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Wie korrupt sind Journalisten?

Journalismus ist ein korruptionsanfälliger Beruf. Redaktionelle Artikel sind nun einmal glaubwürdiger als Anzeigen. Nur man hört wenig davon. In den Nachrufen auf Ferdinand Simoneit, den großen Wirtschafts- und Autojournalisten, wurde jetzt noch einmal die Anekdote vom dem nie eingelösten Blankoscheck erzählt, der gerahmt in seinem Büro hing – ausgestellt von einem Automobilhersteller. Ich selbst wurde schon als Jungredakteur  (1.103 DM monatlich brutto) mit einem Bestechungsversuch konfrontiert: ein Bauträger namens König, der wertloses Ackerland als Bauland mit Komfortvillen verkaufte, wollte mich mit 15.000 DM von der Berichterstattung abhalten. Erfolglos. Der Bericht erschien unter der Überschrift “Ein König ohne Land”.

Den zweiten Versuch erlebte ich als Chefredakteur. Eine Münchner Medienagentur, die Autoren und Artikel anbot, aber auch Serien und Namensbeiträge von Politikern (meist der FDP) in den Zeitungen zu platzieren versuchte, bot mir an, meine “Express”-Kommentare in einem neuzugründenden Pressedienst nachzudrucken – für bis 3.000 Mark Honorar pro Nachdruck. Ich war überrascht, welche bekannte Kollegen in diesem Schein-Pressedienst auftauchten. Er erschien allerdings nur ein paar Wochen. Ein Kollege eines anderen Blattes berichtete mir glaubwürdig, diesselbe Agentur habe ihm angeboten, pro Folge 1.500 DM auf sein Privatkonto zu überweisen, wenn er den Abdruck einer Serie eines FDP-Ministers bei seiner Zeitung durchsetze. Die Serie erschien tatsächlich, aber ohne “Sonderhonorar”. 

Als besonders korruptionsbedroht gelten Auto- und Reisejournalisten. Noch gefährdeter aber sind Medizinjournalisten, weniger durch die Arzneimittelhersteller, sondern mehr durch die Produzenten der (eigentlich überflüssigen) Nahrungsergänzungsmittel. Als ich in meiner Zeit als Chefredakteur einmal einen Redakteur unter Verdacht hatte, aber nichts beweisen konnte, strich ich kurz vor Andruck alle Produktnamen aus seinen Artikeln. Das machte ich noch zweimal, dann war Ruhe und der Journalist bekam wahrscheinlich Probleme mit seinen heimlichen  Auftraggebern.

Heute ist bei vielen Zeitschriften (besonders Frauen- und Klatschblättern) Korruption überflüssig, weil die Redakteure unter dem Druck ihrer Anzeigenabteilungen ohnehin Produktwerbung im redaktionellen Teil machen müssen.