die entscheidungsschwache, moderierende Kanzlerin nur dann ganz schnell wird, wenn BILD sie dazu auffordert, offenbart ein merkwürdiges Amtsverständnis. Hat sie keine eigenen Entscheidungsmaßstäbe, keine eigene Haltung – unabhängig von BILD? Wenn sie mal so schnell würde, wenn die eigene Partei oder die Oppostion sie rufen – oder gar die Probleme.