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Westerwelles Heilfasten

Guido Westerwelle hat sich innenpolitische Enthaltsamkeit verordnet, eine Art Heilfasten. Seit Wochen konzentriert er sich auf die Außenpolitik, macht unauffällig und unspektakulär seine Arbeit als Minister. Als jetzt die FDP ihr neues Steuerkonzept präsentierte, wurde deshalb wieder ein Mann aus der tiefen Versenkung gezogen, in die ihn Westerwelle bei der Regierungsbildung 2009 befördert hatte: Hermann Otto Solms. Wenn´s eng wird, werden die wenigen seriösen und vorzeigbaren Politiker der FDP doch wieder gebraucht. Fehlt nur noch Wolfgang Gerhardt, den Westerwelle einst als Fraktionsvorsitzenden gestürzt hatte.

Westerwelle dagegen ließ sich nicht blicken. Das ist sicher gut für die FDP, für die NRW-Wahl wird es ihr aber nichts mehr nützen. Wenn sie Glück hat, werden es sieben oder acht Prozent, die zweistelligen Träumereien sind vorbei. Zu groß ist der Schaden, den Westerwelle mit der Klientelpoltik für Hoteliers und seiner Vendetta gegen Hartz-IV-Empfänger angerichtet hat.

Meinungsforscher haben festgestellt, dass der Wähleraustausch zwischen CDU und FDP fast völlig zum Erliegen gekommen ist. Unzufriedene CDU-Wähler wechseln nicht mehr zur FDP, wie sie es massenhaft bei der Bundestagswahl getan haben, sondern bleiben zuhause oder wählen, zumindest einige von ihnen, die Grünen. Die FDP steht bei Wechselwählern nicht mehr auf dem Zettel.

Der Schaden, den Westerwelle in den ersten Monaten von Schwarz-Gelb angerichtet hat, ist schwerwiegend, langfristig und kaum heilbar. Da helfen auch ein paar Wochen innenpolitisches Heilfasten nichts. Und erst recht kein “Bravo”-Interview über seine rebellische Jugend, sein Faible für Johnny Depp und dass er gerne Kinder gehabt hätte.